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Chanukkah – ein Debakel für Historiker

Wer kann berichten von den Dingen, die uns widerfahren sind, wer kann sie zählen? In jedem Zeitalter kam ein Held oder Weiser zu unserer Hilfe.

Wer kann berichten von den Dingen, die uns widerfahren sind, wer kann sie zählen? In jedem Zeitalter kam ein Held oder Weiser zu unserer Hilfe.1

Beim Stichwort „Chanukkah“ denken die meisten Leute an die Geschichte, wie die Menorah [der siebenarmige Leuchter] acht Tage lang brannte, obwohl das Öl eigentlich nur für einen Tag ausreichte. Oder sie denken an Dreidl [Kreisel], Latkes [Kartoffelpfannkuchen] und Geschenke. Viel großartiger ist jedoch, wie die Ereignisse rundherum schon Jahrhunderte zuvor durch den jüdischen Propheten Daniel vorausgesagt wurden.

Tatsächlich wurde Chanukkah schon Jahrhunderte vor Eintritt der Ereignisse prophezeit – und dadurch wird es zu einem Dilemma für Historiker. Wie sollen sie denn erklären, dass die Geschehnisse rund um diesen beliebten jüdischen Feiertag klar und deutlich in der hebräischen Bibel angekündigt wurden? Viele Fachleute geben zu, dass es dafür überhaupt keine rationale Erklärung gibt – es sei denn, man akzeptiert die Bibel als übernatürlich. Deshalb kämpfen sie auch (insbesondere seit dem 18. Jahrhundert) mit diesem „historischen Chanukkah-Dilemma“.

Chanukkah feiert den Sieg der Makkabäer über den syrischen General Antiochus IV. Epiphanes. Als Alexander der Große im Jahr 323 v.u.Z. starb, wurde sein griechisches Weltreich in vier Teile gegliedert. Judäa wurde bis ins 2. Jahrhundert v.u.Z. von der Antiochier-Dynastie beherrscht; damals versuchte Antiochus, die Juden gewaltsam zur griechischen Religion zu „bekehren“. Der Tyrann ging sogar so weit, eine Zeus-Statue im Jerusalemer Tempel aufzustellen und eine Marionetten-Priesterschaft einzusetzen, um „bekehrte“ Juden in einer hellenistischen Perversion des Judentums anzuführen. Die Makkabäer jedoch besiegten den General; durch sie wurde 165 v.u.Z. der Tempel wieder geweiht. Chanukkah ist Hebräisch für „Weihe“ oder „Einweihung“.

Die Chanukkah-Geschichte wurde prophezeit

Wer verzeichnet die Chanukkah-Geschichte zum ersten Mal? Ein Großteil des Berichtes findet sich in den Apokryphen (1. und 2. Makkabäer), die ungefähr in der Mitte des 2. Jahrhunderts verfasst wurden. Flavius Josephus schrieb seine Werke in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts u.Z. und schilderte die Feier dieses Festes.2 Die früheste Beschreibung einer Chanukkah-Feier finden wir jedoch im 1. Jahrhundert im Neuen Testament, wo Jeschua (Jesus) das Fest beging.

Es war damals das Fest der Tempelweihe in Jerusalem; und es war Winter. Und Jesus ging im Tempel, in der Säulenhalle Salomos, umher. Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Bis wann hältst du unsere Seele hin? Wenn du der Messias bist, so sage es uns frei heraus. (Johannes 10,22-24)

Die früheste Erwähnung des Licht-Wunders findet sich übrigens im Talmud – mehr als 500 Jahre nach den Ereignissen: „Doch wurde darin ein Wunder gewirkt, und man entzündete [mit ihm] den Leuchter acht Tage lang. Im folgenden Jahr wurden diese [Tage] zu einem Fest ernannt“ (Schabbat 21b).3

Moderne Historiker haben nun mit einem Dilemma zu kämpfen: Die früheste Schilderung über Antiochus IV. und den Makkabäer-Aufstand findet sich in einem Dokument, das 365 Jahre älter ist als Chanukkah! In Babylon schilderte der jüdische Prophet detailliert das Aufstehen von Antiochus IV., seine Kampagne zur „Bekehrung“ der Juden, seine Entweihung des Jerusalemer Tempels und den heldenhaften Aufstand, der sein Regime umstürzte. Drei Jahrhunderte vor der Geburt Alexanders des Großen verfasst, spottet dieses Dokument jeder rationalen Erklärung. Daniel konnte voraussagen, dass Alexander den Nahen Osten erobern und dass sein Weltreich nach seinem Tod in vier Königreiche aufgeteilt werden würde:

Und der zottige Ziegenbock ist der König von Griechenland; und das große Horn, das zwischen seinen Augen war, ist der erste König [=Alexander]. Und dass es zerbrach und vier an seiner Statt aufkamen: Vier Königreiche werden aus dieser Nation aufstehen. (Daniel 8,21-22)

Genauso verwirrend: Wie konnte ein Jude in Babylon voraussagen, dass Antiochus IV. an die Macht kommen und die Juden unterdrücken würde?

Und am Ende ihres Königtums, wenn die Frevler das Maß voll gemacht haben werden, wird ein König aufstehen [=Antiochus IV.] mit frechem Angesicht und ränkekundig. Und seine Macht wird stark sein, aber nicht durch seine eigene Macht; und er wird erstaunliches Verderben anrichten und Gelingen haben und handeln; und er wird Starke und das Volk der Heiligen verderben [=das jüdische Volk]. (Daniel 8,23-24)

Daniel beschreibt sogar, wie Antiochus den Tempel entweihen, den jüdischen Gottesdienst verbieten und eine heidnische Gottheit im Tempel aufstellen würde:

…Er wird gegen den heiligen Bund ergrimmen und handeln: Er wird … sein Augenmerk auf diejenigen richten, die den heiligen Bund [=die Torah] verlassen. Und Streitkräfte von ihm werden dastehen; und sie werden das Heiligtum, die Festung, entweihen und werden das beständige Opfer abschaffen und den verwüstenden Gräuel aufstellen. (Daniel 11,30-31)

Und abschließend sagt Daniel voraus: Viele Juden würden sich verführen lasen und eine griechische Perversion des Judentums ausüben. „Und diejenigen, die gottlos handeln gegen den Bund, wird er durch Schmeicheleien zum Abfall verleiten.“ Doch ein Bündnis jüdischer Freiheitskämpfer würde Gott treubleiben und den Unterdrücker zurückschlagen: „Aber das Volk, das seinen Gott kennt, wird sich stark erweisen und handeln“ (Daniel 11,32). Daniels detaillierte historische Schilderung der Chanukkah-Ereignisse in der jüdischen Bibel – niedergeschrieben Jahrhunderte vor der Geburt von Alexander dem Großen, Antiochus und Judas Makkabäus – verwirrt zeitgenössische Fachleute beträchtlich.

Ein deutscher Bibelkritiker namens Johannes Bleek argumentierte 1875, die einzige rationale Erklärung für das „Chanukkah-Dilemma“ sei, dass die zweite Hälfte des Buches Daniel wohl zur Makkabäer-Zeit verfasst und dann still und heimlich ins Buch Daniel eingeschmuggelt wurde. Seine Theorie wurde zu einer Zeit aufgestellt, als viele deutsche Bibelkritiker ähnliche Behauptungen äußerten. Er schrieb: „Das Phänomen … wirft größte Schwierigkeiten auf, wenn man denn ihre Echtheit annimmt, und lässt sich nicht einfach auf natürliche Weise erklären.“4

Rabbi Emil Hirsch, Professor für rabbinische Literatur an der Universität Chicago, stimmte letztendlich mit Bleek überein. Laut seiner Argumentation sei es unmöglich, dass Daniel oder irgendein anderer Schreiber im 6. Jahrhundert v.u.Z. so detailliert über Antiochus Epiphanes und die Makkabäer Bescheid gewusst habe – und zwar Jahrhunderte vor ihrer Lebenszeit.5

Doch nicht alle Historiker stimmten Bleek und den deutschen Kritikern zu. Protest kam von Cyrus Gordon (1908 – 2001), Professor für Nahöstliche Studien und Mediterrane Studien an der Brandeis-Universität: Diese Fachleute erhöben subjektive Behauptungen aufgrund ihrer eigenen Voreingenommenheit. Insbesondere wehrte er sich dagegen, dass viele deutsche Fachleute die jüdische Bibel in ein Sammelsurium von Einzelstücken „zerhackten“ und einzelnen Büchern eine Vielzahl von Autoren zuschrieben: „Der Drang, die [jüdische] Bibel und andere Schriften des Altertums in Quellen zu zerreißen, … liegt daran, dass man … von verkehrten Voraussetzungen ausgeht.“6 Schilderte Daniel durch ein Wunder die Chanukkah-Geschehnisse noch vor ihrem Eintreten? Oder waren die Kapitel 8 – 11 Makkabäer-Propaganda, die stillschweigend in die jüdische Bibel eingeschleust wurde?

Man bedenke die folgenden vier Tatsachen. Erstens: Daniel identifiziert sich als Autor der Kapitel 8 – 11. „Im dritten Jahr der Regierung des Königs Belsazar erschien mir, Daniel, ein Gesicht“ (Daniel 8,1). Der Schreiber verweist auf die Regierungszeit des Königs Belsazar, dessen Herrschaft im Jahr 539 v.u.Z. endete.7 Warum sollte man einen Schreiber anzweifeln, der sich selber vorstellt und datiert? Gilt für ihn nicht die Unschuldsvermutung, bis seine Schuld bewiesen ist? In den Kapitel 8 – 11 spricht der Autor von babylonischer Geographie, mit der ein Exil-Autor wie Daniel auf jeden Fall vertraut war – ganz im Gegensatz zu den Makkabäern und ihrer Gemeinschaft, die gute 880 Kilometer entfernt in Judäa lebten.

Zweitens: Die Texte des Buches Daniel wurden 1949 unter den Schriftrollen vom Toten Meer entdeckt. 1989 wurden sie veröffentlicht, einschließlich der Kapitel 8 – 11.8 Fachleute erkannten: Im 2. Jahrhundert v.u.Z. muss das komplette Buch als Einzelband bei der Qumran-Gemeinschaft im Umlauf gewesen sein. Diese Entdeckungen zwangen Historiker, das Buch Daniel auf eine Zeit vor dem 2. vorchristlichen Jahrhundert zu datieren. Gerhard Hasel, Fachmann für Altes Testament, erklärt:

Wer die [makkabäische] Datierung des Buches Daniel unterstützt, muss sich jetzt neuen Fragen stellen… Wer die Hypothese makkabäischer Datierung des Daniel-Buches vertritt, wird es schwer haben, [diese Entdeckungen] zu erklären… Das Urteil scheint negativ, und eine frühere Datierung des Buches Daniel [aufs 6. Jahrhundert v.u.Z.] als das 2. Jahrhundert ist unvermeidlich.9

Drittens: Ein in Judäa lebender jüdischer Rabbi des 1. Jahrhunderts identifizierte Daniel öffentlich als den Schreiber der zweiten Hälfte des Buches. Jeschua zitierte Daniel als den Autor der Prophetie über Antiochus, als er eine andere Vorhersage in Bezug auf Judäa aussprach. Er bezog sich auf Daniels vorige Weissagung über die Entweihung des Tempels durch Antiochus, als er die kommende Zerstörung Jerusalems ankündigte, die sich im Jahr 70 u.Z. zutrug. Wieder einmal sahen Historiker sich zur Auseinandersetzung mit einer Prophetie gezwungen. Sie mussten erklären, wie Jeschua denn Jahrzehnte vor dem Ereignis wissen konnte, dass die Römer den Tempel zerstören würden.

Jeschua sagte: „Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den Propheten, geredet ist, stehen seht an heiligem Ort – wer es liest, beachte es –, dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge fliehen“ (Matthäus 24,15-16). Ausführlicher noch sagte er: „Wenn ihr aber Jerusalem von Heerlagern umzingelt seht, dann erkennt, dass ihre Verwüstung nahe gekommen ist. Dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge fliehen, und die, die in ihrer Mitte sind, sollen hinausziehen“ (Lukas 21,20-21). Wie durch Jeschua vorausgesagt, belagerten und zerstörten die Römer 40 Jahre später Jerusalem und den Tempel.

Erneut versuchten Historiker, voraussagende Prophetie auf rationale Weise wegzuerklären. Viele argumentierten, der Abschnitt sei von Christen im zweiten Jahrhundert in die Evangelien eingefügt worden. Der Schwachpunkt bei diesem Argument: Als die römischen Legionen im Jahr 70 u.Z. Jerusalem umzingelten, erinnerten sich jüdische Nachfolger Jeschuas in der Stadt an diese Prophetien und flohen, wie er sie angewiesen hatte. Der Historiker Eusebius erzählt im 3. Jahrhundert u.Z., dass die jüdischen Nachfolger Jeschuas sich an seine Prophetie erinnerten und in die Stadt Pella am Ostufer des Jordan flohen:

Doch war den Leuten der Gemeinde in Jerusalem durch eine Offenbarung (gegenüber erprobten Männern noch vor dem Kriege als Wahrheit beschworen) befohlen worden, die Stadt zu verlassen und in einer gewissen Stadt namens Pella in Peräa zu weilen.10

Das Urteil

Jeschua hat aus Daniel zitiert; Daniel wurde unter den Schriftrollen am Toten Meer entdeckt; und beides zeugt – gemeinsam mit den Beweisen innerhalb des Buches – für einen einzigen Autor. Eine zweitrangige Herausforderung an solche Historiker, die voraussagende Prophetie ablehnen: Jeschua sagte die Zerstörung Jerusalems voraus. Diese Tatsachen fordern die rationale Geschichtsschreibung heraus und sind die Ursache dafür, dass Chanukkah ein Dilemma für Historiker ist.

Chanukkah feiert das Ende der syrischen Tyrannei, die Hoffnung auf Religionsfreiheit und den jüdischen Überlebenswillen. Aber es verweist auch auf ein größeres Wunder als einen Kerzenleuchter: auf einen Gott, der uns einen Einblick in Ereignisse gewährt hat, die einst eintreten sollen. Er sichert uns zu, dass er den Verlauf der Geschichte im Blick behält.

Das „historische Chanukkah-Dilemma“ kann nur erklärt werden, indem man akzeptiert: Ein allmächtiger Gott der Geschichte hat uns sein Buch, die Bibel, geschenkt; sie sagt diese Ereignisse voraus und erklärt ihre Bedeutung. Gott lässt sich nicht auf natürliche Weise erklären – genauso wenig wie die Chanukkah-Ereignisse oder ihre Botschaft an uns heute. Aber wenn wir den Gott der Geschichte durch seinen Sohn Jeschua persönlich kennen, können wir sein Ziel mit unserem eigenen Leben erkennen und wahre Hoffnung in einer hoffnungslosen Welt entdecken.

  1. http://www.myjewishlearning.com/article/mi-yimalel-who-can-tell/
  2. Toy, C., Barton, G., Jacobs, J., & Abrahams, I., Maccabees, Books of. In Jewish Encyclopedia (online, Bd. 8). (New York, NY: Kopelman Foundation, 1906), S. 239 – 244. Entnommen aus http://jewishencyclopedia.com/articles/10237-maccabees-books-of#anchor4, S. 239.
  3. http://www.come-and-hear.com/shabbath/shabbath_21.html#PARTb
  4. Bleek, F., Kamphausen, A., & Venables, E., An Introduction to the Old Testament. (London, UK: G. Bell and Sons, 1882), S. 205.
  5. Hirsch, E., & Konig, E., Daniel, Book of: In Jewish Encyclopedia (online, Bd. 4, S. 430 – 432). (New York, NY: Kopelman Foundation, 1906). Entnommen http://jewishencyclopedia.com/articles/4874-daniel-book-of, S. 430.
  6. Gordon, C., „Higher Critics and Forbidden Fruit“, Christianity Today, 1959, S. 132. Entnommen http://documents.mx/documents/higher-critics-and-forbidden-fruit-cyrus-h-gordon.html
  7. Britannica (2006). Britannica Concise Encyclopedia. Chicago: Encyclopedia Britannica, Inc. S. 196.
  8. Hasel, G., „New Light on the Book of Daniel from the Dead Sea Scrolls“, Ministry Magazine, Januar 1992, S. 11.
  9. Hasel, G., „The Book of Daniel Confirmed by the Dead Sea Scrolls“, Journal of the Adventist Theological Society, 1(2), 37-49 (1990), S. 49.
  10. Schaff, P., & Wace, H. (1890), A Select Library of Nicene and Post-Nicene Fathers of the Christian Church: Second Series (Bd 1), Oxford, UK: Parker & Company, S. 138.