Wut wegen Liebe

Wenn jemand einen geliebten Menschen verletzt? Ohne Frage. Wenn großes Unrecht geschieht? Immer. Wie wir sehen können, ist Wut an sich nicht schlecht, sondern eine durchaus vernünftige Reaktion. In der Tat ist es eher ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt, wenn wir nicht wütend werden, wenn es angebracht ist. Wenn jemand dir den Arm abschneidet und du es nicht merkst, läuft etwas falsch. Der Schmerz ist unser Freund, er sagt uns, dass etwas nicht stimmt. Wenn wir nicht wütend werden, wenn ein Unrecht begangen wird, zeigt uns das, dass etwas in uns abgestorben ist. Die tödliche Wundfäule hat eingesetzt.

Der moderne Mensch hadert oft mit einem Gott der Liebe und einem Gott des Zorns. Aber was der moderne Mensch nicht begreift, ist, dass Gott vor allem auf das Unrecht und das Böse wütend ist. Gott hasst diejenigen, die die Schwachen, die Elenden und die Unterdrückten bedrängen. Gott ist in Wirklichkeit viel liebevoller als wir – und daher auch viel wütender. Denn wir lieben in Wirklichkeit oft nicht die Schwachen, die Elenden und Unterdrückten; unsere Liebe zu ihnen kommt noch nicht einmal in die Nähe der Gefühle Gottes. Wir sind ohnmächtig, uns zu ändern, doch Gott hat die Macht, etwas dagegen zu tun. Gott sah das Dilemma der Menschheit und tat etwas dagegen!

Gott richtete seine Liebe auf die Schwachen, die Elenden, die Unterdrückten. In den ersten fünf Büchern der Bibel ist der Gegenstand der Liebe Gottes das Volk Israel. Es bestand aus Sklaven und Gott rettete es. Gott erwählte es. Gott erwählt die Schwachen, die Elenden, die Unterdrückten. Also Israel. Gott liebte es und rettete es. Das sagt uns eine ungeheure Menge über den Gott, der allzu oft verleumdet wird. Im Gegenteil: Er ist voller Liebe und Mitgefühl – während wir selbst das nicht sind. Er brachte sein Volk aus Ägypten, rettete es vor dem Ofen und brachte es in eine Beziehung zu ihm:

Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. (Devarim / 5. Mose 7, 7-8)

Aber Israel reagierte auf Gott nicht mit Dankbarkeit und einem verwandelten Herzen, sondern eher mit Bitterkeit und Groll – und vor allem Unglaube. Es wandte sich an ein goldenes Kalb, am Vorabend des Tages, an dem es seine Gelübde am Sinai sprechen sollte. Das 5. Buch Mose als Ganzes ist eine Rede, die von einem Mann geschrieben wurde, der weiß, dass er bald fortgehen wird. Er weiß, dass er bald sterben wird, wie vom Herrn angeordnet. Mose war Gottes Auserwählter auf der Erde und er richtete diese tragischen Worte an das Volk Israel, bevor er diese Welt verließ:

Denn ich kenne deinen Ungehorsam und deine Halsstarrigkeit. Siehe, jetzt schon, während ich noch bei euch lebe, seid ihr ungehorsam gewesen gegen den HERRN; wie viel mehr nach meinem Tode! […] Denn ich weiß, dass ihr euch nach meinem Tode sehr versündigen werdet und von dem Wege abweichen, den ich euch geboten habe. So wird euch zuletzt das Unheil treffen, weil ihr tut, was böse ist in den Augen des HERRN, und ihn erzürnt durch eurer Hände Werk. (5. Mose 31, 27 und 29)

Das Volk Israel ist rebellisch, es wird weiter rebellisch bleiben und dann sogar Gott aufgeben. Gott sagt Israel, dass es nicht besser sei, als andere Völker:

So wisse nun, dass der HERR, dein Gott, dir nicht um deiner Gerechtigkeit willen dies gute Land zum Besitz gibt, da du doch ein halsstarriges Volk bist. (Devarim / 5. Mose 9, 6)

Gott sagt Israel, dass es nicht unschuldig sei, ganz im Gegenteil:

Denke daran und vergiss nicht, wie du den HERRN, deinen Gott, erzürntest in der Wüste. Von dem Tage an, als du aus Ägyptenland zogst, bis ihr gekommen seid an diesen Ort, seid ihr ungehorsam gewesen dem HERRN. (Devarim / 5. Mose 9, 7)

Gott erklärt auch, was er in Sachen Israel fühlt:

Selbst am Horeb erzürntet ihr den HERRN so, dass er vor Zorn euch vertilgen wollte […] So seid ihr dem HERRN ungehorsam gewesen, solange ich euch gekannt habe. (Devarim / 5. Mose 9, 8 und 24)

Doch Gott erklärt auch, was er will, welches Verhältnis; er bittet seine Braut, ihn zu lieben und ihm zu gehorchen:

Nun, Israel, was fordert der HERR, dein Gott, noch von dir, als dass du den HERRN, deinen Gott, fürchtest, dass du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst und dem HERRN, deinem Gott, dienst von ganzem Herzen und von ganzer Seele, dass du die Gebote des HERRN hältst und seine Rechte, die ich dir heute gebiete, auf dass dir’s wohlergehe? (Devarim / 5. Mose 10, 12-13)

Was sagt Gottes Herz?

Und doch hat er nur deine Väter angenommen, dass er sie liebte, und hat ihre Nachkommen, nämlich euch, erwählt aus allen Völkern, so wie es heute ist. So beschneidet nun eure Herzen und seid hinfort nicht halsstarrig. Denn der HERR, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr über alle Herren, der große Gott, der Mächtige und der Schreckliche, der die Person nicht ansieht und kein Geschenk nimmt und schafft Recht den Waisen und Witwen und hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. (Devarim / 5. Mose 10, 15-19)

Gott liebte Israel wirklich, obwohl es so rebellisch war. Doch Gott weiß auch, das Israel sich nicht ändern kann. Es ist völlig unfähig zur Veränderung. Es wird jedoch ein Tag kommen, an dem Gott es ändern wird, wie er verspricht:

Er wird dich in das Land bringen, das deine Väter besessen haben, und du wirst es einnehmen, und er wird dir Gutes tun und dich zahlreicher machen, als deine Väter waren. Und der HERR, dein Gott, wird dein Herz beschneiden und das Herz deiner Nachkommen, damit du den HERRN, deinen Gott, liebst von ganzem Herzen und von ganzer Seele, auf dass du am Leben bleibst. (Devarim / 5. Mose 30, 5-6)

Mit dem tragischen Schicksal Israels im Hinterkopf in der Zeit von König Salomo bis zum babylonischen Exil war dieses „beschnittene Herz“, dieses neue Herz, eine Prophezeiung, die weit in der Zukunft lag. Doch es gibt auch Beweise, die zeigten, dass Gott seine rebellische Braut liebt und dies zeigte sich nicht nur in Worten, sondern auch in Taten. Er kümmert sich um sie, will ihr nur Gutes, schützt sie und warnt sie:

Die Bilder ihrer Götter sollst du mit Feuer verbrennen und sollst nicht begehren das Silber oder Gold, das daran ist, oder es zu dir nehmen, damit du dich nicht darin verstrickst; denn das ist dem HERRN, deinem Gott, ein Greuel. […]So sollst du dem HERRN, deinem Gott, nicht dienen; denn sie haben ihren Göttern alles getan, was dem HERRN ein Greuel ist und was er hasst; denn sie haben ihren Göttern sogar ihre Söhne und Töchter mit Feuer verbrannt. (Devarim / 5. Mose 7, 25 und 12, 31)

Abscheulichkeit ist ein oft wiederholtes Wort im 5. Buch des Moses. Gott will, dass sein Volk solche Greuel meidet, sie sind ihm völlig zuwider; er will Israel dieses schreckliche Schicksal ersparen. Gott warnt auch Israel in 8, 11-20, das es Ihn nicht vergessen soll:

So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen, sodass du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst. (Devarim / 5. Mose 8, 11)

Gott gab Israel das Gesetz. Es war sein Ehevertrag. Die Tora war sein Geburtsrecht. Israel hatte Anspruch auf eine Beziehung zu Gott, aber das bedeutete nicht, dass Gott keinen Gehorsam verlangen würde. Gott ist charakterlich vollkommen und würde natürlich seinen Gerechtigkeitsmaßstäben gegenüber Gehorsam einfordern. Die richtige Reaktion Israels wäre gewesen, Gott anzurufen, und ihn zu bitten, ihm zu helfen, seine Unfähigkeit, seine Gebote zu halten, zu überwinden und den Glauben von Abraham durch Prüfungen zu suchen. Doch was dann geschah, war, dass Israel entweder die gewünschten Gebote Gottes ganz vergaß, oder fälschlicherweise glaubte, dass es das Gesetz einhalten konnte. Das Gesetz wurde ihm gegeben, um ihm zu helfen, seine Sünde zu erkennen, seinen Bedarf an einem neuen Herzen. Saul von Tarsus, auch bekannt als Apostel Paulus, hatte viel über den Sinn des Gesetzes zu erzählen:

Erkennt also: die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder. Die Schrift aber hat es vorausgesehen, dass Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht. Darum verkündigte sie dem Abraham (1.Mose 12,3): »In dir sollen alle Heiden gesegnet werden.« So werden nun die, die aus dem Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham. Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben (5.Mose 27,26): »Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er’s tue!«

Dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn »der Gerechte wird aus Glauben leben« (Habakuk 2,4). Das Gesetz aber ist nicht »aus Glauben«, sondern: »der Mensch, der es tut, wird dadurch leben« (3.Mose 18,5). Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns; denn es steht geschrieben (5.Mose 21,23): »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt«, damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.

Liebe Brüder, ich will nach menschlicher Weise reden: Man hebt doch das Testament eines Menschen nicht auf, wenn es bestätigt ist, und setzt auch nichts dazu. Nun ist die Verheißung Abraham zugesagt und seinem Nachkommen. Es heißt nicht: und den Nachkommen, als gälte es vielen, sondern es gilt einem: »und deinem Nachkommen« (1.Mose 22,18), welcher ist Christus. Ich meine aber dies: Das Testament, das von Gott zuvor bestätigt worden ist, wird nicht aufgehoben durch das Gesetz, das vierhundertdreißig Jahre danach gegeben worden ist, sodass die Verheißung zunichte würde. Denn wenn das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben; Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt. Was soll dann das Gesetz? Es ist hinzugekommen um der Sünden willen, bis der Nachkomme da sei, dem die Verheißung gilt, und zwar ist es von Engeln verordnet durch die Hand eines Mittlers. Ein Mittler aber ist nicht Mittler eines Einzigen, Gott aber ist Einer. Wie? Ist dann das Gesetz gegen Gottes Verheißungen? Das sei ferne! Denn nur, wenn ein Gesetz gegeben wäre, das lebendig machen könnte, käme die Gerechtigkeit wirklich aus dem Gesetz. Aber die Schrift hat alles eingeschlossen unter die Sünde, damit die Verheißung durch den Glauben an Jesus Christus gegeben würde denen, die glauben. Ehe aber der Glaube kam, waren wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben hin, der dann offenbart werden sollte.

So ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden. Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben. (Galater 3, 7-29)

Gott fühlt tiefe Liebe zu einer Welt, die in tiefer Rebellion gegen ihn ist. Es ist seine Liebe, die ihn dazu zwingt, zu handeln und uns vor seinem gerechten Zorn zu schützen.

Und darum hat Gott seinen Messias in die Welt geschickt: Der Messias Jeschua litt und starb für unsere Sünden, um unsere Beziehung zu Gott wieder ins Lot zu bringen; er trug die Strafe, die eigentlich wir verdienten. Als Jeschua starb, sandte Gott seinen Heiligen Geist aus, damit wir neuen Herzen empfangen können, wie Gott es versprochen hatte. Da heißt, dass wir noch heute ein neues Herz bekommen können, damit wir Gott lieben und ihm gehorchen können.

Möchten Sie, dass wir dir mehr dazu erzählen? Dann ruf uns doch einfach an!

Die Stimme des leidenden Dieners hört man sehr klar in der Haftara (Toralesung) dieser Woche:

Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. (Jeschajahu / Jesaja 50, 5-7)

Das ist die Stimme von Jeschua, der gehorsam am Kreuz für die Sünden der Welt sterben wollte. Er ging entschlossen zum Kreuz, denn Israel würde sich niemals ändern und brauchte dringend ein neues Herz.

Entweder nehmen wir das neue Herz an oder wir müssen Gott und seinem gerechten und ewigen Zorn gegenübertreten. Wofür würdest du dich entscheiden?