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Verfasst von Aaron Lewin

Das gute Leben

Es ist fast Zeit, um sich endlich zurückzulehnen und zu entspannen.

Es ist fast Zeit, um sich endlich zurückzulehnen und zu entspannen. Egal, ob du religiös bist oder nicht, Rosch ha-Schana rückt näher und es ist Zeit zu feiern! Während das neue Jahr losgeht und wir eine Achterbahnfahrt von Festen und Zeiten des Fastens durchlaufen, können wir nicht umhin, einen Blick zurück auf die Geschehnisse des letzten Jahres zu werfen sowie die Möglichkeiten des nächsten Jahres zu überdenken. Und seien wir ehrlich – wenn es eine Sache gibt, die wir im Leben erreichen wollen, so ist es doch das „gute Leben“. Gesund zu sein und gut dran, in jeder Hinsicht. Um das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Unsere Vorfahren wollten auch das Leben in vollen Zügen genießen. Nach einem Leben der Sklaverei in Ägypten und ihrer wunderbaren und auf wundersamen Befreiung ebbte die anfängliche Begeisterung irgendwann ab und sie sahen sich mit den harten Realitäten des Wüstenlebens konfrontiert, hofften aber weiter auf die Verheißung, die Gott uns gegeben hatte: ein eigenes Land zu haben. Ein Land, in dem wir sicher sein würden, wo wir das gute Leben genießen könnten, ein Land, das unser sein würde. Endlich.

Wir sind nun fast am Ende des jährlichen Toralesungszyklus angekommen. In der Parascha Ki Tawo bereiten wir uns immer noch vor, das Land zu betreten. Gott gibt uns letzte Anweisungen durch Moses und wir warten voller Anspannung. Vielleicht träumten einige unserer Vorfahren schon davon, in Milch und Honig zu schwimmen…

Ja, es war ein gutes und wunderbares Land, aber es war nicht wirklich der Ort, an dem wir unsere Erfüllung finden würden.

Damit wir nicht durch die Träumerei vom guten Leben abgelenkt werden, erinnert uns Gott in der Parascha dieser Woche daran, dass das Leben in vollen Zügen nicht in dem Land gefunden wird, das wir betreten sollten. Ja, es war ein gutes und wunderbares Land, aber es war nicht wirklich der Ort, an dem wir unsere Erfüllung finden würden. Wir würden sie nur in Ihm finden. Wirklich: Unser materielles Wohlergehen im Land würde direkt an unsere Beziehung zu ihm geknüpft sein. In Ki Tawo, skizziert Gott den Segen, den wir im Land durch ihn erfahren würden, wenn wir ihm treu bleiben. Allerdings listet er auch Katastrophen auf, die uns heimsuchen würden, wenn wir ihm untreu sind. Diesen Abschnitt zu lesen, ist besonders schmerzhaft, weil er sich fast wie die Geschichte unseres Volkes anhört, bestätigt durch die Aufzeichnung des Tanach. Statt gesegnet wurden wir durch Katastrophen zerschmettert.

Doch müssen wir hier kurz innehalten: In unseren westlichen Ohren hört sich die Idee des Gehorsams gegenüber einer höheren Macht veraltet und sogar beleidigend an. Es scheint auch mächtig arrogant von Gott zu sein, dass wir ihm gehorchen müssen, um das Leben in Hülle und Fülle genießen zu können. Unsere Gesellschaft lehrt uns, dass wir unser eigener Gott sind, dass wir niemand anderen brauchen. Wir müssen nur tief in uns schauen, um unser Potential zu erschließen, das dort verborgen ist. Dies gefällt uns viel besser, weil es bedeutet, dass wir nicht von anderen abhängen. Das einzige Problem ist, dass das nicht funktioniert.

Seit der Ur-Rebellion unserer ersten Eltern, Adam und Eva (die ironischerweise eben dieser Denkart folgten!), ist die ganze Welt zerbrochen. Unsere Eltern ruinierten sich und ihre Welt, und wir erbten ihr Gebrochensein. Wenn wir uns wirklich Zeit nehmen würden, in uns hineinzuschauen, würde uns nicht gefallen, was wir dort finden. Denn unser Erbe besteht aus Hass, Neid, Engstirnigkeit. Gebrochene Menschen können nicht ihre Welt reparieren. Erst müssen sie repariert werden – von jemandem von außen.

Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im ÜberflussJochanan / Johannes 10:10

Auch wenn wir uns danach sehnen, von aller Autorität unabhängig zu sein, auch von Gott, will er nicht unabhängig von uns sein. Wir ignorierten seine anfänglichen Warnungen in der Tora – und als Ergebnis mussten wir die Wahrheit seiner Worte fühlen. Wir verloren „das gute Leben“, wurden aus unserem Land vertrieben, unseren Feinden ausgeliefert. Dann erbarmte er sich: Er ließ uns nach unserem Exil ins Land zurückkehren. Doch Gott wusste, dass wir immer wieder durch Lüge in die Irre geführt werden würden, dass man das gute Leben abseits von ihm finden kann. Deshalb hat er den Messias gesandt: Jeschua kam, um unsere zerbrochene Welt zu reparieren, indem er uns mit Gott versöhnte, indem er für unsere Sünde sterben und dann von den Toten auferstehen würde. Gott kam zu uns, weil er wusste, dass wir vor ihm weiter weglaufen würden. Und ebenso wie das gute Leben für unsere Vorfahren mit einem Leben für Gott verknüpft war, ist es für uns heute: Unser Leben ist mit dem Messias verknüpft, dem, der für dich und mich starb, um uns mit Gott zu versöhnen. Tatsächlich sagte Jeschua: „Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss.“ (Jochanan / Johannes 10:10). Durch den Messias werden wir geistig neugeboren und bekommen eine innige Verbindung zu Gott. Wir können das Leben in vollen Zügen genießen.

Nun, wo das jüdische Jahr 5776 zu Ende geht und wir uns auf das Jahr 5777 freuen, ist es Zeit, sich mal zu fragen, ob wir unser Leben wirklich in vollen Zügen leben. Erfüllt uns das, was wir tun, oder fehlt noch etwas? Auch wenn es wie ein Klischee klingt: Das Leben ist kurz und unsere Zeit hier auf der Erde ist schnell vorbei. Wir wissen nicht, was uns um die Ecke erwartet, aber wir können sicher sein, dass nicht alles glatt laufen wird. Aber wenn unser Leben mit dem Leben des Messias Jeschua verknüpft ist, haben wir das Versprechen, dass wir unser Leben in vollen Zügen genießen werden. Was wäre, wenn Jeschua wirklich die Wahrheit sprach, als er sagte: „Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss.“ Willst du das nicht im neuen Jahr herausfinden?