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Ich schaute erneut auf meine Uhr. Nur der zweite Zeiger hatte sich bewegt und er hatte sich seit meinem letzten Blick darauf kaum weiterbewegt. „Wie kommt es, dass die Zeit immer so langsam vergeht, wenn man will, dass es schnell gehen, und schnell, wenn sie langsam vergehen soll?“ dachte ich mir. Mein Zug schleppte sich langsam aber stetig weiter und scherte sich nicht um meine inneren Kämpfe. Bald würde ich da sein und sie wiedersehen. Aber bald war nicht bald genug.

Wie kommt es, dass die Zeit immer so langsam vergeht, wenn man will, dass es schnell gehen, und schnell, wenn sie langsam vergehen soll?

Es ist nicht ratsam, lange Zugfahrten zu unternehmen, wenn man verliebt ist. Oder vielleicht ist es auch nicht ratsam, sich in jemanden zu verlieben, der weit weg lebt. Auf jeden Fall wäre Teleporter viel effizienter und weniger stressig. Vielleicht würde es auch unsere Wahrnehmung der Zeit ändern – und die letzten 30 Sekunden einer Zugfahrt zu seiner Geliebten würden dann nicht wie eine Ewigkeit erscheinen. Was uns alle an der Sache so frustriert, ist die Tatasache, dass die Zeit auf der einen Seite empirisch messbar ist und auf der anderen Seite der Messbarkeit entgeht, sobald eine andere Variable eingeführt wird. In anderen Worten erscheint ein Tag oft wie tausend Jahre und tausend Jahre erscheinen wie ein Tag.

Das ist genau der Eindruck, den die Parascha dieser Woche bei uns hinterlässt. Simchat Tora ist gekommen und gegangen, und wir haben den ganzen Tora-Lese-Zyklus durchlaufen. Jetzt sind wir zurück am Anfang (Bereschit). Nicht nur hat sich die Geschichte für uns wiederholt: Wir decken sogar tatsächlich in einer Woche Lesungen über 1500 Jahre Geschichte ab. Gott erschafft alles, was ist; Adam und Eva ruinieren alles; ihre Nachkommen breiten sich auf der ganzen Erde aus. Nicht schlecht für ein paar Kapitel!

Es ist leicht zu fragen, warum Gott uns so wenige Einzelheiten über eine derartig lange und außerordentlich bedeutende Zeit wissen lässt. Doch während es leicht ist, sich zu beschweren, dass Gott über so viele Dinge der ersten 1500 Jahre schweigt, wäre es vielleicht besser, sich auf das, was er tatsächlich sagt, zu konzentrieren. Und ironischerweise informiert uns Gott nicht nur über das, was am Anfang geschah, er gibt uns auch einen Einblick in die Ereignisse, die Tausende von Jahren später passieren würden. Ereignisse, die letztendlich das beeinflussen würden, was am Ende der Zeit geschehen wird.

Wir alle kennen die Geschichte gut: Gott erschafft alles und es ist perfekt.

„Am Anfang…“ Wir alle kennen die Geschichte gut: Gott erschafft alles und es ist perfekt. Adam und Eva beschließen merkwürdigerweise, die ganze Perfektion auf den Müll zu werfen und entscheiden, dass das Wissen um den Unterschied zwischen Gut und Böse besser ist als das ewige Leben (Erinnert sich einer an den Baum des Lebens?!) und dass die Worte einer Schlange vertrauenswürdiger sind als die ihres Schöpfers. Die Stunden, Minuten und Sekunden nach dem Essen der Früchte müssen ihnen wie Tage erschienen sein, besonders als Gott durch den Garten ging und Adams Namen rief.

Was dann folgte, war entscheidend. Gott verflucht die Schlange und sagt zu ihr: „Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“ (Bereshit / 1. Moses 3,15) Es ist fast so, als ob die Geschichten des Tanach, die wir kennen und lieben, mit diesem einen Satz zusammengefasst werden. Satan wird uns alle hassen, die Nachkommen der Eva. Sicher: Er wird uns eine Menge Schaden zufügen und er wird uns immer wieder in die Ferse beißen. Doch eines Tages werden wir ihn besiegen; eines Tages werden wir ihm den Kopf zertreten. Eines Tages wird dieser Alptraum vorbei sein und wir können zurückkehren zum Zustand, wie er am Anfang war…

Die Zeit verging, und die Prophezeiung wurde erfüllt: Satan richtete Chaos an und es gelang ihm, nicht nur unser Volk, sondern alle Völker zu quälen. Aber dann kam die Zeit für uns, ihm den Kopf zu zertreten und es gab nur eine Person, die das tun konnte – den Messias! Ein Nachkomme der Eva.

Ja, genau: Der versprochene Befreier sollte der Nachkomme dieser Frau sein. Interessanterweise wird nichts über Adams Nachkommen gesagt, nur über Evas. Außerdem sagt uns Gott: „Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel [d.h. Gott ist mit uns]“ (Jeschahahu / Jesaja 7:14) Derjenige, der Satan ein für alle mal besiegen würde, musste der Nachkomme der Frau sein. Er würde einer von uns sein, einer wie wir, und doch zugleich stärker als wir. Einer, der Satan tatsächlich besiegen konnte. Dies ist das Geheimnis des Messias: Gott und Mensch in einem. Kein Halbgott, kein „besserer Mensch“ sondern ein „Gott-Mensch“ – gleichermaßen göttlich und menschlich.

Endlich kam die Zeit: Gott sandte seinen Sohn Jeschua, den Messias, geboren von einer Frau, um für unsere Sünden zu sterben und dann von den Toten wieder aufzustehen. Durch seinen Tod und seine Auferstehung brach er die Ketten, die uns zu Sklaven des Satan machten – die vielen falschen Dinge, die wir sagen, tun und denken, ebenso wie unsere verdorbene Natur – und zertrat ein für allemal den Kopf der Schlange. Dank des Messias hat der Satan über uns keine Macht mehr. Wie ein zahnloser Hund hat er nicht mehr die Kraft, uns wirklichen Schaden zuzufügen – wenn wir unser Vertrauen in den Messias Jeschua legen und ihm unser Leben unter seiner Führung übergeben.

Für ihn ist Satan schon besiegt.

„Wenn also Jeschua der Messias ist und mit Sünde und Satan ein für allemal aufgeräumt hat, warum ist die Welt dann noch so verkommen?“ höre ich dich fragen. Gehen wir noch einmal zurück zum Anfang des Artikels (wenn du das Wortspiel verzeihst) und betrachten die sich verändernde Natur der Zeit. Gott befasst sich mit dem gesamten Tanach und dem Brit Chadascha in einem Satz: „Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“ Aus der Perspektive des Allmächtigen war all das schon Tausende von Jahren, bevor wir es sehen würden, erfüllt. In dieser Welt sind wir die Sklaven der Zeit, doch Gott, der außerhalb der Zeit steht und das Ende schon Anfang an kennt, kann die ganze Geschichte in einem Satz zusammenfassen. Für ihn ist Satan schon besiegt. Das Leben ist immer noch so, wie es für uns ist, denn aus unserer Sicht wartet Gott geduldig darauf, dass sein Volk und alle Menschen, seinen Fluchtweg erkennen: Jeschua! Doch am Ende wird Jeschua wiederkommen – und dann wird es für uns zu spät sein, um unser Vertrauen in ihn zu setzen. Gott, der außerhalb der Zeit steht, wird wieder in die Zeit eintreten, um alles zu Ende zu bringen, oder besser gesagt, zurück zum Anfang zu bringen. Zurück zum ursprünglichen Zustand im Garten: ein enges Verhältnis zu ihm, kein Leiden mehr und mit dem Baum des Lebens: „Und [der Engel] zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes; mitten auf dem Platz und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker. Und es wird nichts Verfluchtes mehr sein. Und der Thron Gottes und des Lammes wird in der Stadt sein, und seine Knechte werden ihm dienen und sein Angesicht sehen, und sein Name wird an ihren Stirnen sein. Und es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen keiner Leuchte und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (Offenbarung 22,1-5)

Ich bin so dankbar, dass ich keine langen Zugfahrten mehr unternehmen muss, um die Frau zu sehen, die ich liebe. Ich bin so dankbar, dass sie jetzt meine Frau ist und dass diese Sekunden der Angst im Zug endlich vorbei sind. Aber ich freue mich auch darauf, wenn die echte Angst des Lebens vorbei ist, wenn der Messias zurückkehrt. Aus meiner Sicht scheint es, als wäre er schon eine Ewigkeit fort. Ich bin sicher, dass es sich aus seiner Sicht nur wie ein kurzer Augenblick anfühlt. Ich kann gut nachvollziehen, was der Rambam, Rabbi Mosche Ben Maimon sagt: „Ich glaube mit vollkommenem Glauben an das Kommen des Messias und obwohl es dauert, werde ich täglich auf sein Kommen warten.“ Denn ich weiß, dass er, wenn er zurückkommt, für mich kommt. Wie ist das mit dir? Schiebe das nicht einen Moment länger auf – und setze deinen Glauben in den Messias, bevor es wirklich zu spät ist. Immerhin: „Ich habe dich erhört zur Zeit der Gnade und habe dir am Tage des Heils geholfen…“ (Jeschajahu / Jesaja 49, 8) Mache heute zum Tag deiner Rettung!