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Ich bin ein Einzelkind, aber ich weiß, dass Geschwister zu haben so ist wie Marzipan zu essen: Entweder liebt man es oder man hasst es! Die Mitglieder unserer Familie gehören zu den wenigen Dingen im Leben, bei denen wir nicht den Luxus genießen, sie frei wählen zu können: Man hat sie am Hals, ob wir das mögen oder nicht — und dasselbe gilt für unsere Eltern und ihren Einfluss auf unser Leben. Ich weiß gar nicht, wie oft ich mich jüngst dabei ertappt habe, dass ich dachte: „Jetzt führ ich mich schon so wie mein Vater auf!“ Ob Betonung, Gestik oder der subtile Humor: Es scheint, dass ich es einfach nicht ändern kann und langsam wie mein Vater werde.

„Wenn du wissen willst, wie deine Frau aussehen wird, wenn sie mal alt ist, schau dir ihre Mutter an!

Es ist eine ziemlich interessante und wohl auch etwas beunruhigende Tatsache des Lebens, dass wir, wenn wir älter werden, am Ende wie unsere Eltern werden. Ganz wie das alte Sprichwort sagt: „Wenn du wissen willst, wie deine Frau aussehen wird, wenn sie mal alt ist, schau dir ihre Mutter an!“ Ich bin noch nicht mal dreißig und doch finde ich, dass ich meinen Vater unbewusst kopiere. Es scheint, als ob etwas in unser Genom geschrieben wurde, das uns untrennbar mit unseren Eltern verbindet – nicht nur physisch, sondern auch in unserer Persönlichkeit. Ein altes Sprichwort besagt: „Wie Vater, so der Sohn.“ Doch was besonders frustrierend ist, ist wenn wir nicht nur das Gute in unseren Eltern nachahmen, sondern auch das Böse.

Nehmen wir zum Beispiel Isaak: Der Lehrtext dieser Woche aus der Tora, genannt Toldot (Generationen oder Familien), befasst sich in erster Linie mit dem zweiten großen Patriarchen und wir entdecken, dass Isaak seinem Vater Abraham sehr ähnlich ist. Im Kapitel 20 von Bereshit / 1. Moses beschließt Abraham, in der Region Gerar zu wohnen und weist seine Frau Sarah an, König Abimelech anzulügen und ihm zu sagen, dass sie Abrahams Schwester sei. Nachdem Gott Abimelech im Traum erschien und ihm drohte, ihn für den Raub von Sarah zu zerstören, beteuert Abimelech seine Unschuld und schickt Abraham und Sarah fort. Isaak, der diese Geschichte gekannt haben musste, beschließt später in Kapitel 26, auch in Gerar zu verweilen und macht denselben Fehler, den sein Vater begangen hatte! Isaak lügt bezüglich Rebekka und Abimelech (der entweder unglaublich vergesslich oder nur vielleicht der Sohn des ursprünglichen Abimelechs ist) findet die Wahrheit erst heraus, als er Zeuge einer Schmuserei vor seinem Fenster wird! Später in der Parascha, in der wir uns dem Leben von Jakob zuwenden, finden wir wieder Ähnlichkeiten und Parallelen in seinem Verhalten und dem seiner Vorfahren.

Und so scheint es, dass wir, ob wir es mögen oder nicht, dazu verdammt sind, in den Fußstapfen unserer Eltern zu wandeln und die gleichen Fehler zu machen, die sie begangen haben. Aber warum? Warum können wir den Teufelskreis nicht durchbrechen?

Willen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. (Römer 7, 18)

Die Antwort: Weil wir selbst verdorbene Menschen sind. Unsere allerersten Eltern, Adam und Eva, korrumpierten sich, als sie beschlossen, den Rat des Schöpfergottes beiseite zu schieben und die Lüge der Schlange zu glauben. Von ihnen haben wir ihre Verderbtheit geerbt und so machen wir ständig dieselben Fehler, die auch sie begangen hatten, auch wenn wir es nicht wollen! Ein erster jüdischer Anhänger des Messias, der Schaliach Scha’ul (der Apostel Saulus/Paulus) formulierte es am besten: „Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.“ (Römer 7, 19-20) Auch wenn wir uns erinnern, wie sehr wir etwas hassen, was unsere Eltern getan haben, passierte es dennoch immer wieder, dass wir das Gleiche tun, das sie getan hatten, weil wir nicht die Macht haben, etwas anderes zu tun. Wie Scha’ul erklärt: „Willen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.“ (Römer 7, 18)

Also sind wir für immer dazu verdammt, die gleichen Fehler zu machen wie unsere Eltern? Scha’ul hatte dieselbe Frage: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?“ (Römer 7, 24) Glücklicherweise ist die Antwort klar: Es ist uns verdorbenen Menschen möglich, den Teufelskreis der fortwährenden Verderbtheit mittels Hilfe von außen zu brechen. Die Antwort? „Dank sei Gott durch den Messias Jeschua, unsern Herrn!“ (Römer 7, 25)

Einer meiner Freunde erzählte mir jüngst von seiner Vergangenheit. Er wuchs in Südafrika in einem jüdisch-orthodoxen Haus auf, hatte später mit Chabad Lubavitch zu tun und wurde extrem religiös. Und doch konnte diese neu entdeckte Religionstiefe ihn nicht davon abhalten, sich in Drogen, Alkohol und Frauen zu stürzen, während er das orthodoxe Judentum praktizierte. Er sagte halt: „Am Yom Kippur (dem Tag der Sühne) würde ich halt fasten und um Vergebung bitten, doch am nächsten Tag wachte ich wieder als dieselbe Person auf, die ich immer gewesen war. Keines der Gebote änderte das, was ich wirklich war!“

Der Messias Jeschua ist der einzige Weg…

Viele Leute haben Selbsthilfe-Bücher geschrieben, die behaupten, den Schlüssel zum erfolgreichen Ändern der schlechten Dinge in uns zu beinhalten. Während einige dieser Bücher und andere religiöse Systeme kurzfristig funktionieren können mögen, haben können sie uns nicht wirklich dabei helfen, gute Menschen zu werden, da sie unsere grundlegend gefallene und verdorbene Natur, die wir von unserer Familie geerbt haben, nicht ändern können. Der Messias Jeschua ist der einzige Weg, um den Teufelskreis zu durchbrechen, da er der einzige ist, der in der Lage war, ein untadeliges Leben zu leben und die Strafe zu übernehmen, die unsere Sünde und Verderbtheit verdiente. Durch seinen Tod und seine Auferstehung bietet er uns die Möglichkeit, unser Herz beschneiden zu lassen (siehe Devarim / 5. Moses 30, 6), um wiedergeboren zu werden (siehe Jochanan / Johannes 3) und uns die Fähigkeit zu geben, für Gott zu leben. So sehr wir es auch versuchen: Wir können das niemals aus eigener Kraft schaffen.

Genau dieselbe Wahrheit finden wir auch durch das Leben der Patriarchen bestätigt: Jacob erbt die Unehrlichkeit und Tücke seines Vaters und Großvaters und trickst nicht nur seinem Bruder aus, sondern auch seinem Onkel. Er wird erst durch eine Begegnung mit Gott selbst verändert (vielleicht Jeschua?) – wie wir in der Paraschat Vajischlach sehen werden – was ihn körperlich bricht, ihn aber dazu bringt, sich nicht mehr auf seine List zu verlassen, sondern auf Gottes Herrschaft.

Wir können uns unsere Eltern oder die Eigenschaften, die sie uns vererben, nicht aussuchen. Und ob wir das mögen oder nicht: Dies schließt auch ihre Verderbtheit mit ein. Dennoch müssen wir nicht im selben Teufelskreis gefangen sein, immer dieselben Fehler zu machen, wenn wir zum Messias Jeschua kommen und ihn bitten, uns zu ändern. Wir sind nicht in der Lage, uns selbst zu reparieren, doch der Messias kann uns schon neu machen, wenn wir bereit sind, ihn darum zu bitten. Wie der Vater, so der Sohn? Wie wäre es mit: Wie der himmlische Vater, so der neugeborene Sohn?