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Verfasst von Stephen Katz

Den Schritt ins „kalte Wasser“ wagen

Ein Jude in einer katholischen Wohngegend trieb seine Nachbarn schier zur Verzweiflung, weil es bei ihm jeden Freitagabend nach Grillfleisch duftete.

Ein Jude in einer katholischen Wohngegend trieb seine Nachbarn schier zur Verzweiflung, weil es bei ihm jeden Freitagabend nach Grillfleisch duftete. Die Nachbarn starteten eine gemeinsame Kampagne, um ihn von einem Übertritt zum Katholizismus zu überzeugen – dann müsste auch er freitags immer Fisch essen. Er war einverstanden.

Die Einfachheit der Konversion überraschte ihn, und er fragte den Priester: „Mehr ist also wirklich nicht nötig?“ „Ganz recht“, antwortete der Priester. „Ich habe dich mit dem Wasser der Taufe besprengt; und jetzt bist du nicht mehr länger Jude, sondern Katholik. Freitags essen wir übrigens Fisch und kein Fleisch.“

Am folgenden Freitag waren die Nachbarn schockiert, als wieder einmal der Grillduft durch die Straßen zog. Eine Gruppe ging los, um den „frisch bekehrten Katholiken“ zu konfrontieren. Der grillte gerade ein Steak.

„Was soll denn das?“, rief ein Nachbar. „Du weißt doch, dass wir freitags nur Fisch essen!“

„Aber natürlich“, stimmte der Jude zu. „Das hier ist ja Fisch. Es war mal ein Steak, aber ich habe es mit Wasser besprengt – und schwuppdiwupp war es Fisch.“

…unsere Identität lässt sich nicht einfach abstreifen wie eine Extra-Haut

Diese Anekdote unterstreicht: Wir sind, was wir sind – unsere Identität lässt sich nicht einfach abstreifen wie eine Extra-Haut. Und doch haben manche jüdischen Gläubigen an den Messias Jeschua (Jesus) scheinbar Angst, die Taufe könnte ihre jüdische Identität abwaschen: man könne als Jude ins Wasser steigen und als nichtjüdischer „Goy“ herauskommen. Gerade bei Abfassung dieses Artikels rief mich ein jüdischer „Neu-Gläubiger“ an und äußerte genau diese Sorge.*

(Manchen Leuten ist gar nicht bewusst, dass die Taufe in Wirklichkeit ein zutiefst jüdisches Ritual ist und aus einer langen Tradition jüdischer Reinigungszeremonien stammt. Ein großartiger Artikel über die jüdischen Wurzeln der Taufe: „Ist die Taufe heidnischen oder jüdischen Ursprungs?“ von Ceil Rosen.)

Vielleicht sind Sie bereits getauft worden.

Vielleicht sind Sie bereits getauft worden. Doch viele jüdische Gläubige an den Messias haben diesen wichtigen Schritt noch nicht getan. Manche fürchten sich vor der Reaktion ihrer Familie: „Du kannst ja glauben, was du willst – aber behalte es für dich. Und erzähl mir bloß niemals, dass du dich hast taufen lassen!“ Darin schwingt noch das „Sonst…“ mit.

Einige jüdische Gläubige argumentieren: „Es zählt doch nur das, was Gott in meinem Herzen getan hat, nicht das, was die Leute sehen.“ Andere realisieren die Wichtigkeit der Taufe erst Jahre, nachdem sie Jeschua kennen gelernt haben; dann schämen sie sich vielleicht, weil sie diesen Schritt noch nicht gegangen sind. Manche meiden die Taufe einfach, weil sie wasserscheu sind oder nicht gerne vor großen Menschengruppen stehen. Ich möchte alle jüdischen Gläubigen an Jeschua ermutigen, den „Schritt ins ‚kalte‘ Wasser zu wagen“. Wenn Sie oder ein Ihnen bekannter Nachfolger Jeschuas noch getauft werden muss, hoffe ich, dass Sie diesen Schritt sehr sorgfältig erwägen.

Der einfachste und direkteste Grund für die Taufe ist, dass Jeschua sie als den richtigen Schritt gelehrt hat – sowohl durch sein Beispiel als auch durch sein Gebot.

Trotz der Proteste seines Cousins Johannes bestand er darauf, sich taufen zu lassen (Matthäus 3,14-15). Jeschua hätte die Taufe gar nicht nötig gehabt; doch indem er sich ihr unterzog, identifizierte er sich mit der sündigen Menschheit.

Später wies der Messias die Apostel an, hinauszugehen, Menschen zu Jüngern zu machen und sie zu taufen: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.“ (Matthäus 28,18-20)

Als Petrus vom Heiligen Geist entzündet wurde und an Schawuot (Wochenfest) vor all den jüdischen Pilgern in Jerusalem sprach, lautete seine Botschaft: „Tut Buße, und jeder von euch werde getauft auf den Namen des Messias Jeschua zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch gilt die Verheißung und euren Kindern und allen, die in der Ferne sind, so viele irgend der Herr, unser Gott, herzurufen wird.“ (Apostelgeschichte 2,38-39)

Für Gläubige im ersten Jahrhundert war es ganz normal, sofort nach Bekenntnis ihres Glaubens getauft zu werden.

„So viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird“ – sie alle bekommen zwei Dinge: eine Verheißung UND einen Befehl. Der Befehl „Tut Buße und lasst euch taufen“ ist einfach. Entweder gehorchen wir dem Herrn, oder wir tun es nicht. Für Gläubige im ersten Jahrhundert war es ganz normal, sofort nach Bekenntnis ihres Glaubens getauft zu werden. (Vgl. Apostelgeschichte 8,36; 10,47; 16,33; 18,8; 22,6.) Warum sollte es heute anders sein?

Taufe ist der uns verordnete Weg, um uns mit Jeschua zu identifizieren und daran zu erinnern, was er für uns getan hat. In der Taufe übereignen wir uns Gott, und er tut etwas Verblüffendes: Er nimmt unser altes Ich weg und erweckt uns zu neuem Leben im Messias. Natürlich spreche ich hier metaphorisch; doch die Wassertaufe zeichnet ein unglaublich lebhaftes Bild dieser neutestamentlichen Wahrheiten. Wir sind mit dem Messias gestorben, sind in der Taufe mit ihm begraben und werden mit ihm zu neuem Leben auferweckt (Kolosser 2,12; Römer 6,3-4).

Die Taufe symbolisiert auch die herrliche Wahrheit, dass wir von Sünde gereinigt sind (1. Petrus 3,21). Als Gläubige müssen wir bereit sein, uns öffentlich mit Jeschua zu identifizieren – egal, was andere sagen oder tun. Wir verlieren nicht unsere Identität als Juden, lediglich unsere Identität als Sünder. Ich danke Gott für seine Verwendung ganz alltäglicher Bilder, durch die wir erfassen können, was er für uns getan hat. Die Taufe begann als ein jüdisches Ritual; und ganz wie auch viele andere unserer Festtagstraditionen geht es bei diesem Ereignis um ein „Zeigen und Erzählen“ in Dankbarkeit für das, was Gott für uns getan hat!

Wir erlangen eine NEUE Identität als Nachfolger Jeschuas und Glied seines Leibes. Paulus schreibt: „Ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an den Messias Jeschua. Denn so viele ihr auf den Messias getauft worden seid, ihr habt den Messias angezogen.“ (Galater 3,26-27) Obwohl Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden, Männern und Frauen bestehen bleiben, sind wir im Messias alle eins und gleiche Glieder seines Leibes. „Da ist ein Leib … ein Herr, ein Glaube, eine Taufe…“ (Epheser 4,4-5). Unsere Identität als Juden können und sollten wir nicht verleugnen. Wie viel mehr gilt das dann für unsere Identität als Glieder dieser universellen Gemeinschaft von Gläubigen, die zusammenkommen, um Gemeinschaft zu haben, unseren Herrn anzubeten und ihm zu dienen! Wir müssen sowohl lokal als auch global aktiv danach streben, unseren Platz in der heiligen Versammlung des Messias zu finden, damit wir gemäß seinen Anweisungen geben und empfangen können. Die Taufe spielt eine Schlüsselrolle dabei, unsere neue Identität in Jeschua offen darzustellen.

In unserer Beziehung zu Gott gehen Dankbarkeit und Gehorsam Hand in Hand.

In unserer Beziehung zu Gott gehen Dankbarkeit und Gehorsam Hand in Hand. Die Taufe bietet uns eine Möglichkeit, beides zu zeigen. Hier können wir nämlich die mutige Aussage machen: „Ich gehöre zu Jeschua! Ich bin sein Eigentum. Ich danke Gott dafür, was er für mich getan hat; und alle sollen es wissen.“ Diese Aussage ist dem Wohl unserer Seele dienlich, aber auch ein Segen für alle, die sie miterleben. Hier ein Beispiel von unseren Juden-für-Jesus-Mitarbeitern aus Südafrika:

„Die Gemeinde Beit Y’shua in Johannesburg begann als Bibelgruppe von Juden für Jesus. Vor Kurzem wurden dort fünf jüdische Gläubige getauft (die durch Juden für Jesus zum Glauben gekommen waren). Als unser Missionar Eliyah Gould den Vorgang schilderte, erkundigte sich eine der Frauen: ‚Wäre es okay, wenn ich einen Schnorchel verwende?‘ Eliyah konnte sein Schmunzeln nicht ganz unterdrücken, und Judith merkte schnell, dass keine Tauchausrüstung benötigt wurde! Eine Frau namens Nathalie hatte einige (bisher noch

nicht an Jeschua glaubende) jüdische Freunde eingeladen, Zeugen ihres öffentlichen Bekenntnisses zu werden. Eine dieser Freunde (Darienne) war überrascht, auch ihre alte Ballettlehrerin Yvonne bei der Taufe zu sehen. Yvonne (ebenfalls noch nicht an Jeschua gläubig) hatte die Gemeinde Beit Y’shua am Vorabend besucht. Dort hatte man die Taufe angekündigt, und sie war aus Neugierde gekommen. Sowohl Darienne als auch Yvonne baten unsere Missionarin Laura Barron, sie in den darauffolgenden Tagen zu besuchen und weiter zu diskutieren. Wer hätte ahnen können, dass diese Taufe zu einem Missionseinsatz werden sollte!“

Ich glaube, Gott wusste, dass die Taufe den missionarischen Einsatz erleichtern würde. Gläubige werden in ihrem Glauben gestärkt, wenn sie Gottes Wirken im Leben eines Täuflings sehen; auch Ungläubige werden herausgefordert.

Die Taufe spielt durchaus eine Rolle. Wenn Sie Gläubige kennen, die nicht getauft werden wollen oder die Taufe ständig aufschieben, möchte ich Sie ermutigen: Fordern Sie diesen Menschen heraus! Ich würde ihn bzw. sie fragen: „Wenn du es nicht für nötig hältst, Gott hinsichtlich der Taufe zu gehorchen – dann frage ich mich ja, was er deiner Meinung nach in deinem Herzen getan hat.“

Manche möchten mit der Taufe warten, bis ihre Familien mehr Verständnis aufbringen. Die Angst vor einem Verlust der Familie aufgrund dieses Schrittes verweist auf eine wichtige Wahrheit. Irgendwie erkennen unerrettete Familienmitglieder: Ein öffentliches Bekenntnis zum Glauben trägt dazu bei, die Beziehung zu Jeschua zu „zementieren“. Es gilt als unwiderruflicher Schritt. Vielleicht entstehen Missverständnisse darüber, was dieser Schritt bedeutet; trotzdem erkennen die Angehörigen, dass er eine Art Wendepunkt signalisiert. Wir alle haben unsere Zweifel und Kämpfe im Glauben. Wir sollten „Gedenksteine“ errichten, auf die wir in schwierigen Zeiten zurückschauen können. Die Taufe kann ein solcher „Gedenkstein“ sein.

Es ist schmerzlich, von geliebten Menschen abgelehnt zu werden. Aber wir haben Gott hinsichtlich unserer Errettung vertraut – dann können wir ihm doch auch hinsichtlich unserer Familien vertrauen. Obwohl uns die Taufe vielleicht anfangs von Angehörigen entfremdet, wird sie uns auf dem langen Weg des Zeugnisses helfen. Immer und immer wieder habe ich die gleiche Geschichte gehört: Die Taufe war ein Wendepunkt. Kein Wunder! In der Taufe baut Gott unseren eigenen Glauben und unser Vertrauen. Wenn wir uns durch die Taufe auf seine Seite stellen, werden wir gestärkt und erlangen die Fähigkeit, uns künftig auch in schwereren Umständen auf seine Seite zu stellen – sei es nun gegenüber aggressiven Familienangehörigen, kichernden Mitarbeitern oder anderen Widerständen gegen unseren Glauben.

Wenn Sie Jeschua in Ihr Leben gelassen haben, aber noch nicht getauft sind, dann fragen Sie Gott nach seinem Willen! Die Taufe bleibt der erste bedeutsame Gehorsamsschritt gegenüber Gott. Wie sollen wir ohne diesen Schritt anstreben, in Treue für ihn zu leben? Durch die Entscheidung für die Taufe lassen Sie Gott wissen, dass Sie ihn ernst nehmen. Dann kommt das Spannende: Gott schenkt Ihnen neue Möglichkeiten, ihm zu gehorchen; neue Abenteuer in der Nachfolge Jeschuas – und in der Nachfolge des Herrn finden wir das Leben!

*Anm. d. Hrsg.: Hier und im gesamten Artikel bezeichnet der Begriff „Taufe“ weder das Besprengen mit Wasser noch die Säuglingstaufe, sondern die Taufe durch Untertauchen.