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Im Herbst feiern wir die hohen Feiertagen. Rosch HaSchanah, das jüdische Neujahrsfest, beginnt mit dem Sonnenuntergang am 1. Tischri. Jom Kippur, der Versöhnungstag, beginnt mit dem Sonnenuntergang zehn Tage später. Fünf Tage später beginnt Sukkot, das Laubhüttenfest, am Abend des 6. Oktober; es dauert dann noch sieben weitere Tage. Wie alle Feste, die Gott Israel geboten hat, weist uns ein jedes dieser Herbstfeste wie ein Leuchtturm auf den Glauben an den Messias hin. Kein Wunder, dass Jeschua sagte: “Wenn ihr Mose glaubtet, so würdet ihr mir glauben, denn er hat von mir geschrieben” (Johannes 5,46).

Der erste Tischri wird gewöhnlich Rosch HaSchanah genannt; seit Jahrhunderten feiern wir Juden diesen Tag als den Beginn unseres neuen Jahres. Aber um ehrlich zu sein: Rosch HaSchanah ist eigentlich nicht der Neujahrstag – zumindest nicht laut der hebräischen Bibel. Laut dem Tenach (dem Alten Testament) beginnt das neue Jahr im Frühling, und zwar im Monat Nissan (2. Mose 12,2). Und das erste Fest im Nissan ist Passah. Aber die eigentliche Bedeutung von Rosch HaSchanah finden wir im biblischen Namen des Festes: Jom Terua, der Tag des Festes der Trompeten.

In alten Zeiten wurde das Schofar, die Trompete, geblasen, um Gefahr anzukünden oder die allgemeine Aufmerksamkeit auf ein zentrales und wichtiges bevorstehendes Ereignis zu lenken – wie etwa die Ankunft eines Monarchen oder die Verkündigung von für die Gemeinschaft wichtigen Nachrichten. Die Botschaft der Trompete war: “Kommt zur Versammlung zusammen. Bereitet euch auf das vor, was bevorsteht.” Als Gläubige an Jeschua, den König der Könige, fällt es uns schwer, an Rosch Ha- Schanah zu denken, ohne uns gleichzeitig an Johannes den Täufer zu erinnern, der sich selbst mit dem Zitat aus Jesaja beschrieb: “Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Macht gerade den Weg des Herrn” (Johannes 1,23). Und genau, wie Johannes uns zur Buße rief, ruft uns das Schofar an Rosch HaSchanah dazu auf, unseren Standpunkt vor Gott zu überprüfen und unsere Herzen als Weg des Herrn “gerade zu machen”.

Dann folgt Jom Kippur, der Versöhnungstag – das feierlichste Datum im jüdischen Jahr. Heute zeichnet sich der Tag durch Beten und Fasten aus, weil unser Volk Gott um die Vergebung ihrer Sünden anruft. In alten Zeiten, als der Tempel noch in Jerusalem stand, war dies der einzige Tag im ganzen Jahr, an dem der Hohepriester das Allerheiligste betrat und ein Opfer für das gesamte Volk darbrachte. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten damals war, wenn der Hohepriester lebendig wieder unter die Menschen trat, denn seine Rückkehr in den Vorhof des Tempels war ein Zeichen für das Volk, dass das vom Priester für das Volk dargebrachte Opfer für Gott genügend und annehmbar war. Was für ein Bild auf Jesus, unseren Hohepriester, der sein Leben und sein Blut als das vollkommene und ein für alle mal gültige Opfer für die Sünden der ganzen Welt dargebracht hat. Und genau, wie die Wiederkehr des Hohenpriesters im alten Israel zeigte, dass Gott das für uns dargebrachte Opfer angenommen hatte, so ist Jeschuas Wiederkehr aus dem Grab unsere Garantie dafür, dass die Sühnung vollzogen ist!

Fünf Tage nach Jom Kippur erreichen wir Sukkot, das Laubhüttenfest. Sieben Tage lang leben wir in leichten Laubhütten und rufen uns in Erinnerung, wozu die Schrift uns ermahnt: Nämlich, dass der Herr uns in Laubhütten wohnen ließ, als er uns aus dem Land Ägypten herausführte (3. Mose 23,43). Die Hütten erinnern uns an die unverbrüchliche Treue Gottes, der uns bei der vierzigjährigen Wüstenwanderung mit allem versorgte, was wir brauchten. Das alte Israel war im Großen und Ganzen eine landwirtschaftliche Gesellschaft, und Sukkot war das letzte Erntefest – die letzte Ernteeinfuhr im Jahr. Aber wir verstanden immer, dass Sukkot nicht nur eine Ernte auf dem Feld signalisierte. Sukkot wies uns im Glauben auf ein letztes “Einbringen” von Menschenleben hin. Sukkot wies hin auf das Versprechen, dass eines Tages Gott selbst sein Erlösungswerk auf der Erde vollenden und mitten unter einem erlösten Volk wohnen würde, das sowohl aus Juden als auch ans Nichtjuden bestand. Deshalb verhieß Gott durch den Propheten Sacharja: “Und es wird geschehen: Alle Übriggebliebenen von allen Nationen, die gegen Jerusalem gekommen sind, die werden Jahr für Jahr hinaufziehen, um den König, den Herrn der Heerscharen, anzubeten und das Laubhüttenfest zu feiern” (Sacharja 14,16). Bitte beten Sie mit uns Juden für Jesus, dass bei den hohen Feiertagen dieses Jahr viele in unserem Volk dem Ruf des Schofar Beachtung schenken, Buße tun, in Jeschua Rettung finden und sich in dem Wissen freuen werden, dass der König zurückkehren wird, um mitten unter seinem Volk zu wohnen!