Design: Baristas.co

„Fels der Zeiten, lasse uns dich mit deiner heilenden Kraft durch dieses Lied preisen. Von tobenden Feinden umringt warst du unsere Trutzburg. Wütend bestürmten sie uns, aber dein Arm schützte uns, dein Wort brach ihr Schwert, als uns unsere eigene Stärke im Stich ließ.”

„Maos Zur“ / „Fels der Zeiten“ ist vielleicht das bekannteste mit Chanukka-Feiern assoziierte Sakrallied. Obwohl sich das Lied „Fels der Zeiten“ auf den Schöpfer bezieht, beschäftigen sich die Gespräche zu Chanukka irgendwie immer mit anderen Dingen: Menoras, Latkes (Kartoffelpuffer) und Dreydls (Kreisel) scheinen in modernen Ausdrücken Vorrang vor dem Gebet zu Gott zu haben. Einige sagen, Chanukka sei nichts anderes als das „jüdische Weihnachten.“ Stimmt diese Behauptung? Rabbi Emanuel Rackman, Professor für jüdische Studien an der City University von New York, meinte:

„Unsere soziale, politische und geistige Existenz ist nicht vom Christentum isoliert, und da Christen eins ihrer wichtigsten religiösen Feste im Laufe des Monats Dezember feiern, bekam auch das Fest Chanukka überragende Bedeutung für Juden.

„Juden mussten einen Weg finden, ihre eigene Identität zu betonen. Und so wurde Chanukka vom Status eines minderen Fests zu größerer Bedeutung katapultiert. Auch wir bescheren nun einander mit Chanukka-Geschenken; es gibt Chanukka -Geschenkpapier, Chanukka-Feste, Chanukka-Sparklubs…“

Herman Wouk, Autor der religiösen Abhandlung „Das ist mein Gott“ und vieler anderer Werke, wie „Die Meuterei Kains“ oder „Die Winde des Kriegs“, ist ein jüdischer Existentialist. Er verleiht den Worten Rabbi Rackman etwas Gewicht:

„Es wäre angenehm zu glauben, dass die ungeheure Relevanz von Chanukka für das jüdische Leben in Amerika das Interesse an diesem Feiertag verstärkt hat. Aber es ist noch ein anderer und vollkommen offensichtlicher Faktor am Werk, der erstaunliche Zufall im Timing, durch den dieser kleine hebräische Feiertag im Kalenderjahr meist mit einem großen heiligen Tag des christlichen Glaubens zusammenfällt. Dieser Zufall hat im Prinzip ein völlig neues Chanukka geschaffen…“

Denn Chanukka gehört nicht zu den Feiertagen, die Gott uns zu feiern geboten hat, man feiert es eigentlich nur, um die jüdischen Kinder zufriedenzustellen, die sich sonst benachteiligt fühlen würden, weil der Weihnachtsmann keine jüdischen Häuser beliefert. Chanukka ist ein Tag, den man feiert, weil er uns etwas über Gott und seine Liebe für unser Volk lehrt.

Seit der Zeit des babylonischen Exils steht unser Volk unter Fremdherrschaft. Von 539 bis 333 v. Chr., etwa zweihundert Jahre lang, waren wir Untertanen des persischen Reiches. Dieses riesige Reich umfasste Syrien im Norden von Israel ebenso wie Ägypten im Süden von Israel. Die Perser setzten einen Statthalter in Israel ein, der sich nicht sonderlich in die religiösen Praktiken unseres Volkes einmischte. Seine Hauptsorge war, dass wir unsere Steuern an Persien zahlten und dem kaiserlichen Zivilrecht gehorchten. Und er erkannte unseren Hohepriester als Vertreter des Volkes an. Dieser verhandelte immer mit dem persischen Statthalter. Und meistens gab es wenig Probleme mit dem Kaiser.

Doch die persische Regierung wurde schwächer und verletzlich. Schließlich eroberten Alexander der Große und seine gewaltige Armee das Reich und unter griechischer Herrschaft änderte sich das Regierungssystem. Alexander starb zehn Jahre später und sein Reich wurde unter vielen Herrschern aufgeteilt, alle von ihnen Griechen. In diesen Reichen herrschte nicht gerade Harmonie. Syrien gehörte den Seleukiden und Ägypten den Ptolemäern. Sie gingen weniger als freundlich miteinander um und Judäa war zwischen beiden gefangen.

Den größten Teil des dritten Jahrhunderts v. u. Z., wurden wir von den Ptolemäern beherrscht. Im Gegensatz zu den Persern wurde kein ausländischer Statthalter eingesetzt. Stattdessen diente der Hohepriester sowohl als politischer Herrscher als auch als religiöser Vertreter. Zusammen mit diesem größeren Maß an Selbstverwaltung kam es zu einem gewissen Druck auf unser Volk, griechische Kultur und Sitten anzunehmen. Dies führte zur Bildung politischer Parteien in Israel, einige waren eher den griechischen Syrern zugeneigt, andere eher den griechischen Ägyptern. Häufig gab es Krieg. Schließlich eroberte das seleukidische Syrien das jüdische Land. Dies bedeutete größere Veränderungen. Denn die Seleukiden waren stärker darauf bedacht, die griechische Lebensweise in unserem Volk anzusiedeln, als die Ptolemäer. Viele Juden nahmen jetzt griechische Namen an. Juden begannen, Togas zu tragen. In Jerusalem wurde gar eine Sportanlage errichtet, griechische Spiele eingeführt.

Antiochus IV., der sich selbst „Epiphanes“ (sichtbarer Gott) nannte, war ein verachteter syrischer Herrscher. Als Hohepriester diente ihm ein hellenisierter Jude namens Joshua, der den griechischen Namen Jason angenommen hatte. Jason betrachtet sich selbst als moderat, aber Antiochus wollte einen engagierteren Hellenisten in seiner Position und setzte drei Jahre später Menelaos (ehemals Menachem) als Hohepriester ein.

Die Perser wollten nur Tribut. Die griechischen Nachfolger von Alexander, insbesondere Antiochus IV., teilten seine Vision und seinen arroganten Glauben an die Überlegenheit des „griechischen Way of Life“, des Hellenismus. Es ist zwar richtig, dass der Hellenismus intellektuelle Beschäftigung und eine höfliche, hoch zivilisierte Gesellschaft ermutigte, doch brachte er auch Götzendienst mit sich und überhöhte die Weisheit des Menschen. Die Hellenisten empfanden nichts als Verachtung für die jüdische Religion und die jüdische Lebensweise, und sie machte sich daran, die Einwohner Judäas zu „zivilisieren“, indem sie sie in die griechischen Standards von Antiochus Epiphanes hineinzwangen. Nur diejenigen, die dem „alten Weg“ abschworen, bekamen einen Platz in der idealisierten griechischen Gesellschaft. Der Rest wurde wie Barbaren oder Staatsfeinde behandelt. Die Praxis der Verehrung des Gottes Israels wurde zu einem „Verbrechen“.

Während dieser Zeit wurden viele unserer Leute getötet und der heilige Tempel in Jerusalem geschändet. Der goldene Altar, die Leuchter, alle Gold- und Silber-Utensilien wurden aus dem Tempel geholt. Und um seine äußerste Verachtung für unsere Religion zu zeigen, opferte Antiochus eine Sau im Tempel, bot sie dem griechischen Gott Zeus dar.

In der Zwischenzeit ging der Krieg zwischen dem griechischen Ägypten und dem griechischen Syrien weiter. Während Syrien in seinem Krieg mit Ägypten vorankam, zog sich Antiochus IV. widerwillig zurück, als Reaktion auf Druck des Senats von Rom der nächsten, neuen Großmacht in der damaligen Welt. Judäa wurde dann die südliche Grenze des seleukidischen Syriens. Da er die Grenze mit Ägypten sichern wollte, erließ er ein Dekret für alle Volksgruppen in seinem Reich, dass sie griechische Götter anbeten und Griechen werden müssten. Dies wurde von allen Untertanen des Antiochus IV. akzeptiert, außer den Juden. Unsere Ablehnung des Hellenismus machte den syrischen König wütend und wir lesen in 1. Makkabäer von den Verfolgungen, die dann einsetzten:

Sie (die Hellenisten) zerrissen alle Bücher des Gesetzes, die sie finden konnten, und verbrannten sie. Überall dort, wo ein Buch des Bundes in jemands Besitz gefunden wurde, oder immer, wenn jemand das Gesetz offen befolgte, verlangte der König per Dekret das Todesurteil. Monat für Monat wurde jeder Israelit brutal misshandelt, der in den Städten aufgefunden wurde… In Übereinstimmung mit dem Dekret töteten sie auch die Frauen, die ihre Kinder beschnitten hatten, hängen ihnen die neugeborenen Babys um den Hals, und töteten auch ihre Familien sowie diejenigen, die die Kinder beschnitten hatten…

Einige Juden flohen aus den Städten in das Hügellang Judäas, bilden Banden von Guerillakämpfern. Sie waren dem Gott Israels treu und weigerten sich, sich der griechischen Kultur mit ihrem Götzendienst unterzuordnen. Eine solche Gruppierung wurde von einer Familie von Priestern geleitet, die aus der Stadt Modin, nahe Jerusalem, stammte. Man nannte sie die Hasmonäer, obwohl niemand mehr weiß, wie sie zu diesem Namen gekommen waren. Im Gegensatz zu den anderen Banden jüdischer Widerstandskämpfer glaubten ihr Führer Mattatias und seine fünf Söhne, dass es zur Selbstverteidigung auch zulässig war, am Sabbat zu kämpfen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Griechen einfach durchgesetzt, indem sie ihre Angriffe immer auf einen Sabbat legten. Diese Guerilla war dann mit ihren tapferen Scharmützeln gegen die syrischen Soldaten erfolgreich. Sie wuchs an Zahl – und somit auch ihre Fähigkeit Widerstand zu leisten. Nach dem Bericht der apokryphen Schriften starb Mattatias innerhalb eines Jahres und sein Sohn Juda übernahm. Er erhielt den Spitznamen „Makkabäus“, was „Hammer“ bedeutet. Es hieß, dass er Gottes Hammer war, der die Syrer zerschlagen sollte. Geschichte und Legende scheinen hier verwoben zu sein, doch soweit wir heute wissen, haben die Hasmonäer nach drei Jahren Kampf unter der Führung von Juda Makkabäus die Syrer in Jerusalem besiegt. Dann machte sich Juda daran, den Tempel zu reinigen. Der Altar, der durch das Opfern von Schweinen geschändet worden war, wurde abgebaut und ein neuer gebaut. Neue heilige Gefäße wurden gefertigt. Ein Termin wurde für neue Weihe des Tempels festgelegt, der 25. Kislew, der gleiche Tag, an dem drei Jahre zuvor Antiochus IV. sein Dekret erlassen hatte.

Als Juda den Tempel neu weihte, gab es nur ein geweihtes Gefäß mit Öl – und dies reichte nur für einen Tag. Doch wie durch ein Wunder brannten die Ölleuchter acht Tage lang. Daran erinnern wir durch das achttägige Anzünden der Lichter. Wir verwenden hierfür eine spezielle Lampe, die Menora.

Dieses Ereignis war die Tempelweihe des Jahres 165 v. u. Z., dessen die Juden auf der ganzen Welt jedes Jahr mit dem Fest Chanukka gedenken. Während manche heutzutage behaupten, dass Chanukka nur ein kleines Fest sei, das nur durch die Gleichzeitigkeit von Weihnachten in dieser Jahreszeit erhöht wird, war es den Juden vor der Zeit von Jesus und wohl auch während des ersten Jahrhunderts für Jesus selbst sicherlich wichtig, das Chanukka-Fest zu feiern.

Im Evangelium des Johannes findet sich ein Verweis auf Chanukka:

„Es war damals das Fest der Tempelweihe in Jerusalem und es war Winter. Und Jesus ging umher im Tempel in der Halle Salomos.“ (Johannes 10, 22-23)

Also feierte man Chanukka – nicht als Kartoffelpuffer-Fest, sondern als eine feierliche Zeit, um an die Tempelweihe zu erinnern. Es wurde auch eine Art Nationalfeiertag. Sein Charakter ähnelte dem des amerikanischen Unabhängigkeitstages, allerdings war es eher geistlich, nicht weltlich. Das Fest beging man mit Riten ähnlich denen des Laubhüttenfests, begleitet von der Darbietung vieler Opfern im Tempel.

Nachdem der Tempel in Jerusalem zerstört worden war, hatten viele Juden offenbar die Lust verloren, Chanukka noch zu feiern. Es ist eine Ironie, dass es diejenigen sind, die an Jesus glaubten, sowohl Juden als auch Heiden, die dieser Feier von Gottes Treue eine größere Bedeutung beimessen. Diejenigen von uns, die an Jesus glauben, glauben seinem Worten: „Brecht diesen Tempel ab und in drei Tagen will ich ihn wieder aufrichten.“ (Johannes 2,19)

Jesus sprach mit diesen Worten allerdings von sich selbst als dem Tempel, dem Ort der Opfer und des heiligen Altars. Er kündigte seinen Zuhörern damals an, dass er zwar physisch zerstört werden, aber dann von den Toten wiederauferstehen würde, dass der Tempel Gottes dann aber nie wieder geschändet, nie wieder zertrümmert werden würde. Anstelle dessen würde er für alle Ewigkeit stehenbleiben.

Heute wird Chanukka oft als „Lichterfest“ bezeichnet. In den Schriften des Flavius Josephus finden wir aber keine Erwähnung des Begriffs „Chanukka“. Stattdessen schreibt er: „Seit diesem Zeitpunkt, bis auf diesen Tag, feiern wir das, was wir ‚Lichterfest‘ nennen.“ (Antiquitates Judaicae 12, 325). Seine Erklärung des Namens ist, dass das Recht, Gott zu dienen, den Menschen unerwartet zugestanden wurde, wie ein plötzlich aufleuchtendes Licht.

Es ist ganz interessant, dass auf dem Chanukka-Leuchter auch eine Schammos-Kerze ist. Diese Kerze ergänzt die acht normalen Kerzen. „Schammos“ bedeutet Diener. Und einer der Gründe für den Schammos ist, dass diese zusätzliche Kerze dafür genutzt wird, die anderen anzuzünden. Die acht Kerzen erhalten ihr Licht von der einen. Sie hat die Aufgabe zu dienen. Die Autorin dieses Artikels glaubt, dass der Schammos als sichtbares Symbol für Jesus angesehen werden kann, der allen Licht gibt, die sich erlauben, für Gott zu glänzen. Er sagte von sich selbst: „…so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ (Matthäus 20, 28) Wir lesen auch, dass er das wahre Licht war, „ … das alle Menschen erleuchtet…“ (Johannes 1, 9)

In gewissem Sinne hatte Rabbi Rackman also recht damit zu sagen, dass angesichts von Weihnachten Chanukka „vom Status eines minderen Fests zu einem Fest mit großer Bedeutung befördert wurde.“ Es ist wahr, dass das Ereignis der Geburt von Jesus das Verständnis von Chanukka als „Lichterfest“ sowie als „Weihefest“ erweitert, denn die, die das Licht der Welt selbst kennenlernen durften, haben Zugang zum Heiligen durch sein priesterliches Opfer (siehe Hebräer 9 und 10).

Dieses Chanukka-Fest konkurriert nicht mit Weihnachten und ist auch kein bloßer Ausdruck einer Kultur: Warum sollte man dabei nicht an den Tempel und das Licht des Lebens erinnern?