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Keine Gerechtigkeit

„Es gibt keine Gerechtigkeit in der Welt, es sei denn, wir sorgen für sie.“ - Petyr „Little“ Baelish, Game of Thrones

„Es gibt keine Gerechtigkeit in der Welt, es sei denn, wir sorgen für sie.“ – Petyr „Little“ Baelish, Game of Thrones1

Wenn es irgendwelche Zitate der letzten Jahre gibt, die zu echten Klassikern geworden sind, wird dies wohl eines der besten sein. Seit Game of Thrones vor fünf Jahren erstmalig ausgestrahlt wurde, hat die Serie weltweit Beifall bekommen und ist zu einer der beliebtesten Sendungen der jüngsten Zeit geworden. Zwar ist es schwierig, den Erfolg auf eine Formel zu reduzieren, doch ist vielleicht einer der Gründe, warum die Serie so gut ankommt, die Tatsache, dass sich mit Themen beschäftigt, die uns am Herzen liegen (wenn auch auf mittelalterliche Weise!). Zum Beispiel die Gerechtigkeit.

Wenn es eine Sache gibt, die wir im Leben erreichen wollen, dann ist es auf jeden Fall Gerechtigkeit wegen all der Menschen, die uns Unrecht getan haben. Wir wollen, dass sie für das zahlen, was sie für uns angetan haben und so leiden, wie wir einst. Diese Sehnsucht nach Gerechtigkeit, die uns Menschen seit unseren Anfängen prägt, ist kein Zufall – denn derjenige, nach dessen Bild wir gemacht wurden, kämpft auch leidenschaftlich für die Gerechtigkeit.

Der Thora-Abschnitt dieser Woche, Schoftim, beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem Thema der Gerechtigkeit. Gott lag viel daran, dass unsere Gesellschaft, als er sie in das gelobte Land führte, darauf aufbaute, dass das Richtige getan wurde. So sagte man uns, dass die Richter, die gewählt werden, keine Bestechungsgelder annehmen sollten, dass die Zeugen den Lauf der Gerechtigkeit nicht behindern sollten und drohte ihnen mit schwerer Strafe. Sogar der König sollte sich nicht zu Unrecht zu viele Frauen, Pferde usw. zulegen. Die Grenzen der Grundstücke sollten nicht bewegt und Städte gebaut werden, sodass die Kämpfer dorthin fliehen und Zuflucht finden können. Es ist wirklich ziemlich umfassend und klar: Gott ist ein gerechter Gott und er will, dass wir, die ihn repräsentieren, auch gerecht sind.

Wenn man im Tanach liest, sieht man, dass unser Volk häufig genau das Gegenteil von dem tat, was es eigentlich tun sollte.

Die erste Frage, die einem da in den Sinn kommt, ist: „Was lief falsch?!“ Wenn man im Tanach liest, sieht man, dass unser Volk häufig genau das Gegenteil von dem tat, was es eigentlich tun sollte. Selbst heute, nach Tausenden von Jahren, gibt es kaum eine gerechte Gesellschaft. Und wir, ihre Nachkommen, sind auch nicht besser.

Doch in der Mitte der Parascha dieser Woche sagt uns Gott, dass er uns eines Tages einen Propheten wie Mosche senden will. Wenn dieser Prophet kommt, werden wir ihn erkennen, weil er sein wird, wie Mosche war, und wir sollen ihm zuzuhören. Warum? Na, vielleicht, weil er sich mit der Frage der Gerechtigkeit befassen würde.

Wer könnte also dieser Prophet sein, der wie Mosche ist? Jeder Führer, der seitdem erschien, passte nicht ins Bild. Er sollte ein Prophet sein, ein Priester und König – ein Führer unseres Volkes in jeder Hinsicht, so wie es Mosche war. Dann kam Jeschua – und behauptete, dass Mosche über ihn geschrieben hatte. Er war tatsächlich der Prophet, der wie Mosche war – er verkündete Gottes Wahrheit wie die Propheten, vermittelte zwischen dem Volk und Gott ebenso wie die Priester und wurde schließlich zum Führer unseres Volkes, allein durch die Tatsache, dass er der Messias war. Mit Gerechtigkeit beschäftigte er sich oft. Häufig lesen wir von ihm, dass er die Führer seiner Zeit für ihre Ungerechtigkeit tadelte (siehe Matthäus 23) und das Volk ermutigte, einander kein Unrecht anzutun (siehe Matthäus 5-7). Doch die eigentliche Lektion in Sachen Gerechtigkeit kam, als er sein Leben gab, als Zahlung für unsere Sünden. Nun herrschte ein für alle Mal Gerechtigkeit, indem alle Verbrechen gegen Gott gesühnt waren – absichtlich fortgenommen durch den Messias. Aber er diente nicht nur der Gerechtigkeit an diesem Tag: Damals gab es noch etwas, was größer war als Gerechtigkeit: Barmherzigkeit.

Ironischerweise neigen wir dazu, nach Gerechtigkeit wegen derjenigen zu schreien, die uns etwas angetan haben, aber Gnade für uns selbst, wenn wir jemandem mal etwas angetan haben! Die Schönheit des Todes des Messias liegt darin, dass er sowohl Gerechtigkeit als auch Barmherzigkeit vereint: Gerechtigkeit, da es für unsere Sünden eine Strafe gab – und Barmherzigkeit, weil wir nicht diejenigen waren, die bestraft wurden.

Werden wir je in einer Welt leben, in der es wirklich Gerechtigkeit gibt?

Wenn also der Gerechtigkeit vor rund 2000 Jahren endlich genüge getan wurde, warum gibt es dann noch so viel Ungerechtigkeit in der Welt? Warum ist dann immer noch so viel Unrecht in unserem Leben? Warum sind wir immer noch so ungerecht? Werden wir je in einer Welt leben, in der es wirklich Gerechtigkeit gibt? Gott verspricht uns, dass diese Welt eines Tages enden wird (Tehilim / Psalm 102, 25-27), aber er verspricht auch, dass er eine neue Welt schaffen wird, eine, in der es Frieden und Gerechtigkeit gibt (siehe Jeschajahu / Jesaja 11 und 65,17). Doch bis diese Zeit kommt, leben wir in einer Ära der Entscheidung: Wir müssen entscheiden, ob wir bereit sind, die Barmherzigkeit Gottes anzunehmen, die er uns zukommen ließ, als er den Messias für unsere Sünden sterben und von den Toten wiederauferstehen ließ – oder ob wir es bevorzugen, unsere Rebellion gegen ihn fortzusetzen, um schließlich dem Zorn seiner Rechtsprechung gegenüberzustehen.

Game of Thrones hat schon recht: Derzeit gibt es keine Gerechtigkeit in der Welt. Und doch hat es auch unrecht: Denn wir können nicht selbst für Gerechtigkeit sorgen. Wir sind zu zerbrochen und haben zu wenig Macht, um sie auf der ganzen Welt umsetzen zu können. Aber Gott, der sich nach Gerechtigkeit sehnt, sorgte vor fast 2000 Jahren für Gnade und Gerechtigkeit. Wenn du wirklich eine Welt voller Gerechtigkeit erleben willst, dann nimm Gottes Angebot der Gnade im Hier und Jetzt an. Denn eines Tages, ob es uns gefällt oder nicht, wird es Gerechtigkeit geben.

  1. http://www.magicalquote.com/seriesquotes/theres-no-justice-in-the-world/