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Verfasst von Aaron Lewin

Auserwählt

Wäre es nicht wunderbar, für die Olympischen Spiele auserwählt zu werden?

Wäre es nicht wunderbar, für die Olympischen Spiele auserwählt zu werden? Was für ein tolles Gefühl muss es für die Sportler sein, wenn sie bei der Eröffnungszeremonie einmarschieren und dabei ihre Landesflagge halten und die Hoffnungen und Träume ihrer Nation auf ihren Schultern tragen! Unabhängig davon, ob du ein Sportfan bist oder nicht (wurdest du das letzte Mal nur für das Schulteam ausgewählt?), ist es sicher unheimlich schön, wenn man auserwählt wird, sein Land bei den Olympischen Spielen zu vertreten.

Wenn es eine Sache gibt, für die wir Juden bekannt sind (abgesehen von Bagels und Hummus), ist es die, das „auserwählte Volk“ zu sein

Wenn es eine Sache gibt, für die wir Juden bekannt sind (abgesehen von Bagels und Hummus), ist es die, das „auserwählte Volk“ zu sein. Trotz der regelmäßigen Verwendung unseres Beinamens, fragen wir uns selten: „Auserwählt wofür?“ In der Tat wünschen sich viele von uns vielleicht manchmal, dass wir überhaupt nicht erwählt worden wären! Wie Tevje im Musical „Anatevka“, sagte: „Ich weiß, ich weiß. Wir sind Dein auserwähltes Volk. Aber manchmal frage ich mich: könntest Du nicht mal jemand anderen wählen?!“

Das Thema, dass wir auserwählt sind, wird auch in der Parascha-Lektion „Ekew“ dieser Woche wiederaufgenommen. Mosche erklärt lang und breit unsere Beziehung zu Gott, warum Gott uns auserwählt hat und was unsere Rolle bei all dem ist. Was viele überraschen mag, ist, dass Gott uns nicht erwählt hat, weil wir besser als andere Völker waren oder weil Seine Wahl bedeutete, dass wir vor Schaden geschützt würden oder uns ein Platz in der Olam HaBa (in der kommenden Welt) sicher sein würde. Mosche schreibt: „Wenn nun der HERR, dein Gott, sie ausgestoßen hat vor dir her, so sprich nicht in deinem Herzen: Der HERR hat mich hereingeführt, dies Land einzunehmen, um meiner Gerechtigkeit willen -, da doch der HERR diese Völker vertreibt vor dir her um ihres gottlosen Treibens willen.“ (Dewarim / 5. Mose 9, 4) In der Tat fährt Mosche fort, den Vorfall um das goldene Kalb zu erzählen, als ob er sagen wollte: „Wenn ihr denkt, dass ihr so toll seid, denkt mal daran, was passiert ist!!!“ Gott erwählte uns also nicht, weil wir gut waren. Er erinnerte uns hingegen ganz streng, dass es etwas gab, was wir tun mussten: „So beschneidet nun eure Herzen und seid hinfort nicht halsstarrig.“ (Dewarim / 5. Mose 10, 16)

Wenn uns Gott also nicht erwählt hat, weil wir gut waren, warum hat Er uns dann auserwählt?

Wenn uns Gott also nicht erwählt hat, weil wir gut waren, warum hat Er uns dann auserwählt? In Dewarim / 5. Mose 7, 8, sagt Gott uns, dass Er uns erwählt hat, weil Er uns liebt und weil Er unsere Väter liebte – und weil Er ihnen einen Eid geschworen hatte. Aber mehr als das: Er hatte bei der Auswahl etwas mit uns vor. Etwas, was ziemlich überraschend erscheinen mag…

Zu einem gewissen Grad sind die Sportler, die an der Olympiade teilnehmen, Botschafter: Während sie sich nicht mit politisch heiklen Situationen herumschlagen müssen, repräsentieren sie ihr Land und ihre Taten bringen Schande oder Lob für ihr Land mit sich, wie wir in diesem Jahr bei den US-Schwimmern und dem ägyptischen Judoka sehen konnten. Ebenso hat Gott uns, das jüdische Volk, als Seine Botschafter auf der Erde erwählt. In Schemot / 2. Moses 19, 6 sagt Gott, dass wir ein „Königreich von Priestern“ für Ihn sein sollen. Priester sind vor allem Mittler zwischen Mensch und Gott. Aber welchen Sinn ergibt es, uns alle zu Priestern zu machen? Für wen wären wir die Vermittler? Ganz klar: Für den Rest der Welt!

Gott erwählte uns dazu, eine Nation von Botschaftern zu sein, um dem Rest der Welt zu zeigen, wie Er war, was Er von ihm verlangte usw. Oder in den Worten von Jeschajahu / Jesaja 49, 6: Wir sollten ein „Licht der Nationen“ sein. Das Problem ist nur, dass die meisten Mitglieder unseres Volkes während des größten Teils unserer Geschichte an dieser Aufgabe gescheitert sind. Im gesamten Tanach lesen wir, wie die Mehrheit unseres Volkes Gott nicht folgt und seit den Zeiten der Römer ist das Judentum zu einer auf sich selbst fokussierten Religion geworden, die keine Missionierung betreibt. Da unsere Aufgabe darin bestanden hatte, Gottes Vertreter auf der Welt zu sein, haben wir sicherlich versagt.

Die erstaunliche Wahrheit ist dabei aber, dass Gott nicht versagte.

Die erstaunliche Wahrheit ist dabei aber, dass Gott nicht versagte. Als Gott den Messias Jeschua schickte, um in unserem Namen zu sterben und von den Toten wieder aufzuerstehen, um uns das ewige Leben zu geben, erfüllte Er unsere Berufung für uns. Der Messias, ein vollkommener Mensch und perfekter Jude, tat, was wir als Sein Volk bis zu diesem Zeitpunkt meist nicht getan hatten – Gott gegenüber dem Rest der Welt zu repräsentieren und Mittler zwischen Gott und dem Rest der Welt zu sein. Als der Messias Jeschua starb, versöhnte Er nicht nur unser Volk mit Gott, sondern alle Völker. Jeschua war der ultimative Priester, der ultimative Botschafter.

Es sollte uns somit nicht überraschen, dass Jeschua nicht nur von messianischen Juden verehrt und angebetet wird, sondern von Menschen aus allen Nationen. Jeschua ist die Verkörperung Seines jüdischen Volkes geworden – ein Licht für die Heiden zu werden. Die Tatsache, dass Jeschua durch so viele Nichtjuden auf der ganzen Welt als Messias anerkannt wird, stimmt tatsächlich mit der Schrift überein und bestätigt Sein Messiastum!

Letztlich gilt aber der Aufruf Gottes für uns Juden noch: Er will immer noch, dass wir Seine Botschafter für die Nationen sind. Aber zunächst müssen wir die Botschaft glauben, um Botschafter für sie zu werden. Heute ist die Frage der jüdischen Identität so relevant wie eh und je. Und doch, wenn wir unseren Glauben in den Messias Jeschua setzen, entdecken wir den Zweck, für den wir gemacht wurden, den wahren Grund, warum wir erwählt wurden – ein Licht für die Heiden zu sein. Und was gibt es schon für eine größere Botschaft, für die man als Botschafter eintritt, als dass es möglich ist, den Gott zu erkennen, der uns geschaffen hat, weil der Tod Seines Sohnes uns mit Ihm versöhnt hat? Du magst kein olympischer Sportler sein, aber bist du wohl bereit, ein Botschafter zu werden?