runway

Die Parascha dieser Woche beginnt mit der Geschichte von Josef, dem jüngsten der zwölf Söhne von Jakob, den Vorfahren der zwölf Stämme Israels. Die Geschichte von Josef spannt sich über 14 Kapital, wobei nur das Kapitel 38 den Fluss unterbricht – wenn es auch ebenso zur Gesamtgeschichte gehört.

In diesen Kapiteln ist viel los. Und eins von ihnen enthält etwas, von dem du möglicherweise noch nie gehört hast: den roten Faden (Verzeihung wegen des Wortspiels) der … Kleidung.

JOSEF UND SEIN KUNTERBUNTER MANTEL

Jakob, der hier auch Israel genannt wird, liebt seinen Sohn Josef abgöttisch und lässt den berühmten „kunterbunten Mantel“ für ihn anfertigen (wobei die Übersetzung dieses Wortes aus dem Hebräischen etwas unsicher ist).

Jakobs Liebe für Josef führt zum Hass der anderen Brüder für ihren Bruder

Jakobs Liebe für Josef führt zum Hass der anderen Brüder für ihren Bruder, der dadurch verschlimmert wird, dass Josef zwei Träume hat, die suggerieren, dass die Brüder und sogar seine Eltern ihm in Zukunft dienen werden.

Als er gerade seine Brüder sucht, wird Josef Opfer einer Intrige, deren Ziel seine Ermordung ist. Und obwohl er nicht getötet wird, sondern nur am Grunde eines tiefen Loches landet, geht es ihm langfristig nicht besser. Juda überlegt sich eine List, verkauft ihn an einige vorbeiziehende Ismaeliten; denn warum sollten die Brüder nicht wenigstens vom Verschwinden Josefs einen gewissen Profit davontragen? Nachdem Josef an die Ismaeliten verkauft worden war:

„Sie schlachteten einen Ziegenbock, wälzten Josefs Gewand in dem Blut und gingen damit zu ihrem Vater. “Das haben wir unterwegs gefunden”, sagten sie, “kannst du es erkennen? Ist es Josefs Gewand oder nicht?” Jakob erkannte es sofort. “Das Gewand meines Sohnes!”, rief er. “Ein wildes Tier hat ihn gefressen! Josef ist tot!” Er zerriss seine Kleider, wickelte als Zeichen der Trauer ein grobes Tuch um seine Hüften und weinte viele Tage um Josef.“ (1. Moses 37, 31-34)

Josef verliert seine Kleidung ebenso wie seine Stellung und seine Freiheit. Sein Mantel, das Symbol der besonderen Liebe seines Vaters, war Anlass zum Hass. Dann wurde es Mittel zum Betrug an Jakob, da es den Brüdern wichtiger war, Josef los zu sein, als ihren Vater in tiefe Trauer zu stoßen.

JUDA UND SEINE MODEACCESSOIRES

Kapitel 38 ist eine Art Zwischenspiel, obwohl es noch mit der Geschichte rings herum zu tun hat: In dieser Sektion der Parascha heiratet Juda und hat drei Söhne. Hier sind die Details: Sein Erstgeborener, namens Er, wird mit einer Frau namens Tamara verheiratet. Doch Er stirbt, offenbar ohne Kinder zu hinterlassen. Sohn Nummer zwei, Onan, soll nun laut Gesetz mit Tamara schlafen und an Ers Stelle mit ihr Kinder zeugen, um die Witwe so vor Altersarmut zu schützen. Doch Onan stirbt auch, und so ist Sohn Nummer drei an der Reihe: Er heißt Schela und soll der Tamara gegeben werden. Doch Juda hat Angst, dass Schela auch sterben wird und verhindert die Union mit Tamara, sodass sie keine gesetzliche Entschädigung oder ein Finanzposter in Form von Kindern bekommt.

Sie zog ihre Witwenkleider aus, verhüllte sich mit einem Schleier… (1. Moses 38, 14)

An diesem Punkt verkleidet sich Tamara als Straßendirne: „Sie zog ihre Witwenkleider aus, verhüllte sich mit einem Schleier…“ (1. Moses 38, 14). Juda ist entzückt und bietet ihr eine Ziege als Gegenleistung für ihre „Dienste“. Allerdings muss er nach der Ziege erst schicken lassen und bis sie da ist, lässt er auf Tamaras Bitte hin sein Siegel, seine Schnur und seinen Stab als Pfand da. Siegel und Schnur wurden als eine Art Halsband getragen und alle diese Gegenstände wurden für die jeweilige Person hergestellt, vielleicht mit so etwas wie einem Monogramm, sodass man den Eigner klar identifizieren konnte.

Als dann die Ziege als Bezahlung geschickt wird, kann man nirgends die „Dirne“ finden. Einige Monate später informiert man Juda, dass seine Schwiegertochter Tamara „illegitim schwanger“ sei. Sie soll bestraft werden, doch dann zeigt sie die persönlichen Gegenstände von Judas Kleidung vor und er muss mit Scham erkennen, dass er das Recht gebrochen hatte, als er Schela zurückgehalten hatte – und dass die Kinder, die sie träg

Aber es geht ja noch weiter.

JOSEF LEGT SEINE KLEIDUNG AB

Im Kapital 39 sind wir dann wieder bei Josef. In der ungestümen Geschäftswelt des Nahen Ostens wird Josef dann von den Ismaeliten an die Ägypter verkauft. Dennoch: „Und der HERR war mit Josef, sodass er ein Mann wurde, dem alles glückte. Und er war in seines Herrn, des Ägypters, Hause.“ Josef steigt auf zum Aufseher des Haushalts des Potifar, der wiederum Hauptmann in der Wache des Pharaos ist.

Allerdings verwechselt die Bibel nie Idealismus mit der Wirklichkeit. Nur, weil der HERR mit Josef war, heißt das nicht, dass Josef gegenüber dem ganzen „Kram“ immun war. Und dann passiert Josef auch so ein Kram, als nämlich die Frau des Potifar wiederholt versucht, ihn zu verführen. Wenn du den Film Die Reifeprüfung kennst: Sie ist quasi Mrs. Robinson und Josef spielt den Part von Benjamin Braddock.

„Und sie bedrängte Josef mit solchen Worten täglich. Aber er gehorchte ihr nicht, dass er bei ihr schlief und bei ihr wäre. Es begab sich an einem dieser Tage, dass Josef in das Haus ging, seine Arbeit zu tun, und kein Mensch vom Gesinde des Hauses war dabei. Und sie erwischte ihn bei seinem Kleid und sprach: Schlafe bei mir! Aber er ließ das Kleid in ihrer Hand und floh und lief zum Hause hinaus. Als sie nun sah, dass er sein Kleid in ihrer Hand ließ und hinaus entfloh, rief sie das Gesinde ihres Hauses und sprach zu ihnen: Seht, er hat uns den hebräischen Mann hergebracht, dass der seinen Mutwillen mit uns treibe. Er kam zu mir herein und wollte bei mir schlafen; aber ich rief mit lauter Stimme. Und als er hörte, dass ich ein Geschrei machte und rief, da ließ er sein Kleid bei mir und floh und lief hinaus. Und sie legte sein Kleid neben sich, bis sein Herr heimkam, und sagte zu ihm ebendieselben Worte und sprach: Der hebräische Knecht, den du uns hergebracht hast, kam zu mir herein und wollte seinen Mutwillen mit mir treiben. Als ich aber ein Geschrei machte und rief, da ließ er sein Kleid bei mir und floh hinaus. Als sein Herr die Worte seiner Frau hörte, die sie ihm sagte und sprach: So hat dein Knecht an mir getan, wurde er sehr zornig. Da nahm ihn Josefs Herr und warf ihn ins Gefängnis, in dem des Königs Gefangene waren. Und er blieb allda im Gefängnis.“ (1. Moses 39, 10-20)

Nun ist es schon das zweite Mal, dass ein Kleidungsstück für die Einkerkerung von Josef verantwortlich ist. Um einmal die Ähnlichkeit zu unterstreichen: Das hebräische Wort bor nutzt man sowohl für das Loch, in das Josef anfangs gestoßen wurde (1. Moses 37, 20) als auch für das Gefängnis, in dem er sich dann wiederfindet (1. Moses 40, 15 – „Denn ich bin aus dem Lande der Hebräer heimlich gestohlen worden; und auch hier hab ich nichts getan, weswegen sie mich hätten ins Gefängnis setzen dürfen.“)

Und zum dritten Mal wird dann ein Kleidungsstück der Grund für einen Betrug.

SIND ALLE GUT EINGEPACKT, WISSEN ABER NICHT WOHIN?

Jetzt spulen wir mal vorwärts ins Neue Testament. Jesus von Nazareth ist verhaftet worden und wird vor den römischen Beamten Pontius Pilatus gezerrt:

„Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurgewand an und traten zu ihm und sprachen: ‚Sei gegrüßt, König der Juden!’, und schlugen ihm ins Gesicht.“ (Johannes 19, 3)

In einer Art „Kabarettstück“ wird Jesus in einem pseudo-königlichen Outfit geschmückt, um ihn zu beschämen und seine offensichtliche Machtlosigkeit gegenüber dem echten König, Kaiser Tiberius, zu unterstreichen.

Und dann:

„Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt: ‚Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.’ Das taten die Soldaten.“ (Johannes 19, 23-24)

Gemäß dem römischen Recht hatten die Soldaten Anspruch auf die Kleidung einer hingerichteten Person. Als sie jedoch um die Tunika würfelten, wirft Johannes ein völlig neues Licht auf die Sache: Denn sie erfüllte eine Weissagung aus dem Alten Testament, zitiert aus Psalm 22,18 (Vers 19 in der hebräischen Zählung). Das zeigte, dass Gott, nicht Rom, letztlich für das verantwortlich war, was Jesus geschah. Und am ironischen Ende der neutestamentlichen Geschichte entpuppt sich Jesus nun wirklich als König – und nicht der Caesar-Kaiser.

KLEIDER, GOTT UND DEINE MUTTER

Fassen wir also zusammen: Josefs bunter Mantel führte zu seiner Reise nach Ägypten und zu Jakobs Trauer. Tamaras Wechsel der Tracht führte zu Judas Täuschung und seine eigene Ausstaffierung führte zu seiner Schande. Josefs ägyptische Kleidung führte zu seiner Gefangenschaft. Jesu Kleidung wurde ihm als Spott umgehängt und dann als Erfüllung der Schrift behandelt.

Jetzt spulen wir vor zu 1. Moses 50, Vers 20, obwohl dieser Vers nicht Teil dieser Parascha ist, denn er zeigt alle Zusammenhänge auf: Josef sagt seinen Brüdern in Ägypten: „Ihr wolltet mir Böses tun, aber Gott hat Gutes daraus entstehen lassen. Durch meine hohe Stellung konnte ich vielen Menschen das Leben retten.“

Da Josef in Ägypten landete, konnte Gott Josefs Aufenthalt dort nutzen, um Leben während einer Hungersnot zu retten (wie wir später erfahren). Jakobs Schmerz wurde durch

Freude und Bestimmung ersetzt. Die Schande Tamaras, die Judas Kinder durch Betrug empfing, führte dazu, dass einer ihrer Söhne, Perez, zu einem Vorfahren des Messias Jesus wurde. Und die Demütigung Jesu, entkleidet von römischen Soldaten, dann wurde um seine Kleidung gewürfelt, war eine Erfüllung der Schrift – genau wie die Kreuzigung Jesu von Gott als Bezahlung der Sünde geplant war. In all diesen Handlungssträngen enthüllt die Kleidung den Kontrast zwischen der schlampigen Geschichte der Menschen – ihrer Schande, ihrem Schmerz und ihrem Betrug – und dem großen Plan Gottes, der diese Menschen nutzte, um seine guten Pläne für die Menschheit voranzubringen.