img_0310-1.jpg
Verfasst von Aaron Lewin

„Freiheit!“

Der Schrei gellte durch die Stille und hing in der Luft. Die Menge brüllte – obwohl ihr Held, William Wallace, der schottische Revoluzzer, nun getötet werden würde, stand sein Schrei für den Trotz in ihrem eigenen Herzen.

Der Schrei gellte durch die Stille und hing in der Luft. Die Menge brüllte – obwohl ihr Held, William Wallace, der schottische Revoluzzer, nun getötet werden würde, stand sein Schrei für den Trotz in ihrem eigenen Herzen. Während das Filmepos „Braveheart“ von 1995 historisch wohl nicht ganz korrekt ist, erklang der Ruf nach „Freiheit“ auf alle Fälle immer wieder im Laufe der Geschichte unter all denen, die sich nach Befreiung sehnten und für sie kämpften. Ob es Soldaten waren, die zum Wohle des Volks starben, oder einzelne beispielhafte Freiheitskämpfer wie William Wilberforce oder Nelson Mandela: Diejenigen, die unter Unterdrückung leiden, sehnen sich nach einem Helden – und nach Freiheit.

Die Parascha-Lektion dieser Woche beschäftigt sich auch mit der Freiheit

Die Parascha-Lektion dieser Woche beschäftigt sich auch mit der Freiheit. In diesem relativ kurzen Textstück gibt Gott Moses Befehlt zum „Jobeljahr“ – ein Jahr der Freiheit für Gefangene, Freiheit von Schulden und Freiheit für das Land. Alle 50 Jahre mussten alle Schulden erlassen werden, kehrte das Land an seine rechtmäßigen Eigentümer zurück und Sklaven gab man die Möglichkeit, frei zu sein. Was wohl eher ironisch ist, ist die Tatsache, dass trotz Gottes detaillierter Befehle gegenüber Moses wie genau das Jobeljahr durchgeführt werden soll, gibt es absolut keinen Beweis dafür, dass dieses wunderbare Jahr jemals umgesetzt wurde. Sklaven wurden nicht frei, Land wurde nicht an die ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben und Schulden wurden nicht erlassen.

Doch auch wenn wir das Jahr der Freiheit vergaßen, tat Gott dies nicht.

Doch auch wenn wir das Jahr der Freiheit vergaßen, tat Gott dies nicht. Hunderte von Jahre nach der Offenbarung der Thora für Moses, sprach Gott wieder zu uns, durch den Propheten Jeschajahu (Jesaja), in diesen schönen Worten:

„Der Geist Gottes des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des HERRN…“ (61, 1-2)

Was für eine gute Botschaft! Jeschajahu sagt uns, dass der HERR selbst einen Gesalbten (Mashiach / Messias) senden wird, um die Freiheit zu verkünden und zu bringen – und das ist genau das, wonach wir, das jüdische Volk, uns schon immer gesehnt haben. Nach Jahren der Ungerechtigkeit und Unterdrückung sehnen wir uns danach, gleichberechtigt zu sein. Doch an einem Schabbat vor etwa 2000 Jahren nahm ein junger jüdischer Mann die Schriftrolle von Jeschajahu, nahm sich diese Stelle vor, las sie laut vor und behauptete, dass Gott ihn damit gemeint hatte! Dieser Mann war Jeschua (siehe Lukas 4, 17-21).

Doch warum entschied sich Jeschua angesichts all der Passagen, die er hätte lesen können, ausgerechnet für diese?

Doch warum entschied sich Jeschua angesichts all der Passagen, die er hätte lesen können, ausgerechnet für diese? Ich denke einfach, weil er sich genau wie wir nach Freiheit sehnte. Das Brit Chadaschah (Neue Testament) ist voller Beispiele dafür, wie Jeschua den Armen die gute Nachricht verkündet, mit der diejenigen mit gebrochenem Herzen getröstet, den Blinden die Augen geöffnet werden und das Jobeljahr des Herrn angekündigt wird. Jeschua war ein Revoluzzer und empfand die Liebe eines Revoluzzers für uns. Aber mehr als nur nach körperlicher Heilung und Genesung sehnte er sich danach, dass wir geistig frei sind – ganz so wie Jeschajahu schrieb: Das Gefängnis für diejenigen zu öffnen, die gebunden sind. Jeschuas Tod war keine unselige, grundlose Tragödie eines Rebellen: Er war der Beginn eines Jubeljahrs, in dem die Ketten unserer Herzen zerschmettert und wir von unserem geistigen Kerker befreit wurden, damit wir sein konnten, als was wir geschaffen wurden: frei! Frei von den Dingen, die uns versklaven können (Popularität, Geld, Erfolgssucht usw.) und frei von unserer Sünde, frei, um ein sinnvolles Leben für Gott zu führen.

Einige denken, dass der Gott der Bibel weit entfernt ist, ein machthungriger, bösartiger Gott, aber Er ist der Gott des Jobeljahrs, der Gott der Freiheit. Er sehnt sich auch für uns nach Freiheit und Er stellt uns vor die Wahl: Denn Er zeigt uns einen Weg aus den Dingen, die uns versklaven – wenn wir bereit sind, Ihm zu folgen.

Im Laufe der Geschichte sind viele für unsere Freiheit gestorben – und doch ging Jeschua noch weiter: Sein Tod sorgte für die Freiheit seiner Anhänger, indem er die Strafe auf sich nahm, die eigentlich ihnen zustand. Aber Er nahm nicht nur die Strafe auf, die wir verdienen, Er gibt uns auch die Liebe und Akzeptanz, nach der wir uns sehnen und die wir oft in anderen Quellen suchen – die uns letztlich nur versklaven.

Wie sollen wir also darauf reagieren? Wird unser Schrei wie der von William Wallace sein oder werden wir uns eher dafür entscheiden, Sklaven der vielen Begierden zu bleiben, die uns letztlich unsere Beziehungen und unser Leben zerstören? Ich möchte Dich ermutigen, Dich dafür zu entscheiden, wofür sich auch Wallace entschieden hatte: „Freiheit!“