rain
Verfasst von Aaron Lewin

Wasserwelt

„Regen, Regen fall nicht nieder, komme doch wann anders wieder!“

„Regen, Regen fall nicht nieder, komme doch wann anders wieder!“ Dieses kurze englische Kinderlied ist zwar sehr einfach gestrickt, doch es vermittelt eine wichtige Idee. Man werfe nur mal einen Blick auf andere Fahrgäste in der S-Bahn in Berlin an einem regnerischen Tag und denke darüber nach, wie schön es ist, drinnen im Trockenen zu sein, und wie ärgerlich, draußen einen Regentag erdulden zu müssen. Jetzt, wo wir langsam in den Herbst hineinrollen, sieht es nicht so aus, als ob der Regen nicht bald nachlassen wird.

Warum verbinden wir meist Regen mit Traurigkeit? Zwar sind wir uns alle über die rationalen Gründe für die Notwendigkeit des Regens bewusst, doch können wir nicht umhin zu seufzen, wenn wir aus dem Fenster schauen, die Wolken sehen und wiedermal nach dem Schirm greifen müssen. Vielleicht gibt es etwas tief in der menschlichen Psyche, das Regen mit Traurigkeit verbindet.

„…sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar.“

Wir finden sogar eine Antwort darauf, wenn wir einmal einen Blick auf die dieswöchige Parascha werfen: Sie heißt einfach Noach, und dort dreht sich alles um den Mann, der diesen Namen trägt – den ersten berühmten Schiffsbauer! Während die Geschichte von Noah eine Lieblingsgeschichte unter Kindern ist, die auf die verschiedenste Weise in den Medien auftaucht, ist es ironisch, dass die Botschaft dahinter eigentlich ziemlich grausam und nicht wirklich für Kinder geeignet ist. Gott schaute auf die Erde und sah die Menschen, die Er gemacht hat, und „…sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar.“ (Bereschit/1. Mose 6,5). Was für eine vernichtende Beschreibung der Menschheit! In nur wenigen tausend Jahren hatten wir es geschafft, alles zu zerstören und so verdorben zu werden, dass uns noch nicht mal mehr einfiel, wie man mal etwas Gutes tat! Was als Nächstes folgt, ist vielleicht der traurigste Vers im ganzen Tanach: „Da reute es den Herrn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen.“ (Bereschit/1. Mose 6,6) Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war, dass nicht einmal unser Schöpfer noch etwas Gutes in uns finden konnte, und sich eigentlich wünschte, Er hätte uns nie gemacht!

Einzige Ausnahme seiner Generation war Noah, der „Gnade vor dem Herrn“ fand. Und so sagte Gott Noah, dass Er alle vernichtetn werde, und dass Noah ein großes Boot brauche um einige Tiere und seine Familie zu retten. Ich kann mir vorstellen, wie Noahs Reaktion auf Gottes Anweisungen war. „Was?! Ich? Ein Boot bauen?!“ Oder noch wahrscheinlicher gehorchter er einfach nur still und treu. Und baute das Boot.

Die Schrift schweigt auf frustrierende Weise bezüglich der Details des außergewöhnlichen Bootsbaus.

Die Schrift schweigt auf frustrierende Weise bezüglich der Details des außergewöhnlichen Bootsbaus. Wir müssen uns selbst vorstellen, wie Noahs Nachbarn, Freunde und Verwandte auf sein merkwürdiges Unternehmen reagiert hatten. Laut der Schrift gab es immerhin keinen Regen bis zu diesem Zeitpunkt. Und es klingt nicht so, als ob Noah direkt neben einem Fluss oder einem Meer wohnte. Ich vermute, dass sie sich dachten, dass er völlig verrückt geworden war!

Ich bin jedoch auch sicher, dass sie das nicht mehr dachten, als das Boot fertig war und sogleich große Tropfen Wasser vom Himmel fielen. Ich bin sicher, dass sie in Panik gerieten, als der Regen in Strömen herunterprasselte. Sie hatten gesehen, wie Noah das Boot baute, von Tag zu Tag, und nie Notiz davon genommen. Aber jetzt war es zu spät. Ich bin sicher, dass Noah, als er das Boot baute, sie angefleht hatte: „Kommt mit mir mit! Ihr habt keine Ahnung, was Gott tun wird!“ Sie hatten buchstäblich den Dampfer verpasst –die Chance, von ihrer Bosheit Abstand zu nehmen und gerettet zu werden.

Und während der Regen auf der ganzen Welt niederprasselte, sind gewiss auch woanders dicke Tropfen gefallen: Ich bin sicher, dass unser Schöpfer weinte, aus tiefer Trauer darüber, was Er zu tun hatte. Und ich bin überzeugt, dass dies ein Grund ist, warum wir Regen mit Traurigkeit verbinden – aufgrund der Flut, mit der der größte Teil der Menschheit vernichtet wurde, und aufgrund der daraus resultierenden Traurigkeit Gottes. Oft denken wir, dass Gott sich unserer Traurigkeit nicht bewusst ist; doch in Wirklichkeit sitzt Er neben uns weint mit uns.

Gott wagte also einen Neuanfang und versuchte es mit Noah noch einmal ganz von vorne. Und nach nur wenigen Generationen verdarben wir Menschen wieder, bauten den berühmten Turm von Babel und Gott verstreute uns über die ganze Erde. Es hatte nicht gereicht, den größten Teil von uns zu vernichten, da der korrumpierende Virus auch in Noah war, obwohl er in den Augen Gottes Gnade gefunden hatte. Seit dem Sündenfall frisst die Sünde sich durch uns und wir sind ihre Sklavin – und in jeder Generation sind wir aufs Neue verdammt, uns zu verderben.

Nein, die Wasserwelt war nicht die Lösung.

Nein, die Wasserwelt war nicht die Lösung. Aber sie gab uns einen Hinweis, was die Antwort war. Und sie gab uns Hinweise, denen wir folgen können.

Als der Messias Jeschua auf die Erde kam, um uns zu retten, glaubten nur sehr wenige Menschen ihm und seiner Botschaft. Jeschajahu (Jesaja) drückt es am besten aus: „…Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg….“ (Jesaja 53,3). Er wurde genau wie Noah verachtet, obwohl er genau die Lösung für unsere Rettung hatte. Auch heute noch kennt die Mehrheit unseres Volkes seine Botschaft der Liebe und der Vergebung unserer Schlechtigkeit nicht – oder sie verachtet sie, genauso wie unsere Vorfahren Noah abgelehnt hatten. Aber genau so wie Noah nicht nachließ, das Boot zu bauen, scheute Jeschua nicht von seiner Mission zurück – für unsere Sünden zu sterben und wieder aufzuerstehen, um uns in Zukunft ewiges Leben zu geben. Er gab uns auch im Jetzt ein neues Leben und stellte die Beziehung mit Gott wider her. Ganz wie diejenigen, die Noah glaubten, mit ins Boot gingen und vor der Sintflut gerettet wurden, so werden diejenigen, die ihr Vertrauen in Jeschua als Messias und Meister setzen, gerettet, wenn „der große und schreckliche Tag des Herrn kommt.“ (siehe Joel 3, 4).

Jeschua tat, was Noah nie konnte: Er zerbrach die Kontrolle der Sünde über unser Leben und befreite uns von der Verdorbenheit, die sie verursacht. Durch Jeschua sind wir in der Lage, ein Leben zu leben, das Gott ehrt, denn Gott hat uns ein neues Herz gegeben, so wie er es versprochen hat (siehe Yechezkiel / Hesekiel 36). Ich bin mir sicher: Als die Sonne an dem Morgen aufging, als Jeschua von den Toten auferstand, weinte Gott nicht mehr. Der Sohn war auferstanden und der Regen war weg!

1995 postulierte der Film Waterworld von Kevin Reynolds eine Welt der Zukunft, die fast vollständig von Wasser bedeckt ist und in der nur wenige überlebt hatten. Vielleicht wurde er von Noah inspiriert. Und während Gott uns verspricht, dass es nie wieder eine solche Wasserwelt geben wird, warnt er uns später, dass die Welt eines Tages zu Ende gehen wird. Werden wir wie Noahs Generation sein, die die Warnungen sieht, sie aber ignoriert, bis es zu spät ist? Oder werden wir uns, ähnlich wie Noahs Familie, dafür entscheiden, unser Vertrauen in den Messias Jeschua zu setzen, als Retter aus Sünde, Tod und vor dem zukünftigen Gericht Gottes? „Regen, Regen fall nicht nieder, komme doch wann anders wieder!“ Vielleicht können wir den Regen aufschieben, aber wir sollten unsere Entscheidung, unser Vertrauen in Jeschua zu setzen nie aufschieben. Wir wollen doch nicht den Dampfer verpassen!