Fünf verborgene Lektionen der Parascha dieser Woche

Letztes Jahr ist ein Freund von mir den „Sand-Marathon“ in Marokko gelaufen. Er lief sechs Tage lang insgesamt 250 km, trug dabei seine eigene Verpflegung und ein Zelt – am Tage war er den Wüstenwinden und dem Sand ausgesetzt  und in der Nacht der kalten Wüstenluft. Obwohl er sich viele Blasen an den Füßen holte, schaffte er es!

In der Wüste zu sein, macht überhaupt keinen Spaß und ich bin mir sicher, dass dies auch unser Volk während seiner Wanderung durch die Wüste vor so vielen Jahren herausgefunden hat. In der Parascha dieser Woche beschäftigen wir uns mit dem Buch B’midbar (4. Mose) – wörtlich: „In der Wüste“. Unser Volk steht kurz davor, die nächsten 40 Jahre damit zu verbringen, sinnlos durch die Wüste zu wandern, da es sich gegen Gott aufgelehnt hatte, bis Gott dann endlich die neue Generation in das gelobte Land führt.

In etwa den ersten vier Kapiteln der Lesung dieser Woche geht es zum großen Teil um die Volkszählung, bei der die Anzahl der Menschen bestimmt wurde, die bereit für den bewaffneten Konflikt waren, der vor ihnen lag.

Was ich jedoch am interessantesten finde, ist, wo Gott selbst Sein Lager errichten wollte

Aber es ist mehr als das: Gott führt genau auf, wie Er das Lager angeordnet haben will – welcher Stamm wo zelten sollte, welcher Stamm sich zuerst auf dem Weg machen sollte usw. Was ich jedoch am interessantesten finde, ist, wo Gott selbst Sein Lager errichten wollte.

Zu diesem Zeitpunkt war die Mischkan (die Stiftshütte) bereits fertig und Gott wohnte mitten unter uns. Aber wo? In der Mitte. Gott lebte nicht am Rande des Lagers oder vorne an seiner Spitze – Gott wohnte in der Mitte, gleich im Herzen des Lagers.

Überall in der Bibel ist das Herz ein Symbol für die Ganzheitlichkeit, die zentrale Rolle und die Wichtigkeit. So wird uns zum Beispiel gesagt, dass wir Gott mit ganzem Herzen lieben sollen. Unsere physischen Herzen liegen an einem strategisch wichtigen Platz – mitten im Zentrum unserer Körper, so dass sie das Blut überallhin pumpen können. Wenn unser Herz zu schlagen aufhört, sterben wir.

Ich denke, dass Gott aus vielen Gründen in unserer Mitte wohnen wollte.

Erstens, um zu zeigen, dass Er kein Gott ist, der weit weg oder getrennt von uns ist, ein Gott, der nichts mit uns zu tun haben will – Er ist ein Gott, der Sich dazu entschließt, direkt in unserer Mitte zu wohnen!

Wir verhärteten unsere Herzen gegen Ihn. Der Rest ist Geschichte.

Zweitens wollte Er, so glaube ich, unserem Volk die Erfolgsstrategie aufzeigen: Wenn wir Erfolg haben wollten, mussten wir uns daran erinnern, dass Gott wie unser physisches Herz ist: Wenn wir uns von Ihm abwenden, werden wir sterben. Der Grund, warum wir nicht ins gelobte Land zogen, als wir dies hätten tun sollen, war, dass wir Gottes Strategie missachteten, Ihm nicht vertrauten und uns stattdessen einen eigenen Plan ausdachten. Wir verhärteten unsere Herzen gegen Ihn. Der Rest ist Geschichte.

Doch heute ist die Situation ganz anders: Gott wohnt nicht mehr in einem Tempel oder einer Mischkan in unserer Mitte und wir ziehen nicht mehr verloren in der Wildnis umher. Doch trotz der fehlenden körperlichen Präsenz Gottes sind Seine Lehren aus dem Lager in B’midbar immernoch wahr. Er ist kein Gott, der weit weg ist. Stattdessen kam Er selbst und lebte unter uns, wurde sogar einer von uns in Form des Messias Jeschua. Und ebenso, wie Er das Lebenszentrum unserer Vorfahren sein musste, wenn sie Erfolg haben wollten, gilt für uns heute dasselbe: Wenn wir uns von Gott trennen, weil wir unsere Hoffnung und unser Vertrauen in etwas/jemanden anderes setzen oder wenn wir andere Quellen für Zufriedenheit und Erfüllung suchen, werden unsere spirituellen Herzen aufhören zu schlagen, da wir uns von der Quelle selbst trennen.

Allerdings hat Gott einen Plan für unsere steinigen Herzen, die sich Ihm gegenüber verhärtet haben: Zweimal im Buch Jehiske’el (Hesekiel / Ezechiel) verspricht Gott, unsere verhärteten Herzen durch weiche zu ersetzen (11.19; 36:36). Was für ein schönes Versprechen! Er ist willens und in der Lage, unsere Herzen zu ändern, damit wir auf Ihn hören und Ihm folgen, wenn wir bereit sind, uns von den Dingen abzuwenden, die uns falsche Hoffnungen machen und wenn wir uns Ihm zuwenden. Dank des Opfertodes des Messias und seiner Auferstehung kann Gott bei uns heute eine Operation am offenen Herzen durchführen!

Wenn ich damals bei unseren Vorfahren in der Wüste gewesen wäre, hätte ich sicherlich Angst gehabt. Und dennoch weiß ich, dass mich die Tatsache, dass Gott mitten unter uns im Herzen des Lagers wohnte, enorm ermutigt hätte.

Heute, trotz der Schwierigkeiten im Leben und seiner „Wüsten“, bekomme ich großen Trost aus der Tatsache, dass Gott mir ein neues Herz gegeben hat und dass Er nun geistlich im Zentrum meines Lebens wohnt. Egal wie sehr du dein Herz Ihm gegenüber verhärtet hast: Er ist willens und in der Lage, dir ein neues zu geben. Ist das nicht der größte Trost, mitten in den Wüsten des Lebens?