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Verfasst von Avi Snyder

Chanukkah und der Tempel Gottes

Zu dieser Jahreszeit feiern wir Juden weltweit Chanukkah, das Lichterfest.

Es wird auch das Fest der Weihe genannt. Das ist sogar die Bedeutung von Chanukkah. Die Ereignisse, an die an Chanukkah erinnert wird, trugen sich nach der Vollendung des Tenach zu, der gewöhnlich als “Altes Testament” bezeichnet wird. Deshalb halten manche Menschen Chanukkah für ein untergeordnetes Fest. Aber ist die Aussage von Chanukkah wirklich von geringer Bedeutung? Schauen wir uns doch einmal an, woran Chanukkah erinnert; wir wollen darüber nachdenken, was uns diese Ereignisse über Gott und über den Messias Jeschua (Jesus) lehren.

Seit dem babylonischen Exil lebte das jüdische Volk unter Fremdherrschaft. Von 539 bis 333 vor der heute gebräuchlichen Zeitrechnung lebten wir unter den Persern. Dann eroberte Alexander der Große das Gebiet. Als er starb, wurde sein Reich unter seine Generäle aufgeteilt. Wir wurden anfangs von den Ptolemäern regiert, danach von den Seleuciden. Diese waren sehr darum bemüht, unsere jüdische Lebensweise durch die der Griechen zu ersetzen. Unser bitterster Gegner war der seleucidische König Antiochus IV. Unter seiner Herrschaft wurden viele jüdische Menschen erschlagen, und der Heilige Tempel in Jerusalem wurde verunreinigt. Um seine abgrundtiefe Verachtung für Gott und den jüdischen Glauben zu zeigen, opferte Antiochus ein Schwein auf dem Altar im Tempel – er opferte es dem griechischen Gott Jupiter. Einige Juden flohen in die Berge und bildeten eine Armee, um sich gegen Antiochus zu stellen. Nach drei Jahren bitterer Kämpfe besiegten diese Rebellen unter der Leitung von Judas Makkabäus die Heere des Antiochus. Sie eroberten Jerusalem zurück und widmeten sich der Aufgabe, den Tempel zu reinigen, damit er wieder benutzt werden konnte.

Im Herzen unseres Konflikts mit Antiochus stand unsere Entschlossenheit, den Tempel zu reinigen und ihn wieder für seinen ursprünglichen Zweck zu weihen. Warum eine derartig von Herzen kommende Hingabe an den Tempel? Warum eine derartig leidenschaftliche Entschlossenheit, den Tempel zurückzubekommen? Weil gemäß dem ursprünglichen, biblischen Judentum der Tempel im Zentrum des jüdischen Glaubens stand. Der Tempel war der Ort, auf den Gott seinen Namen gelegt hatte; dort wohnte Gottes eigene Gegenwart – die Schekinah – mitten unter dem Volk. Der Tempel war der einzige Ort, an dem Opfer zur Vergebung unserer Sünden dargebracht werden konnten. Der Tempel war der Ort, an dem Heiliger Gott sündiger Menschheit zu begegnen versprochen hatte – so lange wir in Buße und Glauben zu ihm kamen und auf Gottes Opfer vertrauten, und nicht auf unsere eigenen guten Taten.

Wenn wir die Wichtigkeit des Tempels verstehen, begreifen wir auch, warum so viele unserer Vorfahren über die Aussage entsetzt waren, die der Messias Jesus vor fast zweitausend Jahren machte. Im Neuen Testament lesen wir über eine Zeit, als ihn sein Eifer und seine Liebe für den Tempel Gottes dazu brachten, die Händler vom Tempelberg zu vertreiben – genau, wie unsere Vorfahren ihn Jahre zuvor gereinigt hatten.

…und zu den Taubenverkäufern sprach er: “Nehmt dies weg von hier, macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus!” (Johannes 2,16)

Als Jeschua herausgefordert wurde, ein Zeichen zu geben, dass er die Vollmacht hätte, derartig drastische Aktionen in die eigene Hand zu nehmen, sagte er:

“Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten”… Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes. Als er nun aus den Toten auferweckt war, gedachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte” (Johannes 2,19 und 22)

Wie konnte Jeschua behaupten, dass sein eigener Körper der wahre Tempel Gottes sei? Der Tempel war der Ort, an dem Gottes Gegenwart mitten unter dem Volk wohnte; genauso ist Jesus das Bild des unsichtbaren Gottes, und in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig (Kolosser 1,15 und 2,9). Der Tempel war der Ort, an dem Opfer zur Vergebung der Sünden dargebracht wurden; genauso hat Jesus sich selbst als das vollkommene Opfer für die ganze Menschheit dargebracht (Hebräer 10,10). Und der Tempel war der Ort, an dem Heiliger Gott sündiger Menschheit begegnete, um unsere Sünden zu vergeben; genauso verkündete Jesus: “Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinaus stoßen” (Johannes 6,37).

Ist Chanukkah ein Fest von geringer Bedeutung? Nicht wirklich. Nicht, wenn wir uns an den Einen erinnern, auf den dieses Fest hinweist.