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Verfasst von Cyril Gordon

Von Kung Fu über die Kabbala … zum Messias

Es war wie einst in den Tagen des Pharao: Die Familie meiner Mutter sah sich 1952 gezwungen, aus Ägypten zu fliehen. Damals waren die Juden dort gehasst und gefürchtet, während die Eigenstaatlichkeit Israels mehr und mehr zu einer gefestigten Tatsache wurde.

Es war wie einst in den Tagen des Pharao: Die Familie meiner Mutter sah sich 1952 gezwungen, aus Ägypten zu fliehen. Damals waren die Juden dort gehasst und gefürchtet, während die Eigenstaatlichkeit Israels mehr und mehr zu einer gefestigten Tatsache wurde. Das „verheißene Land“ hieß für unsere Familie Paris, Frankreich. Meine Mutter (eine bildhübsche, exotisch aussehende Frau mit grünen Augen, olivfarbiger Haut und langem schwarzen Haar) lernte dort meinen Vater kennen und heiratete ihn. Er war französischer Jude litauischer Herkunft. 1966 wurde ich geboren.

Meine Mutter gehörte zu einer einzigartigen Sekte: den karaitischen Juden. Einzigartig sind sie insofern, als sie den Talmud (eine Sammlung alter rabbinischer Kommentare) nicht als von Gott verliehenes Gut verehren. Die Karaiten akzeptieren einzig und allein die religiöse Autorität des Tenach (Altes Testament); deswegen werden sie von der größeren jüdischen Gemeinschaft oft ausgeschlossen und geächtet. Ironischerweise war meine Mutter zwar einerseits stolz darauf, dass ihre Religion nicht vom Talmud „befleckt“ war; andererseits sah sie aber auch die Bibel nicht etwa als Offenbarung Gottes an. Für sie war ihre karaitische Identität in erster Linie ein rühmliches kulturelles Kennzeichen.

Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich zwei Jahre alt war. Mein Bruder und ich blieben in der Obhut unserer Mutter. Mamas Bruder wohnte in San Francisco; das schien ihr ein guter Ort zu sein, um ein neues Leben zu beginnen.

Es kostete sie einigen Mut, in ein neues Land zu ziehen und dabei auch noch ein Kleinkind und einen zehn Monate alten Säugling versorgen zu müssen. Obwohl Englisch ihre dritte Sprache war, schaffte Mama es, eine Arbeitsstelle im Einzelhandel zu finden. Sie sparte und knauserte, um meinen Bruder und mich in Tagespflege geben zu können, bis schließlich meine Großmutter aus Paris kam, um mitzuhelfen.

Großmutter übernahm so ziemlich die Führung der Familie. Wir wohnten in ihrem Haus, und dort war sie die Königin. Als Perfektionistin mit goldenem Herzen gab und schenkte sie in einem fort an andere – ließ aber keinen Zweifel daran, wer die Zügel in der Hand hatte.

Nicht lange, da zogen noch weitere Verwandte nach San Francisco, von der Aussicht auf ein besseres Leben in die USA gelockt. Als Minderheit innerhalb einer Minderheit halten die Karaiten zusammen. Großmutter war in ihrem Haus die Gastgeberin für so manch herrliches Passahmahl und andere Festlichkeiten. Zum Heranwachsen war diese Gegend namens Marina amüsant und sicher noch dazu.

Dass ich Jude war, war mir rätselhaft. Ich kapierte nicht, was uns denn so anders machte – und ich mochte es nicht besonders, mich ausgesondert zu fühlen. Doch wann immer ich versuchte, mich meinen nichtjüdischen Freunden etwas mehr anzupassen, fühlte ich mich wie ein Betrüger.

Gott ist real, soviel wusste ich. Bloß fragte ich mich, warum ich seine Gegenwart denn so gar nicht spürte, nicht einmal in unserer Synagoge. Mutter schickte meinen Bruder und mich in eine Reform-Synagoge, wo wir uns auf die Bar Mitzwa vorbereiteten. Für viele Jungen (mich eingeschlossen) bedeutet dieses große Ereignis nicht nur das Ende der Kindheit, sondern auch das Ende der Hebräisch-Schule sowie das Ende von jeglichem regelmäßigen Besuch in der Synagoge. Zwar hatte ich noch eine gewisse Ehrfurcht vor der Heiligen Schrift; aber mit dreizehn war ich vor allem von dem eingenommen, was auch die meisten anderen Jungs meines Alters faszinierte: Mädchen.

Das Gefühl, Gott sei weit weg und unkennbar, beherrschte mein Leben während meiner gesamten weiterführenden Schulzeit. Ich beschloss, ich könne ebenso gut tun, was immer ich wollte. Damit begann ein ungezügeltes Leben voller Sex, Drogen und Partys.

Nach dem Schulabschluss ging ich auf die University of California in Santa Barbara, wo ich Malerei, Kunst und Film studierte. Ich setzte meinen hedonistischen Lebensstil fort – aber erfüllend war der nicht gerade … und außerdem hatte ich angefangen, nach dem Sinn des Lebens zu fragen.

Östliche Philosophien und Religionen waren exotisch und versprachen inneren Frieden. Also praktizierte ich Kung Fu, Meditation und japanische Tintenmalerei. Ich erkundete Zen-Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus; aber nichts davon stillte meinen Hunger nach Sinn und Wahrheit. Ich sagte mir, was ich wirklich bräuchte, sei eine „Seelengefährtin“. Ich sprang von einer Beziehung zur nächsten, und ein ums andere Mal brach mein Herz.

Inzwischen wirkte Timothy Learys Vision, Gott durch „bewusstseinserweiternde Drogen“ zu finden, anziehend auf mich. Mit den Büchern von Carlos Castaneda erkundete ich sogar den Schamanismus. Ein Anzapfen der Geisterwelt klang aufregend – aber vom Peyote-Nehmen wurde mir nur übel.

In meinem Abschlussjahr an der Uni machte ich mich an die Erkundung der jüdischen Mystik. Es war erfrischend, von jüdischen Menschen wie Nachman von Bratslav zu erfahren, die sich nach Gotteserkenntnis sehnten. Angetan durch diese neue Welt solcher Juden, die Seelen- und Gewissensprüfung betrieben, bewarb ich mich um die Teilnahme an Nesiya und wurde angenommen. Dieses Kunstprogramm in Israel ermutigt junge Leute dazu, das Judentum kennenzulernen und gleichzeitig ihre Beziehung zum jüdischen Volk und zum Land Israel zu vertiefen.

Ich fand heraus, dass die Jerusalemer Jeschiwas (jüdische Schulen der höheren Bildung) für suchende Juden wie mich kostenlose Kurse anboten. Verpflegung und Unterkunft waren bei diesen Kursen gratis, solange ich eine Kippa auf dem Kopf trug. Ich beschloss, meinen Aufenthalt in Israel auszudehnen und zu studieren.

In jenem Sommer gelangte ich zu dem Glauben, dass die Bibel wahr ist und dass wir aus ihr wissen können, wer Gott ist und was er von uns erwartet. So wurde ich kopfüber ins religiöse Judentum gestürzt: ein Leben im Versuch, das Gesetz Gottes strikt einzuhalten. Allerdings sah ich nach und nach Heuchelei sogar unter den Frömmsten und beschloss, nach San Francisco zurückzukehren.

Als ich für mein letztes Semester wieder an die Uni Santa Barbara kam, war ich immer noch fest entschlossen, einen orthodox-jüdischen Lebensstil auszuleben. Aber ich war nicht gerade besonders taktvoll. Meinem Onkel teilte ich mit, dass seine Söhne gemäß den orthodoxen Rabbinern gar keine Juden seien, weil ihre Mutter doch schließlich eine Heidin sei. Da hätte er mich beinahe umgebracht… Dann erinnerte ich auf einer Feier bei meiner Großmutter alle unsere Gäste daran, dass die frischen Garnelen, die sie da kauten, nicht koscher waren. Meine Mutter schrie mich an und nannte mich einen Fanatiker.

Und doch war ich alles andere als konsequent in meinem neuen Lebensstil: Wenn es um Frauen ging, war ich so hedonistisch wie eh und je. Ich versuchte aufrichtig, dem Gesetz Gottes zu folgen – unter der Anleitung eines orthodoxen Rabbiners, der sich auch mit der Kabbala (jüd. Mystik) beschäftigte. Nach und nach wurde ich allerdings immer ungeduldiger mit Gott und versuchte, ihm „auf die Sprünge zu helfen“: Damit er mir mehr Offenbarungen gäbe, befasste ich mich nebenher mit Astrologie, Zahlenmystik, Tarot-Karten, spiritistischen Medien, Drogen und Büchern über New Age. Ich wusste, dass die Bibel dies alles verbietet; und je mehr ich über Gottes heiliges Gesetz lernte, desto deutlicher erkannte ich, dass ich dieses Gesetz konsequent und fortwährend brach. Tatsächlich landete ich sogar für vier Tage im Gefängnis. Dort sah ich in großen, dicken Buchstaben etwas auf die Wand neben meinem Bett geschrieben: JESUS.

Ich hatte mich schon eine ganze Weile für Jesus interessiert. Mein Rabbi hatte mir erzählt, Jesus sei ein Revolutionär gewesen. Als ich aber das Neue Testament zu lesen begann, merkte ich: Er war ein Jude, der Antworten zu haben schien – jemand, mit dem ich in Verbindung kommen könnte.

Nach dem Uni-Abschluss war ein Kunstsammler bereit, mich zwei Jahre lang zu sponsern; so war es mir möglich, als professioneller Künstler ein Studio in Emeryville (Kalifornien) zu eröffnen. Ich malte Dutzende Ölbilder auf Leinwand und gab Ausstellungen in mehreren Kunstgalerien.

1993 war diese Schirmherrschaft jedoch abgelaufen und meine Karriere vorbei; ich hatte keinen anderen Job und kein Geld gespart. So landete ich wieder in San Francisco – ich wohnte bei meiner Großmutter und arbeitete für 6 $ die Stunde in einem Café.

Dann begegnete ich einer Hausnachbarin meines Bruders. Ich war tief getroffen von der innigen Beziehung, die sie zu „meinem Gott“ (dem Gott Israels) hatte. Beim Blättern in ihrer großen Bibel war ich überrascht davon, dass sie viele Stellen in der hebräischen Heiligen Schrift farbig angestrichen hatte. Ich war ebenso neidisch wie gefesselt. Die jüdische Bibel oder den Gott Israels kannte ich ja nicht so wie diese nichtjüdische Frau! Wir redeten einen ganzen Nachmittag lang; und was sie an Heiligkeit und Frieden ausstrahlte, verblüffte mich.

Einen Monat später schickte sie mir einen fünf Seiten langen Brief und einen Riesenkarton voller Bücher über Jesus. Dann hatte ich eines Nachts einen Traum: Ich sah einen Ehrfurcht einflößenden, herrlichen Mann, der zu glühen schien. Er hielt ein uralt aussehendes Pergament in der ausgestreckten Hand; und auf diesem Pergament standen die Worte: „ES IST ZEIT, HEIMZUKOMMEN.“ Ich wachte sofort auf und wusste in meinem Herzen, dass jetzt etwas Wunderbares geschehen würde.

Ein paar Tage darauf nahm ich eines der Bücher zur Hand, die mir diese Christin geschickt hatte: Evidence that Demands a Verdict von Josh McDowell [so der Originaltitel; dieses Buch ist auch auf Deutsch erhältlich: Die Bibel im Test, ursprünglich erschienen bei Hänssler-Verlag Holzgerlingen, Neuerscheinung bei CLV Bielefeld – Anm. d. Übers.]. Darin geht es um die Zuverlässigkeit der Bibel; detailreich wird dargelegt, dass Jesus die messianischen Prophetien aus der jüdischen Heiligen Schrift erfüllt.

Plötzlich schien alles einen Sinn zu ergeben. Jetzt kam es mir so ganz offensichtlich vor, dass Jesus unser eigener, lange verloren geglaubter Messias war; und ich fragte mich, warum wir das wohl nach 2.000 Jahren immer noch nicht wussten. Ich verglich die Bibelstellen im Buch mit meiner jüdischen Bibel, um sicherzugehen, dass ich hier keinen Bären aufgebunden bekam. Als alles übereinstimmte, fragte ich mich: „Und was jetzt?“

Ich wusste: Ich war ein Sünder und Heuchler und von Gott getrennt; und ich sehnte mich verzweifelt danach, ihn zu kennen. McDowells Buch schilderte Gottes Plan der Versöhnung mit sündigen Menschenwesen anhand von 3. Mose (einem Buch aus der Tora): „Denn das Leben des Fleisches ist im Blut, und ich habe es euch auf den Altar gegeben, um Sühnung zu erwirken für eure Seelen. Denn das Blut ist es, das Sühnung erwirkt für die Seele“ (3. Mose 17,11).

Durch McDowells Buch und durch die Bibel erkannte ich, dass solche Tieropfer gar nicht mehr nötig sind; sie waren lediglich Wegweiser zu einer viel tiefer greifenden Wahrheit. Jesus, der Messias, ist im Fleisch gekommen, um das vollkommene Leben zu leben, das keiner von uns leben kann. Dann hat er sich selber hingegeben und sein Blut vergossen: das vollkommene Opfer für alle Menschen. Er ist von den Toten auferstanden: der Beweis dafür, dass alle, die an ihn glauben, geistlich von Neuem geboren und mit Gott versöhnt werden.

An jenem Nachmittag war ich allein in Großmutters Küche und rief den Messias Jesus um Vergebung an und nahm ihn als meinen Herrn auf. Sofort fühlte ich, wie die Ehrfurcht gebietende Liebe Gottes mich umhüllte und diese schwere, klebrige Last der Finsternis von meinen Schultern weghob. Endlich! Nach all diesen Jahren wusste ich, dass alle meine Sünden vergeben waren und ich mit Gott versöhnt war. Ich war eine brandneue Person, frei von Schuld und Scham. Nicht länger mehr musste ich mich fragen, wo Gott denn sei oder wie ich seine Gegenwart spüren könnte.

Ich hörte auf, zu fluchen, zu tratschen und zu lügen. Ich hörte auf, spiritistische Medien aufzusuchen; ich hörte auf, Drogen zu nehmen; ich beendete meinen unmoralischen Lebensstil. Jesus hat meine Sorge und Angst in Frieden und Liebe verwandelt. Endlich werde ich dank der Gnade Gottes zu einem solchen Juden, wie ich es nach Gottes Willen eigentlich schon immer hätte sein sollen: fähig, die Menschen auf den lebendigen Gott Israels hinzuweisen, der ein zerbrochenes Leben in heiles Leben umformt.

Cyril lebt in Südkalifornien. Er ist mit Rhonda verheiratet, die ebenfalls jüdisch ist und an Jesus glaubt. Die beiden haben drei Kinder: Gabriella, Daniel und Yossi.