broken

Oft fällt es uns unheimlich schwer, diese Worte zu sagen. Ob wir gerade ein Fenster zerbrochen, einen Freund verletzt oder ein Glas Milch verschüttet haben: Manchmal kann es echt schwer sein, zuzugeben, dass wir Mist gebaut haben. Im Prinzip suggeriert uns unsre Kultur ständig, dass die Bitte um Vergebung ein Zeichen von Schwäche ist, ein Zeichen, dass man die anderen gewinnen lässt. Im wesentlichen gewinnen wir, wenn andere sagen, dass es ihnen leid tut, bevor wir es tun.

Und doch sind wir heute genau solche Götzenanbeter, wie die Leute damals!

Gott hat da einen anderen Blickwinkel. In unserer wöchentlichen Tora-Lesung warten wir immer noch darauf, das gelobte Land zu betreten, warten auf die letzten Anweisungen von Gott durch Mose. Die Parascha Nizawim ist kein großer Text, aber sie geht tief unter die Haut. Sie ist in gewissem Grade auch sehr traurig, weil Gott uns im Prinzip sagt, dass wir ohnehin von ihm abfallen werden und dass er uns ins Exil jagen, uns aus dem Land hinauswerfen wird, noch bevor wir überhaupt einen Fuß hineingesetzt haben! Gott zeigt uns, dass wir andere Götter oder Götzen anbeten werden und ihn so verlassen werden, als ob wir unsere Frau betrügen würden. Wir können uns vielleicht vorstellen, wie unsere Vorfahren Gold- oder Silberstatuen verehren, doch erscheint uns diese ganze Idee der Götzen doch heute eher antiquiert. Und doch sind wir heute genau solche Götzenanbeter, wie die Leute damals!

Bevor ich meinen Glauben in den Messias Jeschua setzte, war Punk-Musik meine Identität. Ich wachte am Morgen auf, um sofort Musik zu spielen, und ich ging am Ende des Tages mit Musik in meinem Kopf wieder ins Bett. Die Musik war meine ganze Welt – sie war tatsächlich meine Identität. Wenn ich mich selbst beschreiben sollte, würde ich sagen, dass ich damals ein blauhaariger, rosa Bassgitarren-spielender Punk-Rocker war. Aber Gott zeigte mir in seiner Barmherzigkeit eines Tages, dass ich ihn durch Musik ersetzt hatte. Statt mich in Bezug auf ihn zu definieren, definierte ich mich durch Musik. Es ist natürlich prinzipiell nichts falsch an Musik selbst; aber ich hatte meine Musik zum Götzen gemacht. Ich hatte keine kleine goldene Statue angebetet, doch war die Musik mir Lebensinhalt geworden. Ohne es zu merken, war ich zum Götzendiener geworden, genau wie unsere Vorfahren.

Aber ich schweife ab. Trotz der schlimmen Botschaft Gottes an uns, ausgerichtet durch Moses, gibt er uns etwas Hoffnung. Er sagt uns: „Selbst wenn er euch bis ans äußerste Ende der Welt verstoßen hat, wird er euch von dort zurückholen“ (D’Varim / 5. Moses 30: 4) Es gibt aber eine Bedingung: Wir müssen sagen, dass es uns leid tut.

Aber es ist definitiv nicht unsere Schuld!

Aber das ist ja grad das Schwerste an dem Ganzen. Auch wenn Gott mit uns zurecht für unseren Ungehorsam verbannt hat, ist es für uns immer leichter, unsere Herzen zu verhärten und anderen die Schuld zu geben. Und natürlich haben wir Menschen auch die Neigung, uns zu rechtfertigen. Es ist nicht unsere Schuld, sagen wir. Es ist die Gesellschaft. Oder unsere Eltern. Oder beides. Aber es ist definitiv nicht unsere Schuld! Und doch ist Gottes Bedingung zur Rettung eine echte Umkehr des Herzens, das Eingeständnis dass es in der Tat unsere Schuld war, und dass wir ihn wirklich brauchen. Ja, wir sind wirklich Götzendiener, die in unserem Leben andere Dinge über ihn gesetzt haben.

Bei all dem folgt große Hoffnung aus unserer Reue. Gott verspricht: „Er selbst wird eure Herzen beschneiden“ (D’Varim / Deuteronomium 30: 6), sodass wir ihn lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele. Wir waren dazu selbst nicht in der Lage – also machte er es für uns. Gott ist gar nicht so sehr an unserer äußeren Erscheinung oder unseren äußerlichen Aktionen interessiert, wenn unser Herz nicht wirklich dahintersteht. Wenn wir rein äußerlich beschnitten sind, aber eigentlich innerlich Götzen anbeten, was nützt das dann alles?

Jeschua sprach über diese Idee, im Herzen beschnitten zu sein, allerdings gab er dem Ganzen einen anderen Namen: Beim Gespräch mit einem unserer Führer, sagte er, dass wir „wiedergeboren“ oder „von oben her geboren“ werden müssen. (Jochanan / Johannes 3,3) Dies ist nur möglich durch ihn, weil er derjenige ist, der die Strafe für unsere Sünden trägt und von den Toten auferstanden ist. Wenn wir Gott gegenüber zugeben, dass wir etwas Falsches getan haben, dass wir Götzendiener waren und seine Vergebung brauchen; wenn wir unseren Glauben in ihn setzen, dann ist er treu und gerecht und vergibt und reinigt uns von aller Schuld (siehe Jochanan / Johannes 1, 9). Mit anderen Worten operiert er uns und beschneidet unser Herz – und macht uns wie neugeboren. Dann werden wir uns wünschen, ihm zu gehorchen, ihn zu lieben, mit jeder Faser von uns.

Am Tag nachdem ich erkannt hatte, dass ich Vergebung für meinen musikalischen Götzendienst brauchte (unter anderem), und nachdem ich mein Leben Jeschua widmete, war ich ein anderer Mensch. Plötzlich war die Musik, die mich vorher definiert hatte, für mich nicht mehr interessant. Tatsächlich endete sie im Mülleimer. Gott hatte mir den Wunsch gegeben, ihm zu gehorchen und für ihn zu leben.

Jetzt, wo die Zeit der hohen Feiertage näherrückt und wir anfangen, über Jom Kippur und Kol Nidre nachzudenken, ist es Zeit, auf unserer Leben zu schauen und herauszufinden, welche Götzen wir haben. Meiner war die Musik; deiner ist es wahrscheinlich nicht. Aber was auch immer es ist, es verhindert, dass du deine wahre Identität in Gott herausfindest. Wenn du bereit bist, sie Gott vorzulegen und ihn um Verzeihung zu bitten, dann wird er dies auch tun, wegen des Messias Jeschua. Wenn du bereit bist, ihm zu folgen, dann wird Gott in dir den Wunsch anwachsen lassen, ihm zu gehorchen. Du musst nur bereit sein zu sagen: „Es tut mir leid!“