Verfasst von Bob Mendelsohn

Passah – Die Zeit unserer Erlösung

Wir haben gerade Pessach gefeiert. Melodien wie „Chad gadya, Chad gadya“ und der Duft von Großmamas Suppe mit Matzenbällchen haben uns daran erinnert, dass der Kalender wieder einmal am 14. Nisan angelangt war...

Wir haben gerade Pessach gefeiert. Melodien wie „Chad gadya, Chad gadya“ und der Duft von Großmamas Suppe mit Matzenbällchen haben uns daran erinnert, dass der Kalender wieder einmal am 14. Nisan angelangt war – bei der Zeit des Gedenkens an unsere Errettung, bei der Zeit der Erinnerung an unsere Befreiung vom Pharao und aus der ägyptischen Sklaverei. Pessach ist eine fröhliche Zeit für die Familie: Wir freuen uns aneinander, speisen Köstliches aus der heimischen Küche und erinnern uns dann daran, was Gott für unser Volk getan hat. Die meisten jüdischen Menschen kennen Pessach besser und lieben es mehr als jedes andere jüdische Fest. Und doch: Wenn unsere jüdische Identität uns jemals mehr bedeuten soll als gewisse kulinarische Vorlieben und ein Mondkalender, dann müssen wir alle unsere Feste ernster nehmen und aus der Heiligen Schrift darüber lernen.

Der erste der Monate: Verwirrung im Kalender

Viele Menschen unseres Volkes ziehen kaum (falls überhaupt jemals) in Betracht, dass Passah vom Schöpfer auch als die Zeit für Neujahr bestimmt wurde.

Die Bibel sagt uns, dass der Nisan (der Passahmonat) an erster Stelle stehen soll. Und doch wird das (im Tischri gefeierte) Rosch haSchanah allgemein als Beginn des neuen Jahres anerkannt. Sollte es denn überhaupt eine Rolle spielen, wann das jüdische Volk sein Neujahrsfest feiert?

Die Antwort muss ein entschiedenes „JA!“ sein. Gott hat einen Kalender für uns eingerichtet, damit bestimmte Zeiten und Zeitpunkte eine Bedeutung haben: Eine größere Bedeutung und gleichzeitig eine tiefer greifende Bedeutung, damit wir erkennen und gezeigt bekommen, dass das Leben einen Sinn jenseits des Augenblicklichen hat.

Gottes Kalender für das jüdische Volk begann mit dem Monat Nisan und mit dem Passah.

Gottes Kalender für das jüdische Volk begann mit dem Monat Nisan und mit dem Passah. Gott hat ein ganzes Fest geschaffen, das die Kinder zu der Frage veranlassen würde: „Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten?“ Und wenn ihnen diese Unterschiede dann auffielen, würden sie entdecken, woran es sich in dieser Nacht zu erinnern galt. Danach hat Gott in der Tora auch noch andere Feste geboten, um unser Leben mit Fixpunkten zu versehen, die uns zum Innehalten, Hinschauen und Zuhören bringen sollten.

Es hat etwas für sich, die Heilige Schrift beim Wort zu nehmen. Wenn der Allmächtige gewollt hätte, dass wir unser Neujahr zu irgendeiner beliebigen Zeit feiern und Ihm keine besondere Bedeutung beimessen, dann wäre es nur vernünftig, dass Er entweder gar nichts gesagt oder sich etwa wie folgt geäußert hätte: „Was aber Zeiten und Zeitpunkte betrifft, so habe ich dazu nichts zu sagen.“

Dies deutet darauf hin, dass Er der Feier unserer Erlösung höchste Priorität einräumt.

Aber Gott sagt, dass der Nisan „der erste von den Monaten des Jahres“ sein soll (2. Mose 12,2). Gott hat der Pessach-Zeit eine Vorrangigkeit zugewiesen. Dies deutet darauf hin, dass Er der Feier unserer Erlösung höchste Priorität einräumt. Wir sollen daran denken, dass er nach Ägypten hinab gegriffen hat, um uns zu retten und aus der Knechtschaft zu heben, b’jad chasakah uv’sro’ah n’tujah (mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm). Nur für den Fall, dass wir die Wichtigkeit von Gottes Gebot zur Erhöhung des Pessach-Festes übersehen sollten, geht sogar dem ersten der Zehn Gebote die Aussage voraus, dass wir an den Herrn, unseren Gott, denken sollen, der „dich herausgeführt hat aus dem Land Ägypten, aus dem Haus der Knechtschaft“ (2. Mose 20,2). Hier wie auch an vielen anderen Stellen, gibt Gott sich uns gegenüber als der Gott des Passahfestes zu erkennen. Er ist nicht irgendeine unbekannte, unpersönliche Kraft, sondern vielmehr der Gott, der uns aus dem Land Ägypten herausgeführt hat. So möchte Er bekannt sein!

Bevor wir über irgendetwas anderes nachsinnen, sind wir zum Gedenken an Gottes Erlösung verpflichtet! Er besitzt uns. Ihm schulden wir unsere Existenz. Wäre nicht die Hand Gottes mit uns gewesen – in Ägypten, in der Wüste Sinai, in Babylon, in den Tagen der Römer (und jawohl, sogar in den Tagen der Nazi-Finsternis) – dann gäbe es gar kein jüdisches Volk! Wir Juden existieren, weil Gott existiert, der uns auserwählt hat.

Der Sabbat wurde angeordnet, um uns an unseren Schöpfer zu erinnern; in gleicher Weise erzählen uns die Erlösung und das erste Gebot von der Notwendigkeit, an die Machttaten dieses Schöpfers zu gedenken und uns Ihm unterzuordnen.

Jom Kippur versus Pessach: Wettstreit im Kalender

Viele jüdische Menschen sehen den Jom Kippur als heiligsten Tag des Jahres. An diesem Ehrfurcht gebietenden Tag denken wir über unsere Sünden nach und erbitten Gottes Vergebung. Wir betteln regelrecht um Sein Geschenk der Sühne.

Für die meisten Juden in aller Welt ist dies mittlerweile das feierlichste Ereignis des Jahres. Viele Menschen in unserem jüdischen Volk sind heute vom äußeren Anschein her vollkommen säkular und haben nur wenig für Religion übrig. Aber sogar sie werden ein wenig ehrfürchtig, wenn der 10. Tischri herannaht. Warum denn?

Die Bibel sagt, dass der Jom Kippur ein Sabbat der Sabbate sein soll 3. Mose 23,32

Die Bibel sagt, dass der Jom Kippur ein Sabbat der Sabbate sein soll (3. Mose 23,32). Gott hat den Jom Kippur zum höchsten Tag des Jahres erhoben. Trotzdem steht dieses Herbstfest nicht allein. Es wird in diesem Kapitel des 3. Buches Mose als eines von sieben Festen aufgezählt, die von den Juden verlangt werden; und mit den anderen sechs Festen ist es untrennbar verbunden. Die Feste sind wie eine Kette, mit der Gottes Macht uns zu einem besseren Verständnis schleppt.

Der Versöhnungstag soll tatsächlich die Zusammenfassung von ihnen allen darstellen. Im Jom Kippur sehen wir erstmals das erhöhte Gottesbewusstsein, die Realität von Gottes Erlösung in unserem Leben und den Dank, den wir dem Allmächtigen für diese große Erlösung darbringen sollen. Aber um es richtig hinzubekommen, muss die Idee der Versöhnung mit dem Passahprozess beginnen.

Was Passah uns über Gott lehrt: Feiertagsoffenbarung

Juden unserer Tage können Gott treu sein oder Gott missachten. Wir können durchaus eine morbide und hoffnungslose Sichtweise aufs Leben vertreten, wie etwa Rabbi Harold Kushner. Er scheint zu glauben, dass Gott begrenzt sei: Hinsichtlich unseres Wohlergehens wolle der Schöpfer zwar vielleicht immer wieder helfen, aber vielleicht sei Er einfach unfähig, uns irgendetwas Gutes zu tun. Scheinbar ist sich Rabbi Kushner nicht der Bibelstellen bewusst, die Gottes unbegrenzte Macht demonstrieren. Das Licht der Passahbotschaft indes ist folgendes: Obwohl wir in der Sklaverei verblieben und scheinbar vom Allmächtigen vergessen waren, hatte Er uns nicht vergessen und vergisst uns auch jetzt nicht. Er steht unserer menschlichen Misere nicht hilflos mitfühlend gegenüber. Der Prophet Jesaja hält den Ausruf Gottes fest: „Könnte auch eine Frau ihren Säugling vergessen, dass sie sich nicht erbarmte über den Sohn ihres Leibes? Sollten sogar diese vergessen, ich werde dich nicht vergessen“ (Jesaja 49,15). Wir Juden neigen als Volk dazu, die Verheißungen Gottes zu vergessen – und sogar, wie Er sie erfüllt hat.

Wie lange dauert das?

Gott verzögert nicht etwa die Erfüllung seiner Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten. Gott ist auch nicht unfähig. Die Bibel zeigt: Gott wird zu Seiner eigenen guten Zeit tun, was Gott sich vorgenommen hat.

Denken wir an Abraham. Er wanderte nach Verlassen seiner chaldäischen Heimat 38 Jahre lang herum, bis Gottes Verheißung im Land namens Kanaan erfüllt wurde.

Denken wir an Abraham. Er wanderte nach Verlassen seiner chaldäischen Heimat 38 Jahre lang herum, bis Gottes Verheißung im Land namens Kanaan erfüllt wurde.

Denken wir an Joseph. Er wurde zwei volle Jahre im Gefängnis belassen und wartete auf die Erhöhung, die mit Sicherheit durch die Finsternis des inhaftierten undankbaren Mundschenks des Pharao kommen würde.

Denken wir an David haMelech. König David wurde für unzählige Jahre in die Wüste gejagt – erst von Saul, dann von seinen eigenen Söhnen. Er versteckte sich sogar in Höhlen wie ein Tier, während er auf die Erfüllung der treuen Verheißungen Gottes wartete, Seine theokratische Regierung durch David wieder neu aufzurichten.

Der Prophet Jesaja rief aus:

„Das Volk, das im Finstern wandelt, hat ein großes Licht gesehen; die da wohnen im Land des Todesschattens, Licht hat über ihnen geleuchtet. … Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Und man nennt seinen Namen: Wunderbarer, Berater, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Friedefürst“ (Jesaja 9,1.5).

Wie lange würde es dauern von der Zeit, da diese Worte ausgesprochen wurden, bis sie ihre Erfüllung fanden?

Gott wählt sich den Kontakt mit uns

Nicht nur, dass der Ewige jenseits unserer zeitlichen Begrenzungen ist; Er wird auch nicht von unseren Wünschen regiert. Unser Gott ist nicht ein Gott, der sein jüdisches Volk in Ägypten gelassen oder uns in der Wüste im Stich gelassen hätte. Er hat uns nicht nur mit Anweisungen versorgt, wie wir ins Verheißene Land gelangen konnten. Stattdessen ist Er ein Gott, der sich ganz persönlich einbringt. Er ist ein immanenter Gott. Wir sind niemals jenseits Seiner Reichweite.

Die Passahwunder waren nicht allein das Werk Moses oder das Werk von Mose und Aaron, die das Familiengeschäft weiterführten. Der Stab lag zwar in Moses Hand; aber es war Gott, der das Rote Meer teilte und mit Seiner Macht durch Ägypten fegte. Gott selber verhärtete das Herz des Pharao; Gott selber errettete uns am Roten Meer; Gott selber versorgte uns in der Wüste mit Manna.

Gott ist Ehrfurcht gebietend

Gottes Macht ist unaufhaltsam! Er führte das jüdische Volk „mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm“ aus Ägypten heraus. Übernatürliche Ereignisse begleiteten den Exodus: die Plagen, der augenblickliche Tod der Erstgeburt, die Teilung des Meeres, die (das jüdische Volk führende) Wolken- und Feuersäule. Durch Wunder wurden wir versorgt – etwa mit Wasser, das aus einem Felsen kam, nachdem Mose ihn mit seinem Stab berührt hatte. Dies alles geschah, weil Gott Seine Ehrfurcht gebietende Gegenwart vermitteln wollte.

Derselbe Gott ist auch heute bei uns. Der das Rote Meer geteilt hat, ist bereit, sich in unser Leben einzubinden – in dem Maße, in dem wir Ihm dort einen Platz überlassen. Über den Matzen sprechen wir die Passahliturgie: „Siehe, dies ist das Brot der Anfechtung, das unsere Väter aßen im Lande Ägypten. Damals waren wir Sklaven, doch jetzt sind wir frei.“ Und indem wir das tun, bezeugen wir unsere untrennbare Verbindung mit allen Juden, die vor uns gewesen sind. Wir sehen uns selber als ehemalige Sklaven in Ägypten; gleichermaßen sehen wir uns selbst als von einem allmächtigen Erlöser aus dieser Knechtschaft erlöste Menschen.

Was uns Passah über uns selber lehrt: Feiertagsgedanken über unser absolutes Gottesbedürfnis

Wenn wir über das Passahfest nachdenken, wird es offensichtlich: Wir sind ein Volk, das sich nicht von der Knechtschaft trennen kann, in deren Falle wir sitzen.

Wäre nicht die Hand Gottes gewesen, säßen wir vielleicht immer noch in Ägypten und beklagten unser Schicksal. Wir unterhalten zwar idealistische Träume hinsichtlich der Fähigkeit, unsere Lebensumstände ändern zu können; aber nur sehr wenige von uns haben die Stärke, ohne die Kraft Gottes mehr als kleine Justierungen vorzunehmen. Wir ziehen zwar vielleicht von einem Teil „Goschens“ in den anderen – aber für wirkliche Exodus-Ereignisse braucht es die Macht Gottes. Nur Er kann die Veränderung initiieren; nur Er kann uns an den Ort bringen, wo Er uns haben will; nur Er kann uns dort am Leben erhalten.

Wir sehnen uns nach bedeutenden Veränderungen in unserer Daseinsqualität. Wir sehnen uns nach Freiheit, sind aber unfähig, die Trägheit der menschlichen Natur zu überwinden. Wenn Gott uns nicht heraushebt aus unseren Lebensumständen und allem anderen, was uns bedrückt – dann kommen wir nie von der Sünde und Selbstsucht los, die uns fesselt und nach unten zieht.

Und dennoch: Wie macht Gott das heute? Wie sollen wir jemals Rettung finden von den alltäglichen Trivialitäten und der uns umstrickenden Sünde? Geheimnisvollerweise besitzen die Erlösungsmittel damals und heute eine Gleichheit. Es beginnt mit einem Geschehnis.

Zuerst fixiert Gott unsere Aufmerksamkeit auf ein Ereignis – das Töten eines Lammes. Dieses Lamm wird zu einem befähigenden Opfer – dem Rettungsagenten, dem Erlösungsmittel.

Das Passahlamm wurde sorgfältigst ausgewählt. Die Anweisungen über dieses Lamm sind ausführlich. Und dieses einjährige Schafkind musste geopfert werden, damit den hebräischen Familien die letzte Plage erspart blieb: der Tod der Erstgeborenen. Wenn sich eine Familie nicht im Haus bei der Passahfeier befand oder das Blut nicht an die Türpfosten ihres Hauses gestrichen hatte, blieb sie auch vor den verheerenden Auswirkungen dieser Plage nicht verschont. Ohne das geschlachtete Lamm und das korrekt angewandte Blut war die Erlösung unvollständig.

Uns im zwanzigsten Jahrhundert kommt das vielleicht etwas gruselig vor; aber zu biblischer Zeit war es etwas ganz gewöhnliches. Ohne Blutvergießen hätte es keine Erlösung gegeben.

Stimmt das nicht mit allen Bundesverheißungen Gottes überein?

Sogar der Brit Milah (der Bund der Beschneidung) geht mit Blut einher. Somit erscheint es nur angemessen: Als Gott am Berg Sinai einen Bund mit Mose schließen wollte, ging diesem Ereignis das Blutvergießen durch das Passahopfer voraus.

Ein Prophet des jüdischen Volkes namens Jochanan (Johannes) gebrauchte das Bild vom Blutvergießen als Bundeshandlung. Er zeigte auf Jesus von Nazareth und verkündete: „Siehe, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde hinwegträgt.“ Indem er dieses Bildwort gebrauchte, verband er die Erlösung bei den Passahereignissen mit einem Abschnitt aus Jesaja 53. Dort findet sich der Hinweis, dass der verheißene Messias für unsere Sünden sterben würde.

Im Lichte dieser Tatsache überrascht es nicht mehr, dass Jeschua (Jesus) – der von seinen Nachfolgern tatsächlich als „das Lamm Gottes“ bezeichnet wurde – einen unschuldigen Opfertod starb. Tatsächlich hat Jeschua sein Blut genauso vergossen, wie das Passahlamm es tun musste. Sein Tod bewirkte eine andere, dauerhaftere Erlösung als die aus der ägyptischen Sklaverei.

Jeschua, als das Lamm Gottes hat uns die Vergebung der Sünden gesichert, die uns von Gott trennen. In unserer Versklavung unter die Sünde und unserer Wandlungsunfähigkeit sind wir dieses Todes würdig – d.h. der Trennung von Gott für alle Ewigkeit. Aber durch Jeschuas Opfertod geht der Todesengel an uns vorüber.

Doch sein Opfer ist nicht genug

Das Passahlamm musste nicht nur getötet werden; man musste sein Blut auch an den Türpfosten der einzelnen jüdischen Häuser anbringen. Nur so wurden die erstgeborenen Söhne gerettet. In gleicher Weise reicht es nicht aus, dass Jeschua für die Sünden der Welt gestorben ist. Es genügt nicht, dass er Gottes Mittel war, um Sühnung für das gesamte Menschengeschlecht zu sichern. Wenn die einzelnen Menschsöhne und -töchter leben wollen, müssen sei sich dieses Mittel auch in einer ganz persönlichen Begegnung mit dem Lamm Gottes aneignen.

Passah für uns heute

Einige Bedeutungen von Passah sind offensichtlich und leicht zu erkennen oder abzuleiten. Wieder und wieder wird uns gesagt, dass Passah an das Erlösungsereignis erinnert. Aber bei jeder Erwähnung werden unsere Gedanken und unsere Aufmerksamkeit auf eine andere Facette der Wesensart Gottes gelenkt. Zum Beispiel sagt die Schrift an einer Stelle, dass Er uns mit Seiner eigenen Rechten aus Ägypten herausgebracht hat; darin sehen wir die Allmacht Gottes, der wirklich mächtig ist zu retten. An anderer Stelle spricht die Bibel von Gott in Bezug auf die Plagen und Gerichte am Haus Ägypten. Darin sehen wir Gott als Richter und denjenigen, der Gerechtigkeit austeilt. An wieder anderer Stelle spricht der Passahbericht davon, wie Gott in Liebe das Volk Israel gezeugt hat. Dort sehen wir, dass Gott Liebe ist:

Sondern wegen der Liebe des HERRN zu euch und weil Er den Eid hielt, den Er euren Vätern geschworen hat, hat der HERR euch mit starker Hand herausgeführt und dich erlöst aus dem Haus der Knechtschaft, aus der Hand des Pharaos, des Königs von Ägypten (5. Mose 7,8).

Mit anderen Worten: Wenn wir das Passahereignis historisch betrachten, sehen wir nicht nur, wie das Volk der Hebräer aus Ägypten entkommen ist. Wir sehen nach und nach auch einige der Eigenschaften vom Gott der Hebräer.

Manchmal stehen die Bilder einander gegenüber; da wird z.B. Gottes starker Arm als Sein Instrument betont. An anderen Stellen liegt die Betonung auf dem vollkommenen Lamm. Wenn wir das Lamm anschauen, sehen wir: Es war nicht lediglich Nahrung, sondern ein Opfer – und nicht bloß ein Opfer, sondern eine ungewöhnliche Art von Opfer. Alle anderen Opfer wurden im Sitzen oder Liegen verzehrt; doch bei diesem hier sollten die Israeliten aufbruchsbereit stehen und so das ganze Festmahl zu sich nehmen.

Passah bietet uns Bilder über Bilder, Darstellungen über Darstellungen, Pinselstriche und Paletten; alles malt einen Bestandteil des Musters, der nicht zu erkennen ist, wenn man zu nahe vor dem Bild steht oder die einzelnen Pinselstriche untersucht. Die Schönheit des Dargestellten muss man aus einiger Entfernung betrachten, damit die Farben und Pinselstriche hervortreten können. Und wir als jüdisches Volk stehen unserer eigenen Geschichte schon immer zu nah, um ein wahrhaftiges Bild der Geschehnisse erkennen zu können.

Ein letztes Wort zum ersten der Monate

Wir kommen also zu der Frage zurück, warum der Kalender geändert wurde, damit das Neujahr im Tischri und nicht im Nisan stattfindet.

Historisch gesehen, gilt es im Hinblick auf Passah eine wichtige Facette wahrzunehmen: Ob es sich nun um das Leben als Volk oder um das persönliche Leben des Einzelnen handelt, es beginnt mit Erlösung – einem Herausbringen, einem Herausgerufen-Werden. Es ist eine Zeit, da der Einzelne oder das Volk aus der üblichen Beziehung zur Welt heraustritt und in eine besondere Beziehung zu Gott eintritt. Die Heilige Schrift weist an vielen Stellen durch die Propheten darauf hin, dass Gott für die alten Israeliten einen Neuanfang haben wollte; und den will er auch für Sie heute. Ob Sie den Jahresanfang im Frühling oder im Herbst feiern, spielt tatsächlich eine Rolle. Lassen Sie Ihr Leben mit dem Leben des Passahlammes beginnen – mit neuem Leben in Jeschua, dem Lamm Gottes.