Fünf verborgene Lektionen der Parascha dieser Woche

„Einwanderer!“ „Ausländer!“ „Flüchtlinge!“ Sei es der Brexit in Großbritannien oder der Zustrom von Migranten nach Deutschland: Die jüngsten Ereignisse haben dazu geführt, dass Fremdenfeindlichkeit wieder ein heißes Eisen geworden ist. Extreme Meinungen, die von beiden Seiten im Streit geäußert werden, lassen uns oft innerlich kämpfen, das herauszufinden, was eigentlich die richtige Wahl ist oder wie man sich genau den Fremden gegenüber verhalten soll. Sie zwingen uns auch, uns einige tiefergehende Fragen zu stellen…

Für uns Juden ist es nichts Neues, ein Fremder oder ein Ausländer zu sein.

Für uns Juden ist es nichts Neues, ein Fremder oder ein Ausländer zu sein. Wir sind als das „ziehende Volk“ bekannt, sind in den letzten paar tausend Jahren von Stadt zu Stadt und von Land zu Land gezogen. Wir wissen, wie es ist, der Ausländer zu sein und der Ausgestoßene – selbst heute noch. Und trotz unserer Neigung, herumzuziehen, gibt uns Gott einige ziemlich genaue Anweisungen, wie man mit dem Fremden in unserer Mitte umgehen soll.

Die Parascha-Lektion dieser Woche, genannt Ki Teze, fährt dort fort, wo wir letzte Woche aufgehört haben: Wir waren dabei, das gelobte Land zu betreten. Es scheint, als ob Gott so genau wie möglich versucht, ein breites Spektrum an möglichen Situationen anzusprechen, denen wir im gelobten Land ausgesetzt sein würden. Ki Teze befasst sich auch mit dem wichtigen Thema, wie wir die Ausländer in unserer Mitte behandeln sollen, die oft in einem Atemzug mit den Hilflosesten unter uns erwähnt werden, den Witwen und Waisen. Gott weiß, wie schwer es für Menschen ist, in einem fremden Land mit anderen Sitten und einer anderen Sprache zu leben, und so sorgt er dafür, dass wir die Fremden in unserer Mitte mit größtem Respekt und Sorgfalt behandeln – genau so wie wir Witwen und Waisen behandeln sollten. Diejenigen, die sich uns anschließen wollten, mussten wir als Teil von uns betrachten. Warum? Weil wir selbst in Ägypten Fremde und Ausgestoßene gewesen waren (siehe Dewarim / 5. Moses 24,17-18). Wir wussten, wie das war.

Eines Tages würde Er selbst der Fremde unter uns sein.

Das Ironische an den Worten Gottes bei Moses ist, dass Er sie eines Tages auf Sich selbst anwenden würde. Eines Tages würde Er selbst der Fremde unter uns sein. Eines Tages würde Gott, der so völlig anders war als wir, zu uns zu kommen, so wie es bei den Propheten Jeschajahu / Jesaja geschrieben steht: „Hört! Jemand ruft: „Bahnt dem Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut eine Straße durch die Steppe für unseren Gott!“ (Jeschajahu / Jesaja 40, 3). Wie würden wir Ihn empfangen?

Die Antwort findet sich bei Jochanan / Johannes 1,11: „Er kam in seine Welt, aber die Menschen nahmen ihn nicht auf.“ Als der Messias Jeschua schließlich kam, wies unser Volk ihn ebenso zurück wie in Jeschajahu / Jesaja 53, 3-4 prophezeit worden war: „Er wurde verachtet, von allen gemieden… Wir wollten nichts von ihm wissen, ja, wir haben ihn sogar verachtet… Dabei war es unsere Krankheit, die er auf sich nahm… Wir glaubten, dass Gott ihn schlug und leiden ließ, weil er es verdient hatte.“

Den Messias ablehnen?! Während es widersprüchlich zu sein scheint, dass wir denjenigen ablehnten, auf den wir schon so lange gewartet hatten, ist es eigentlich nicht so unlogisch. Wir Menschen haben im Grunde genommen Angst vor Dingen, die uns unbekannt oder die andersartig sind oder unsere Bequemlichkeit herausfordern. Unsere Ablehnung des Messias basierte auf seiner Herausforderung unserer Selbstzufriedenheit und auf seiner Andersartigkeit gegenüber dem, was wir kannten. Sie unterschied sich nicht wirklich von der Ablehnung von Gottes Autorität durch unsere ersten Eltern, Adam und Eva. Aber anstelle es uns für unsere Ablehnung heimzuzahlen, schickte Gott den Messias, um für unsere Sünden zu sterben und von den Toten wiederaufzustehen, um uns mit ihm selbst zu versöhnen! Die Botschaft der Liebe des Messias ist letztlich eine Botschaft der Liebe gegenüber den Ausgestoßenen und Fremden – uns. Denn ob wir es wollen oder nicht, wir sind alle auf die eine oder andere Weise Außenseiter oder Fremde vor Gott: Wir haben uns alle versündigt und seine Macht über unser Leben von uns geworfen.

Die Schlagzeilen der Nachrichten können manchmal unseren Blick vernebeln oder uns davon ablenken, was bei der Fremdenfeindlichkeit wirklich vor sich geht. Und doch, wenn wir mal das Leben aus Gottes Perspektive betrachten, erkennen wir die Wahrheit, dass wir alle Fremde und Verstoßene sind, die nach einem sicheren Ort suchen, den wir unser Zuhause nennen können. Zum Glück hat Er das durch den Tod und die Auferstehung des Messias bereits möglich gemacht: Wir mögen früher von den Menschen abgelehnt worden sein, aber Er lehnt uns nicht ab. Er war sogar bereit, selbst abgelehnt zu werden, sodass wir jetzt angenommen werden können. Ich habe mein Zuhause gefunden. Du auch?