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Ich habe meine Jugend in einer Art und Weise verbracht, die bei meinen Gleichaltrigen keinen Neid hervorgerufen hat. Fünf Tage in der Woche studierte ich die hebräischen Schriften an einer hebräischen Schule. Was für ein Ort, um meine Jugend zu verbringen, mit Herrn Katz und Herrn Bugatch! Sie haben offenbar gedacht, dass es noch nicht genügend Bestrafung war, Hebräisch zu lernen und dass sie ihre eigene und ganz besondere sadistische Freude unserem offenbar ewig andauernden Leid hinzufügen mussten. Am Freitagabend und am Samstag war ich zum Lobpreis in der Synagoge. Als ich älter wurde, betete ich jeden Tag am Abend und am Morgen Gott in der Synagoge an. Jeden Tag bin ich vor dem Sonnenaufgang aufgestanden und bevor ich in den morgendlichen Gottesdienst ging, habe ich aus Gehorsam der rabbinischen Überlieferung gegenüber die Tefillin, die Kapseln, die Gottes Wort enthielten, an meinem Vorderkopf und am Arm angelegt.

In einer kalten, klaren Nacht mitten im Winter wurde mein Leben dann erschüttert. Mein Vater hatte eine tödliche Herzattacke und um Trost und Hoffnung zu erhalten, lief ich zu dem einen Ort, von dem ich dachte, dass ich das dort finden würde: die Synagoge. Die Türen waren verschlossen und während ich gegen sie hämmerte, sah ich hinauf in den kalten, kristallklaren und mit Sternen bedeckten New Yorker Nachthimmel und ich verfluchte Gott. „Ich bin fertig mit Dir!“, sagte ich. In dieser Nacht, als ich mich vom Gott Israels, Abrahams, Isaaks und Jakobs abwandte, war mir nicht im Entferntesten bewusst, dass Er keineswegs mit mir fertig war. Die nächsten zwölf Jahre meines Lebens verbrachte ich nicht in der Synagoge. In meiner Rebellion gegen Gott ging ich sogar so weit, dass ich mich vom Bundes-Namen distanzierte, der mir bei meiner Beschneidung gegeben wurde: Elkanah. Ich habe ihn ein wenig verändert – aus Gründen, die mir gut erschienen. Ich war nicht mehr Elkanah. Ich war Kanah.

In der Bibel gibt es keinen Zufall, wenn es um Namen geht. Abram bedeutet „erhabener Vater“. Abraham, der Name, den er von Gott erhält, bedeutet „Vater einer Vielzahl von Menschen“. Als Abraham 99 Jahre alt war und seine Frau Sarah 89, wurde ihnen ein Sohn versprochen. Zur Antwort lachten sie über Gott. Ein Jahr später gebar Sarah einen Sohn. Sie nannten ihn Isaak, was „Gelächter“ bedeutet.

Hier ein weiteres Beispiel für die Bedeutung von Namen in der Bibel. Als Jakob und Esau geboren wurden, zog Jakob am Fuß seines Bruders. Für diese Tat bekam er seinen Namen Jakob. Der Name Jakob bedeutet „der Greifer“ und das ganze Leben hindurch griff er nach etwas. Jakob griff nach dem Segen. Jakob griff nach dem Geburtsrecht. Jakob wurde seinem Namen gerecht, als er Gott traf und mit Ihm rang. Er sagte zu Gott: „Ich will Deinen Segen.“ Gott antwortete: „Wie ist dein Name? Du willst einen Segen, Greifer? Okay. Hier ist dein Segen. Dein Name ist nicht mehr Greifer. Du hast mit Gott und mit Menschen gerungen und nach ihnen gegriffen. Du hast gesiegt. Dein Name ist nicht mehr Jakob, der Greifer. Du bist Israel, denn du hast mit Gott gerungen und gesiegt.“

Der hebräische Name Elkanah bedeutet „von Gott besessen“. Ich änderte meinen Namen in Kanah. Wenn man diesen Namen in der englischen Version der Bibel umschreibt, ergibt das Kain. Er bedeutet „besessen“. Die nächsten zwölf Jahre war ich von der Welt besessen und von dem, was sie anbot. Ich war besessen davon, im Leben vorwärts zu kommen. Ich war von Rich Ganz besessen. Ich führte ein Leben, das lobenswert erschien. Ich machte weiter mit dem, was ich tun wollte. Ich besuchte die Universität und die Hochschule für Aufbaustudien. Ich war der unaufhörlich herausragende Student. Ich schloss unter den ersten meiner Klasse ab und bekam den Mastertitel, promovierte und schloss mein Praktikum ab – und das alles in nur drei Jahren, anstatt der sonst üblichen sieben Jahre.

Du kommst nicht aus Athen heraus

Eines Tages bei einem Mitarbeiter-Treffen während meines nach dem Doktorat folgenden einjährigen Aufbaustudiums traf mich die Erkenntnis, dass die Psychoanalyse, das Gebiet also, von dem ich annahm, dass es die Antwort auf die Frage nach dem Leben lieferte, tatsächlich völliger Unsinn war. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nach irgendeiner Art von Therapie gesucht – individuelle Therapie, Gruppen-Therapie, Hypnose-Therapie oder irgendeine andere Therapieform, durch die ich die Bedeutung oder den Sinn unseres Lebens entdecken konnte, was also unser Sinn und Zweck ist und warum wir hier sind. Stattdessen fand ich heraus, dass all das Unsinn war. Anstatt jedoch woanders nach der Antwort auf die Frage nach dem Leben zu suchen, sagte ich mir in zynischer Art und Weise selbst, dass – obwohl die Psychoanalyse bedeutungslos war – ich durch die Ausübung derselben sehr reich werden würde. Wenn das Leben ohne Sinn war, so dachte ich, könnte ich wenigstens Spaß dabei haben, wohlhabend in einem sinnentleerten Leben zu sein. Alles, was ich tun musste, war, in einem Stuhl zu sitzen, meinen Patienten zuzuhören, alle paar Minuten mit dem Kopf zu nicken und 75 $ die Stunde zu berechnen (der übliche Satz in den frühen 70-ern).

Nach diesem einjährigen dem Doktorat folgenden Aufbaustudium wurde ich ausgewählt für eine Stelle, bei der ich Psychotherapie lehren, praktisch anleiten und praktizieren sollte, und zwar beim medizinischen Zentrum einer größeren Universität in den USA. Um meine Auswahl aus den 212 Bewerbern für diese Stelle zu feiern, planten Nancy und ich einen Ausflug. Zwei Jahre zuvor hatten wir uns in Venedig in Italien kennen gelernt. Nancy war auf dem Weg nach Griechenland gewesen. Nun wollte ich Nancy dorthin bringen, wohin sie zwei Jahre zuvor gehen wollte. Wir hatten Flugscheine nach Athen gekauft, aber in der Nacht, bevor wir sie abholen sollten, wachte Nancy plötzlich von einem Albtraum auf und saß kerzengerade im Bett. Sie wiederholte immer wieder: „Wir kommen nicht aus Athen heraus! Wir kommen nicht aus Athen heraus!“ Als wir am nächsten Tag unsere Studenten-Flugscheine abholen wollten, ging der Verkäufer in ein anderes Büro und kam enttäuscht zurück. Er sagte uns, dass wir mit den Flugscheinen zwar nach Athen kommen würden, jedoch ergänzte er: „Ich bekomme euch aber nicht aus Athen heraus.“ Es stellte sich heraus, dass alle Studenten-Flugscheine für Rückflüge ausgebucht waren für jeden Zeitpunkt, der auch nur in der Nähe des Termins lag, an dem ich zurück sein musste, um meine Karriere am medizinischen Zentrum zu beginnen. Ich hatte Schulden und kein Geld. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben noch nicht einmal an reguläre Flugscheine denken.

Nancy hörte der Antwort des Verkäufers zu und war zutiefst erschrocken. Sie dachte, sie wäre in einer Grauzone. Sie glaubt, etwas Übernatürliches wäre mit ihr geschehen bezüglich ihres Traums und der Antwort des Verkäufers. Die einzige Deutung, die sie dafür hatte, war etwas Böses. Während der Intensität dieser Begegnung änderten wir unsere Pläne und fanden uns selbst in unerklärbarer Art und Weise und untrennbar in eine Richtung gezogen, die völlig entgegengesetzt zu unseren ursprünglichen Absichten war.

Nancy und ich landeten in einer kleinen holländischen Stadt und suchten nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Alles war jedoch ausgebucht. Niemand, mit dem wir sprachen, wusste von irgendwelchen freien Plätzen in der Stadt. Wir waren am Ufer des Rheins. Die Nacht brach herein, es wurde kalt und Nancy hatte Angst. Sie tat dann etwas, was sie seit ihrer Kindheit nicht mehr getan hatte. Sie betete. Es war ein sehr einfaches Gebet. „Gott, wenn du da bist, bitte finde für uns eine Übernachtungsmöglichkeit.“ In diesem Moment trat aus der Dunkelheit einer Gasse ein mittelgroßer, sehr bleicher Mann mit blonden Haaren und blauen Augen heraus. „Frag ihn“, sagte Nancy.

Sag ihnen, Bucks hätte dich geschickt

Ich war total frustriert von den Menschen in dieser Stadt. Ich war es leid, Menschen zu fragen, wo wir schlafen könnten. Fast verärgert fragte ich: „Wissen Sie, wo wir übernachten können?“ Er sagte: „Natürlich. Geht einfach drei Blöcke weiter, dann nach rechts, dann wieder drei Blöcke geradeaus und ihr werdet sehen, wo ihr schlafen sollt.“ Wir gingen los und dann stellte ich fest, dass wir gar nicht wussten, wie dieser Mann hieß. Ich rannte die Straße zurück, erreichte ihn und fragte: „Wer, soll ich sagen, hat uns geschickt?“ „Sag ihnen einfach, Bucks hätte dich geschickt“, sagte er. Das Ganze schien bizarr, aber wir folgten seinen Anweisungen bis wir zu einem Haus kamen, von dem ich wusste, dass wir dort übernachten sollten. In diesem Moment kam ein junges Paar auf uns zu und wandten sich diesem Haus zu, um dort hinein zu gehen. Ich fragte sie, ob wir dort über Nacht bleiben könnten. Sie sagte: „Natürlich. Kommt herein.“ Das Interessanteste daran, von ihnen eingeladen zu werden, war, dass sie gar nicht dort lebten! Wir haben sie während unseres ganzen Aufenthaltes in diesem Haus nicht mehr wieder gesehen. Ungefähr zehn Studenten der letzten Gold und Silber herstellenden Schule in Europa lebten in diesem Haus. Wir blieben zehn Tage dort.

Während dieser zehn Tage sahen wir jeden, der uns gesagt hatte, es gäbe keinen Platz zum Übernachten. Sie waren alle mit den jungen Menschen befreundet, die in diesem Haus lebten. Es gab nur eine Person, die wir niemals wieder sahen. Zehn Tage lang suchte jeder nach Bucks. Niemand im Haus und niemand in der Stadt hatte je von ihm gehört oder erkannte ihn von der Beschreibung her, die wir von ihm gaben. Eines Nachts gab es eine Schul-Party und niemand in der Schule hatte je diesen jungen Mann gesehen oder getroffen. Über ein Jahr später bekam ich immer noch Briefe von Studenten, die versuchten, ihn zu finden.

Eines Tages beschlossen Nancy und ich zu gehen. Wir beschlossen auch, niemanden von unserer Abreise zu erzählen. Als wir die Tür öffneten, um zu gehen, stand da ein junges Paar. Es war dasselbe Paar, das uns zehn Tage zuvor eingeladen hatte. Sie gaben mir einen Zettel, auf dem eine Adresse geschrieben war und sagten uns, dass dort „einige wirklich wunderbare Menschen“ wären.

Wir kannten den Namen des Ortes nicht, zu dem wir gingen. Wir trampten immer wieder. Schließlich gingen wir am Ende eines langen Tages durch ein Feld. Ich rief: „Wohin führst du mich?“ Nancy sah mich an und sagte: „Ich führe dich nirgendwo hin. Ich wollte noch nicht einmal an diesen Ort kommen.“ Ich sagte zu ihr: „Ich spreche nicht mit dir.“ Sie sah mich nervös an. „Mit wem sprichst du?“ Alles, was ich sagen konnte, war: “Ich weiß es nicht“.

Wir kamen bei dem Haus, dessen Adresse man uns gegeben hatte, an einem Samstagnachmittag etwa um fünf Uhr an. Ich hatte eine sorgfältige Erklärung vorbereitet, warum wir plötzlich an ihrer Tür aufkreuzten. Bevor ich jedoch irgendetwas sagen konnte, öffnete sich die Tür und wir wurden begrüßt: „Willkommen. Ihr seid angekommen.“

Quanten-Mechanik und ihre Beziehung zu Gott

Wir gingen ins Haus und wurden in ein Zimmer geführt, in dem gerade ein Vortrag begann. Der Referent war ein Professor der theoretischen Physik vom M.I.T. Der Übersetzer war ein international geschätzter Gelehrter der freien Universität von Amsterdam. Der Titel des Vortrags war Quanten-Mechanik und ihre Beziehung zu Gott. Ich hatte keine Ahnung, wovon sie redeten. Offensichtlich verstand ich Holländisch besser als Englisch! Was ich von diesem Vortrag lernte: Wenigstens einige Christen waren sicher nicht so dumm, wie ich gedacht hatte.

Nach dem Vortrag kam ein junger Mann auf uns zu und fragte uns: „Wie seid ihr zum L’Abri gekommen?“ Ich war etwas verwirrt und so fragte ich ihn: „Was ist ein L’Abri?“ Er fragte mich dann, wie Nancy und ich dorthin gelangt sind. Ich erzählte ihm einige Einzelheiten unserer Geschichte. Seine Augen wurden groß und alles, was er sagen konnte, war: „Gepriesen sei der Herr“. Ich fand, das sei eine ziemlich unverständliche Antwort.

Nancy und ich blieben Tag für Tag. Das Essen war immer gut. Für den Aufenthalt wurde kein Entgelt verlangt. Am interessantesten jedoch waren die Diskussionen. Die nächsten paar Tage waren unglaublich interessant. Sie waren voller philosophischer und religiöser Diskussionen. Als ein Mann, dem Gott nichts bedeutete, sah ich mich selbst als nichts Besseres als eine zufällige Ansammlung von Molekülen in einer absurden und bedeutungslosen Welt. Ich hörte diesen Menschen zu und sprach mit ihnen, stellte ihre Glaubensüberzeugungen in Frage und machte mich lustig über sie. Dann fragte mich eines Tages Hans Van Seventer, ob er mir etwas aus der Bibel vorlesen könne. Ich stimmte zu und er las mir dies vor:

Seht, mein Knecht hat Erfolg, er wird groß sein und hoch erhaben.

Viele haben sich über ihn entsetzt, so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen.

Jetzt aber setzt er viele Völker in Staunen, Könige müssen vor ihm verstummen. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun; was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt.

Wer hat unserer Kunde geglaubt? Der Arm des Herrn – wem wurde er offenbar?

Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm.

Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht.

[Jesaja 52,13-53,3. Einheitsübersetzung]

Ich hatte den Ausdruck „ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut“ zuvor gehört, war aber nicht sicher wo. In diesem Moment verstand ich plötzlich, was geschah. Hans las mir von Jesus vor. Ich dachte: „Weiß er, was er da tut – dieses Jesus-Zeug einem Juden vorlesen?“ Ich gebot mir selbst, geduldig zu sein.

Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt.

Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen,

[Jesaja 53,4-5a. Einheitsübersetzung]

Bilder von Renaissance-Gemälden kamen in meinem Kopf hoch. Ich war kein gewöhnlicher Jude. Ich hatte einen Doktor-Titel. Ich war gebildet. Ich hatte Gemälde mit Kreuzen gesehen. Ich wusste, dass ihr Mann durchbohrt worden war. Hans versuchte, mir Geschichten über Jesus vorzulesen und ich fühlte, wie der Ärger in mir stärker wurde.

wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.

Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen.

[Jesaja 53,5b-6. Einheitsübersetzung]

Jesus hat also gerade deine Sünden weggenommen! Ich konnte es nicht ertragen. Was für ein zutiefst verantwortungsloser Weg aus der Schuld heraus. Es war nur ein billiger Weg heraus aus langer Psychoanalyse. Was Hans mir sagte, war „der katholische Weg“. Seitdem ich sieben Jahre alt war und eine katholische Kirche betreten hatte, war er unauslöschlich in meinen Kopf eingeprägt. Jesus war katholisch: Skandinavier, sehr zart, groß, dünn, leicht magersüchtig, mit langen, seidenen, blonden Haaren und durchdringenden blauen Augen. Ich war bis zum Vorraum dieser katholischen Kirche gelangt, als ich auf eine dieser Statuen blickte und dachte, dass sich die Erde auftun und mich verschlingen würde. Ich dachte, ich wäre nun für immer verdammt, nur weil ich diese Statue angeblickt hatte. Ich war acht Blocks nach Hause gelaufen, nur um dem zu entkommen, was ich für eine unverzeihliche Sünde hielt. Aber diese „Katholiken“ hatten es echt drauf. Keine lange Therapie. Jesus zahlt und sie sind frei. Was für ein Deal!

Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf.

Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen…

Bei den Ruchlosen gab man ihm sein Grab, bei den Verbrechern seine Ruhestätte,

[Jesaja 53,7-9a.Einheitsübersetzung]

Als Hans mir das vorlas, erinnerte ich mich an Bilder von Jesus am Kreuz und den beiden Verbrechern, einer an jeder Seite von Ihm. Drei Kreuze. Ich kannte das Zeug. Niemand würde mich auf den Arm nehmen.

…obwohl er kein Unrecht getan hat und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.

Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen (Knecht), er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben. Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen.

[Jesaja 53,9b-10. Einheitsübersetzung]

Diese Leute hören nie auf. Jetzt kommen sie mit diesem Mythos von der Wiederauferstehung. Warum konnten sie nicht einfach die Tatsache akzeptieren, dass ein Mensch, wenn er einmal tot ist, auch wirklich tot ist? Werdet erwachsen! Vergesst eure kindlichen Neurosen und werdet euch klar, dass man tatsächlich tot ist, wenn man mal tot ist. Fertig.

Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.

Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen und mit den Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Verbrecher rechnen ließ. Denn er trug die Sünden von vielen und trat für die Schuldigen ein.

[Jesaja 53,11-12. Einheitsübersetzung]

Hans war fertig mit dem Lesen. Er sah mich an und sagte: „Was denkst du?“

Zu diesem Zeitpunkt war ich natürlich drauf und dran, sie an meinen Einsichten teilhaben zulassen. Hans zitierte mir gegenüber offensichtlich von ihrer nichtjüdischen Bibel. Ich antwortete ohne einen Moment zu zögern: „Jeder, der da bei dem Kreuz war, hätte das Zeug schreiben können! Was beweist das schon?“

Hans gab mir die Bibel und in einer tausendstel Sekunde, in der ich sie bekam, war mein Leben in Scherben. Der Name, den ich oben auf der Seite sah, war Jesaja! Hans hatte mir aus meiner Bibel vorgelesen, aus meinen hebräischen Schriften und ich fühlte mich, als hätte jemand ein Schwert genommen und mich in Stücke geschnitten. Hans sagte dann zu mir, während ich wie gelähmt auf den Namen Jesaja blickte: „Es wurde 700 Jahre vor Jesu Geburt geschrieben.“ Ich fühlte mich, als hätte man mich erdolcht. Ich fühlte, wie ich jammerte. Warum konnte es nicht Krishna sein? Warum konnte es nicht Buddha sein? Warum muss es Er sein? Ich wusste in diesem Augenblick, wenn Jesus über Sich selbst in meiner Bibel Geschichte schrieb, wenn der Gott der Heiden der jüdische Gott war und er war wahrhaftig Gott, dann müsste ich mich Ihm für den Rest meines Lebens völlig hingeben. Mit dieser Überzeugung verließ ich L’Abri. Ich hatte keine Zweifel bezüglich Jesus. Ich war zutiefst erschrocken darüber, was das für mich bedeuten könnte.

Eine Vogelperspektive der Bibel

Während unseres Aufenthalts im L’Abri gab jemand Nancy ein Tonband von Edith Schaeffer mit dem Titel „Eine Vogelperspektive der Bibel“. Dieses Tonband war ein Überblick der Thematik der Bibel – das Lamm Gottes – von Genesis bis zur Offenbarung. Von Nancys frühesten Tagen an bis zu ihrer Firmung war sie vertraut mit dem Satz „Siehe das Lamm Gottes“. Sie hatte sich immer gefragt, warum man Jesus diesen Namen gegeben hat. Genauso wie ich aus Jesaja erfahren hatte, dass der Messias ein Opfer für die Sünde sein sollte, entdeckte Nancy dieselbe Wahrheit von diesem Titel, den man Jesus gegeben hatte. Nachdem sie das Tonband angehört hatte, ging sie hinaus zu den Apfelbäumen des L’Abri und gab ihr Leben Jesus hin.

Ein lebenswichtiger Nachtrag

Ich kehrte in die Vereinigten Staaten zurück – brennend vor Leidenshaft für Jeschua, selbst während ich noch etwas zurück hielt. Nancy und ich fanden einen kleinen Hauskreis, der sich in der Nähe von uns traf. Der Gedanke, in ein Kirchengebäude zu gehen, macht mich körperlich krank. Die Vorstellung, sich in einem Haus zu treffen, schien jedoch in Ordnung. Es machte nicht diesen nichtjüdischen christlichen Eindruck, wie dies Kathedralen oder Statuen tun.

Der leitende Lehrer dieser Gruppe besuchte Nancy und mich eines Nachts und sprach mit mir über das, was mir genau in dem Moment klar wurde, als Jesajas Name aus der Seite dessen hervorstach, was ich für die nichtjüdische Bibel gehalten hatte. Ich glaubte alles, was im Tanach über Jesus geschrieben war. Alles, was mir nun noch zu tun blieb, war, dass ich es nicht zulassen durfte, dass meine Ängste mich davon abhielten, Ihm mein ganzes Leben zu geben. Ich rang mit den Folgen einer solchen Handlung, einen Monat lang nachdem ich von Jesaja gehört hatte.

Später in dieser Nacht am 16. Oktober 1972 waren Herr und Frau T.E. Koshy anwesend und ebenso Nancy. Ich lag mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden unseres Wohnzimmers. Ein unglaubliches Musikstück spielte im Hintergrund als ich die Verpflichtung einging, nichts in meinem Leben zurückzuhalten, wenn es um Jeshua ging.

P.S.: Unser Radio war an. Die Musik im Hintergrund spielte während der ganzen Zeit, als ich rang und fiel und wieder aufstand. Sie verfolgte mich so, dass ich am nächsten Tag die Radiostation anrief um herauszufinden, was sie da die ganze Zeit gespielt hatten. Der Mitarbeiter der Radiostation, der das Musikstück gespielt hatte, sagte, es wäre Gustav Mahlers achte Symphonie gewesen. Ich fragte ihn: „Was ist die achte Symphonie?“ Er sagte: „Das ist Mahlers Symphonie der Tausend.“ Ich fragte ihn: „Tausend was?“. Er antwortete: „Tausend Engel“. Er fuhr fort, dass Mahler, ein jüdischer Komponist, auf die Schriften des Neuen Testaments Bezug nahm, die von tausend Engeln im Himmel sprachen, die jubeln, wenn ein Sünder zum Glauben an Jesus findet. Er sagte, dass er sich aus irgendeinem Grund dazu entschieden hatte, diesen Teil von Mahlers Symphonie drei Mal hintereinander in dieser Nacht zu spielen. Das war genau die Zeit, in der ich mit dem Gesicht nach unten lag, bis ich wieder als neuer Mensch aufstand.

Das, meine Freunde, ist das Ende des Alten und der Anfang des Neuen.