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Verfasst von Aaron Lewin

Der Mose, den ich nie kannte

Es ist erstaunlich, wie wir in uns unsere Helden aufbauen. Ich erinnere mich noch, wie ich als Kind ein leidenschaftlicher Manchester-United-Fan war, der alles tat, um einen der Spieler zu treffen.

Es ist erstaunlich, wie wir in uns unsere Helden aufbauen. Ich erinnere mich noch, wie ich als Kind ein leidenschaftlicher Manchester-United-Fan war, der alles tat, um einen der Spieler zu treffen. Aus meiner Sicht konnten diese Jungs nichts falsch machen. Ich erinnere mich, wie ich damals den Fernseher anbrüllte, wenn der Schiedsrichter es wagte, einem Spieler ein Foul zu unterstellen. Diese Jungs waren meine Helden – und sie waren perfekt!

Aber es sind nicht nur Kinder, die dazu neigen, nur das Beste in den Helden zu sehen und ihre Fehler zu ignorieren. Auch wir Erwachsenen vergessen manchmal, dass unsere Lieblingsstars auch nur fehlbare Menschen sind, genau wie wir (bis sie uns enttäuschen). Nehmen wir zum Beispiel Mose. Die Frage, ob er oder Abraham die wichtigste Figur im Judentum ist, ist wohl heiß umkämpft, aber letztendlich würde Mose sie wohl gewinnen. Wir nennen ihn unseren Lehrer (Mosche Rabbeinu) und preisen ihn dafür, dass er uns die Tora gab, und, wie die Rabbiner hinzufügen würden, auch das mündliche Gesetz. Wenn es um das Judentum geht, kann man kaum größer sein als Mose.

Die Parashat Schmot erzählt die Geschichte von Moses Herkunft und nimmt mit sechs Kapiteln einen gewaltigen Raum ein.

Aus genau diesem Grunde überrascht die Parascha dieser Woche uns so sehr: Die Parashat Schmot erzählt die Geschichte von Moses Herkunft und nimmt mit sechs Kapiteln einen gewaltigen Raum ein. Der Mose, von dem ich für gewöhnlich höre –intelligenter, beredter, fruchtbarer Autor, weiser Staatsmann, Gesetzgeber, Vermittler und Kopf der Nation – fehlt ganz klar in diesen Kapiteln. Es ist erstaunlich, wie wir dazu tendieren, die guten Seiten unserer Helden zu maximieren und ihre schlechten Seiten zu vergessen.

Zum Glück verhält sich die Bibel nicht so wie wir: Denn hier, in den ersten sechs Kapiteln des Buches Schmot / 2. Mose, werden uns Moses Schwächen vor Augen geführt – in kunterbuntem Technicolor. Er überlebt den Tod als Kleinkind dank der außerordentlichen Barmherzigkeit der Pharaonentochter und scheint den idealen Start ins Leben zu haben – er darf als Prinz von Ägypten aufwachsen! Doch irgendwie erinnert sich Mose an seine Wurzeln und ist angewidert davon, wie sein Volk behandelt wird. Er denkt vielleicht, dass er diesem Volk einen Gefallen damit tut, als er einen ägyptischen Sklaventreiber totschlägt. Dann flieht er von seinem Ziehvater in die Wüste. Seine ideale Ausgangsposition wurde durch sein überzogenes Selbstvertrauen ruiniert und Moses muss nun 40 Jahre lang als Hirte in der Wüste schuften – weit weg von seinem eigenen und seinen Adoptivvolk. Aber es gibt eine Chance für die Erlösung! Jahre später, als Moses endlich Zeit hat, über seine Fehler nachzudenken, beschließt Gott verblüffenderweise, diesen ausgelaugten, alten Hirten anzusprechen und beschließt, ihn als Werkzeug zu nutzen, um sein Volk aus Ägypten zu führen. Wir dürfen annehmen, dass die meisten diese Chance, die Dinge wieder richtigzustellen, begeistert ergreifen und sie als hohe Ehre betrachten würden, aber Moses stottert nur einige Ausreden und fragt Gott schließlich, ob nicht jemand anderes geschickt werden kann (s. Schmot / 2. Mose 4, 13)! Doch Gott schickt keinen anderen und Mose muss schließlich wieder nach Ägypten. Und so geht es los!

Moses war kein Superheld; er war ein unzulänglicher Mensch, der viele Fehler machte, genau wie wir.

Während andere historische Schriften und Artefakte der Zeit dazu tendierten, die Errungenschaften der diversen Könige oder Götter hochzuspielen, ist die Bibel unglaublich ehrlich, indem sie aufzeigt, dass Mose ein unverdientes Instrument der Liebe Gottes für sein Volk war. Moses war kein Superheld; er war ein unzulänglicher Mensch, der viele Fehler machte, genau wie wir. Nur durch Gottes Gnade wurde er Mosche Rabbeinu. Später in seinem Leben wird er sich dann auf den Propheten freuen, der kommen würde, der genau wie er wäre. Einer, bei dem Gott selbst von uns eine Erklärung verlangt, sollten wir ihm nicht gehorchen (siehe Devarim / 5. Mose 18, 15-19). Vielleicht wäre der dann eine bessere Version des Mosche.

Es ist interessant, Mose mit Jeschua zu vergleichen. Obwohl zwischen ihren Leben Tausende von Jahren liegen, sind die Ähnlichkeiten unglaublich. Mose wurde vor dem sicheren Tode als Kind durch Gottes Eingreifen gerettet – Jesus wurde auch vor dem sicheren Tode durch die Hand des Königs Herodes gerettet, dank einer Vision, in der ein Engel seinem Vater sagte, er solle ihn nach Ägypten bringen (siehe Matthäus 2, 13-18) ). Mose wurde später ein Prophet und gab dem Volk Gottes Wort und prophezeite, was in Zukunft geschehen würde. Ebenso sagte Jesus seinen Tod voraus (siehe Matthäus 16, 21) und sogar das, was in der Zukunft geschehen würde (siehe das Buch der Offenbarung). Mose war ein Mittler zwischen Gott und unserem Volk und empfing das Gesetz, Gottes Regelwerk für uns. Jesus war ein Mittler zwischen Gott und unserem Volk / allen Völkern und erfüllte Gottes Regelwerk für uns, indem er ein vollkommen heiliges Leben lebte und für unser Unrecht starb. Mose war bereit, für unser Volk zu sterben (siehe Schmot / 2. Mose 32, 32), während Jesus tatsächlich für uns starb, um uns zu retten*.

Es ist also kein Zufall, dass Mose einer von zwei Menschen war, die auf dem Berg erschienen, als Jesus verklärt wurde und seine Jünger einen Blick auf seine Herrlichkeit werfen konnten (siehe Lukas 9, 28-36). Mose, der Vorläufer des Messias, konnte so die Erfüllung der Worte sehen, die er Tausende Jahre zuvor niedergeschrieben hatte. Jesus war, was Mose niemals sein konnte und nie sein sollte. Mose kannte seine eigenen Grenzen, aber auf dem Hügel sah er an jenem Tag den, auf den er gewartet, dessen Ankunft er prophezeit hatte. Mose hatte seine Arbeit getan, aber er wusste, dass er nicht der wirkliche Held war. Der Mose, den ich nie kannte, ist der Mose, der wusste, dass Jesus der Messias war.

Während es falsch ist, dass wir unsere Helden auf einen Sockel stellen, ist es sicher nicht falsch, Gott und seinen Messias auf einen Sockel zu stellen, einfach weil sie perfekt sind und es die Menschen nicht sind. Manchmal sind wir versucht, uns selbst oder anderen Menschen zu vertrauen, aber am Ende des Tages sind wir alle nur Menschen –und somit so fehlerhaft wie Mose. Wie erstaunlich, dass wir unser Vertrauen in einen Messias setzen können, der menschlich war wie wir – aber ohne all die Fehler. Bitte missversteh mich nicht: Ich bin Mose gegenüber in keiner Weise respektlos. man kann Avraham Avinu verehren und enormen Respekt vor Moshe Rabbeinu haben, aber vergiss nicht denjenigen, auf den sie sich freuten: Jeschua Mashicheinu (Jesus, unser Messias). Bist du es auch leid, deine Hoffnung in menschliche Götzen zu setzen, die dich am Ende dann doch nur enttäuschen? Setze dein Vertrauen in den, dem Mose und Abraham vertrauten, der dich nie enttäuschen wird – in den Messias Jeschua!

*Eine interessante und detailliertere Auflistung der Gemeinsamkeiten zwischen Mose und Jesus findest du hier.