Foto: Josh Felise

Etwa anderthalb Jahrhunderte zuvor hatten die Griechen das Land erobert, und das Volk lebte nun unter heidnischer Regentschaft. Alexander der Große war zunächst noch gut zu den Juden gewesen; aber irgendwann starb auch er, und nach ihm regierten seine Generäle.

Schließlich erbte Antiochus den Thron. Er selbst nannte sich Epiphanes, „der Göttliche“; die Juden jedoch lernten bald, ihn Epimanes zu nennen – „der Wahnsinnige“. Anfangs war Antiochus gar nicht so schrecklich. Nach seinem Willen sollte die Welt vom reichen kulturellen Erbe der Griechen profitieren: von Demokratie, Philosophie, Wissenschaft, Kunst und Sport. Einen Nachteil hatte sein wohltätiger Herrschaftsstil allerdings: Er gestattete seinen Untertanen einzig und allein die Ausübung der griechischen Religion. Für die Juden, die dem HERRN als dem einzig wahren Gott nachfolgten, waren das sehr, sehr schlechte Nachrichten.

Unter Antiochus’ Befehl marschierten die griechischen Heere durchs Land Israel und errichteten heidnische Altäre. Das Studium der Heiligen Schrift und die öffentliche Anbetung Gottes wurden in den Untergrund getrieben. Bei der Anbetung des HERRN ertappt zu werden, bedeutete den Tod; und viele Juden starben lieber, als sich durch Huldigung vor einem Götzenbild zu verunreinigen.

Eines Tages hielt Antiochus großen Festeinzug in Jerusalem. Im Zuge seiner totalitären Bemühungen zur zwangsweisen Durchsetzung seiner Religionspolitik opferte er ein Schwein auf dem heiligen Altar im Tempel. Die jüdischen Menschen waren zutiefst empört und wollten all diesen Verfolgungen zum Trotz nicht damit aufhören, dem Gott Israels zu dienen. Antiochus Epiphanes’ Unterdrückungspolitik setzte sich fort, bis ein jüdischer Priester namens Mattathias eine Widerstandsbewegung ins Leben rief, die schließlich zum Sturz der heidnischen Herrschaft in Israel führte.

Laut den außerbiblischen Berichten starb Mattathias schon nach weniger als einem Jahr; doch sein Sohn Judas übernahm die Leitung des Widerstandes. Das Volk gab Judas den Beinamen Makkabäus, das bedeutet „Hammer“. Man bezeichnete ihn als den Hammer Gottes, der die Syrer zerschmettern sollte. Geschichte und Legende sind eng miteinander verwoben; doch anscheinend gelang es den jüdischen Revolutionären nach drei Jahren, die syrischen Unterdrücker zu bezwingen.

Nach diesem Sieg über den Feind musste der besudelte Tempel gesäubert und für den Gottesdienst zeremoniell gereinigt werden. Als Judas den Tempel neu der Anbetung des HERRN weihte, war nur ein einziges Gefäß mit heiligem Öl zu finden. Dieser Vorrat reichte bloß für einen Tag; doch laut Legende brannte das Licht trotzdem acht Tage lang, bis neues Öl bereitet werden konnte.

Juden gedenken mit alljährlichen Chanukkah-Feiern an dieses „Ölwunder“. Chanukkah wird auch als Lichterfest oder als Fest der Tempelweihe bezeichnet. Es gehört wahrscheinlich zu jenen Feiertagen im jüdischen Kalender, die von besonders vielen Juden beachtet werden. An acht aufeinander folgenden Tagen zündet man in jüdischen Heimstätten Kerzen in neunarmigen Chanukkah-Leuchtern an, die auch Chanukkiah genannt werden.

Neben dem Andenken an das „Ölwunder“ dient der Chanukkah-Leuchter auch zum Gedächtnis an die Wiederentzündung der ewigen Flamme im Tempel, nachdem dieser erneut geweiht worden war. Die strahlende Chanukkiah soll ihr Leuchten in jüdischen Heimstätten verbreiten: die Vision einer noch bevorstehenden besseren Zeit – einer Zeit der Zurückbringung zu Gott.

Unglücklicherweise hat diese Vorstellung in den Gedanken vieler jüdischer Menschen unserer Tage nicht mehr unbedingt die Oberhand bei ihren Chanukkah-Feiern. Während der Advent (der doch die Geburt des Messias ehren soll) vom Kommerz verfärbt worden ist, ist das jüdische Chanukkah-Fest vom Säkularismus besetzt. Für viele jüdische Menschen hat Chanukkah einen Großteil seiner geistlichen Bedeutsamkeit verloren. Trotzdem sehen viele darin noch immer eine Feier ihrer Freiheit, als Juden leben und Gottesdienst feiern zu dürfen.

Obwohl manche Juden vielleicht kaum noch einen Bestandteil der jüdischen Religion beachten, empfinden sie im Allgemeinen doch das Bedürfnis, diese Religion als Eckstein der jüdischen Identität zu verteidigen. Darum ist Chanukkah inzwischen weit mehr als lediglich ein Gedächtnistag für einen militärischen Sieg. Es ist eine Zeit zum Gedenken an unsere Vorväter, die für ihre Identität als Juden gekämpft haben: ein schallender Trompetenruf, darüber nachzudenken und zu jubeln, dass wir als Volk bewahrt worden sind.

Sowohl für jüdische als auch für nichtjüdische Gläubige besitzt dieses Fest eine Anwendung. Lassen wir uns doch von Chanukkah dazu bewegen, Gottes großartiges Handeln sowohl in der Weltgeschichte als auch in unserem Leben zu überdenken. Chanukkah heißt ja schließlich Weihe; lassen wir uns also dazu bewegen, unsere Hingabe an den Willen und die Wege Gottes zu überdenken und uns mit den Zielen Gottes zu identifizieren, damit das alles überragende Ziel unseres Lebens die Bitte sein kann: „Herr, wirke deine Werke durch mich.“ Das alles überragende Ziel im Leben Jesu war Golgatha. Mögen wir doch mit ihm gemeinsam sagen können: „Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“

Am Chanukkah-Fest machte Jesus seine kühnste Aussage (s. Johannes 10,22-31): „Ich und der Vater sind eins.“ Er gebrauchte dieses Fest als Plattform, um zu verkünden, dass er das Licht der Welt und somit „reiner“ Gott war.

Licht ist reine Energie. Es kann nicht von der Finsternis eingenommen oder überwältigt werden; Finsternis ist schlicht und einfach die Abwesenheit von Licht. Als Jeschua sich als das Licht der Welt bezeichnete, gab er sich als der reine und wahre Gott zu erkennen, in dem keine Finsternis ist. Durch die Menschwerdung marschierte er ein in die Finsternis unserer Welt. Er kam vom Himmel herab, um diese Finsternis mit seinem Licht zu durchbohren.

Wir Juden entzünden die Chanukkah-Kerzen, damit wir bei ihrem Anblick Gott für seine Wunder danken können. Wir Juden, die wir Jesus gefunden haben, wissen: Er ist der Gipfelpunkt aller Wunder Gottes. Er ist das Ner tamid, das ewige Licht, das in jener Sternennacht vor langer Zeit zu Bethlehem diese Welt betreten hat. Preisen wir Gott für seine Treue! Und möge Jeschuas Beispiel vollständiger Weihe und Hingabe uns dazu antreiben, Gottes Auftrag in unserem Leben zu erfüllen.