Foto: Mayur Gala

Nicht immer wissen wir, auf welche Weise unsere einmal gefassten Vorsätze eines Tages unser Herz (oder vielleicht sogar unseren Körper) schützen werden. Das habe ich bei der Feier „Israel in the Garden“ in San Francisco selber erlebt.

Es ist schon sehr erstaunlich, auf wie vielfältige Art die Menschen ihr Missfallen kundtun können, wenn man in der Öffentlichkeit evangelistische Traktate verteilt. Nach gut 30-jähriger Erfahrung dachte ich ja eigentlich, ich hätte so ziemlich die ganze Bandbreite davon gesehen oder gehört. Doch darin hatte ich mich getäuscht…

Ein bisschen Hintergrund: Jedes Jahr kommen jüdische Menschen aus dem Gebiet rund um die Bucht von San Francisco auf einer Messeveranstaltung zusammen, um Israels Unabhängigkeit zu feiern. Da besucht man dann Ausstellungsstände der Kunsthandwerker, isst Falafel, lauscht israelischer Musik, hört Rednern zu und genießt letztendlich einfach in vollen Zügen seine eigene jüdische Identität. Schätzungsweise 12.000 (meist jüdische) Leute waren dieses Jahr auf die Israel-Messe gekommen. Ich freute mich daran, gemeinsam mit all unseren Missionaren der Zweigstelle San Francisco ebenfalls dort zu sein, Traktate zu verteilen und von meinem Glauben zu zeugen. Na ja, zugegeben: Viele Besucher waren alles andere als erfreut, uns dort zu sehen. Einige gaben Kommentare ab, die ich nicht wiederholen kann. Aber immer gibt es auch einige Suchende, und für genau diese Menschen sind wir da. Mehrere von ihnen gaben uns ihre Namen und Kontaktinformationen. Hier jedoch möchte ich von jemandem erzählen, der das nicht tat.

Ein Mann mit einer Kippa hatte seinen Hund mitgebracht – seinen ganz schön großen Hund von annähernd 35-40 kg. Er (der Mann) starrte mich mit diesem „Wenn-Blicke-töten-könnten“-Ausdruck an; dann zeigte er auf mich und befahl seinem treuen Begleiter: „Fass sie!“ Der Hund blickte erst ihn an, dann blickte er mich an und stand still wie ein Denkmal da. Ich lächelte und sagte: „Hunde mögen mich. Er wird mich nicht angreifen.“

Wissen Sie: Zwar bin ich durch und durch ein Stadtkind, dessen bisher einziges Haustier ein Goldfisch gewesen ist. Trotzdem habe ich schon vor langem einen bestimmten Vorsatz gefasst. Obwohl ich mir nie einen eigenen Hund anschaffen würde, entschloss ich mich, Hunde zu mögen und immer nett zu ihnen zu sein. Und obwohl es daher in der Familie Perlman nie eine Lassie und auch keinen Fifi oder Bello gegeben hat – ich glaube, Hunde können meinen Vorsatz empfinden. Sie belästigen mich nicht, jagen mich nicht, knurren mich nicht an und beißen mich auch nicht. Vorsätze sind mir (zumindest in diesem Fall) gut zustatten gekommen. Und wie steht’s bei Ihnen?

Schon gut, vielleicht ist meine Vorsatz-Geschichte ja „hundsmäßig“ langweilig. Aber über Vorsätze habe ich tatsächlich etwas zu sagen. Und zwar Folgendes: Wenn wir uns nicht vornehmen, aufgrund unserer Zugehörigkeit zu Jeschua bestimmte Dinge zu tun oder auf eine bestimmte Weise zu handeln, sind wir verletzlicher für die Angriffe des Feindes – und darüber hinaus auch noch viel weiter davon entfernt, die Leute zu werden, die wir nach Gottes Willen sein sollen.

Die meisten Menschen fassen ihre Vorsätze zum Neujahr im Sonnenkalender. Für uns als jüdische Gläubige möchte ich indessen dennoch vorschlagen, dass wir über Rosch-haSchanah-Vorsätze nachdenken, die für uns, unsere Familien, unsere Gemeinschaft aus jüdischen Gläubigen und für den Leib des Messias in seiner Gesamtheit von Bedeutung sein können. Eine Liste solcher Vorsätze habe ich in Form von Versprechen an Jeschua zusammengestellt. Den einen oder anderen Punkt erwäge ich im Gebet für mein eigenes Leben im kommenden Jahr. Vielleicht findet auch bei Ihnen der eine oder andere Punkt Anklang fürs jüdische Neujahr. Dann machen Sie diese Vorsätze im Gebet zu Ihren eigenen!

  1. Ich fasse den Entschluss, dich, Jeschua, an die erste Stelle in meinem Leben zu setzen, damit du es auf eine solche Weise ordnest, dass ich in all meinem Tun dir gefallen und dich ehren möchte.
  2. Ich brauche das Wachstum in meinem Glauben sowie in meiner Liebe zu anderen Menschen und sehne mich danach. Ich erkenne, dass ein solches Wachstum am besten durch das Studium von Gottes Wort, durch Gebet und Zeugnisgeben zu erreichen ist. Darum fasse ich den Entschluss, diese drei Dinge zu meinen Prioritäten zu machen.
  3. Ich fasse den Entschluss, mein Zuhause zu einem Ort zu machen, wo man über dein Wort gründlich nachdenkt und es aufrichtig in Ehren hält. Gemeinsam mit meinem Ehepartner werde ich unseren Kindern vermitteln, wie wichtig es ist, sowohl auf dich zu vertrauen als auch an unserer jüdischen Identität festzuhalten.
  4. Ich fasse den Entschluss, meiner Familie jene Liebe und Fürsorge zu erweisen, die auch du mir so gnädig erwiesen hast. Dies bedeutet, dass ich alles mir Mögliche für die Aufrechterhaltung der Beziehungen zu meinen nicht-gläubigen jüdischen Familienangehörigen tun werde – selbst, wenn sie meinen Annäherungsversuchen ausweichen. Ich fasse den Entschluss, im Gebet für sie beharrlich zu bleiben und jede von dir verliehene Möglichkeit wahrzunehmen, um deine Messianität für sie zu einem unumgänglichen Thema zu machen, über das sie nachdenken müssen.
  5. Ich fasse den Entschluss, mit allen Menschen innerhalb der Gemeinschaft glaubender Juden im Frieden zu leben, soweit mir das möglich ist. Ich fasse den Entschluss, bei gottlosen Auseinandersetzungen keinen Anteil zu haben; vielmehr will ich auch solche Sichtweisen respektieren, die von meiner eigenen Anschauung abweichen, wenn es um Fragen wie Gottesdienst- und Anbetungsformen oder um die definierenden Bestandteile eines jüdischen Lebensstils geht.
  6. Ich fasse den Entschluss, Einspruch zu erheben, wenn in meiner Hörweite die Bibel kompromittiert wird. Ich will ihre vollständige Wahrhaftigkeit, Autorität und Vollmacht zur Erreichung deiner Ziele bekräftigen.
  7. Ich fasse den Entschluss, das zu bestätigen, was du als deinen Leib zusammengefügt hast. Ich möchte all denjenigen Respekt erzeigen, die ein Teil unseres Glaubenskreises in der Familie Gottes sind, seien sie nun Juden oder Nichtjuden. Ich verpflichte mich, auch diejenigen Brüder und Schwestern mitzutragen, deren Kultur von der meinen abweicht. Ich will mir ins Gedächtnis rufen: Wenn auch unsere Traditionen nicht dieselben sein mögen, so sind wir doch eins in deinem Geist.
  8. Ich fasse den Entschluss, dass Israel mein Heimatland ist; wo auch immer in der Diaspora ich leben mag, werde ich Israel doch immer als einen geistlichen Ort betrachten. Ich fasse den Entschluss, meine Brüder und Schwestern in Israel mitzutragen; ich will für den Frieden Jerusalems beten und sowohl meine Mittel als auch meine Energie dafür einsetzen, dass unser Heimatland als Ort der Sicherheit für alle Juden überall gestärkt werden kann, ob sie nun meinen Glauben an dich teilen oder nicht.
  9. Ich fasse den Entschluss, dich treu unter den Menschen bekanntzumachen: die Stimme zu erheben, wenn Schweigen leichter wäre; aufzustehen, wenn ich mich in einer Volksmenge verbergen könnte; mein Bestes zu geben, um meine Liebe zu dir auf eine solche Weise zu vermitteln, dass Juden und Nichtjuden gleichermaßen dich erkennen. Insbesondere sehne ich mich danach, dass meine jüdischen Verwandten und Freunde, die das Evangelium noch nicht gehört haben, es in diesem Jahr von meinen Lippen hören, damit auch ihre Namen im Buch des Lebens eingeschrieben werden.

Vielleicht möchten Sie ja einen oder mehrere dieser Rosch-haSchanah-Vorsätze übernehmen – oder Sie benutzen die Tage der Ehrfurcht zwischen Rosch haSchanah und Jom Kippur, um über Ihre eigenen Vorsätze nachzudenken und sie auszuformulieren. Wir brauchen eine gottgefällige Entschlossenheit, um uns dem zu stellen, was dieses neue Jahr so alles an Freuden und Sorgen für uns bereithält.

Vorsätze zur Ehre Jeschuas helfen uns beim Schutz unseres eigenen Herzens; sie legen nämlich fest, wie wir uns in unerwarteten Situationen verhalten. Manchmal finden wir uns in einer herausfordernden Lage wieder, wo wir vielleicht versucht sind, negativ zu reagieren. Vorsätze befähigen uns, stattdessen auf gottgefällige Weise zu antworten: gemäß den Entscheidungen, die wir bereits gefällt und für die wir Gott um seine Hilfe gebeten haben.

Natürlich bringen solche Vorsätze uns nicht besonders viel, wenn wir uns nie Zeit fürs Abschätzen unseres Gelingens nehmen. Zu diesem Zweck ist es gut, einen weiteren Menschen von Ihren Vorsätzen wissen zu lassen. Er (bzw. sie) kann sich mit Ihnen freuen, wenn es Ihnen gelingt; kann mit Ihnen um Gottes Hilfe beten, wenn Sie zu kämpfen haben – und in den übrigen Fällen gemeinsam mit Ihnen dankbar Gottes Vergebung und Wiederherstellung empfangen.

Übersetzung: Lars Kilian