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Die Augen des Mannes verrieten heftige Gefühle, als er Corrie Ten Boom seine Hand reichte, einem niederländischen nichtjüdischen Überlebenden des KZ Ravensbrück*. Corrie erkannte ihn sofort als eine der Wachen, die in ihrem Lager Dienst hatten. Sie hatte gerade über die Liebe und Vergebung gepredigt, die wir durch Jeschua bekommen. Wie konnte sie sich weigern, dem Mann die Hand zu schütteln? Und doch fühlte sich ihr Herz wie Stein an…

Jemandem zu vergeben, der uns verletzt hat, kann eines der schwierigsten Dinge sein, die wir tun können. Und doch brauchen wir alle die Vergebung für die vielen Male, bei denen wir andere Menschen mit unserem Handeln und unseren Worten verletzten.

Gott ist auch der Ansicht, dass Vergebung wichtig ist – Er ist in der Tat der Erfinder dieses Konzepts.

Gott ist auch der Ansicht, dass Vergebung wichtig ist – Er ist in der Tat der Erfinder dieses Konzepts. In der Thoralesung dieser Woche, Achare Mot, lesen von dem einen Tag in jedem Jahr, an dem wir alle unsere Sünden vergeben lassen konnten – den Versöhnungstag (Jom Kippur).

Was für ein feierlicher Tag muss das gewesen sein! Ich frage mich, wie sich meine Vorfahren wohl gefühlt hatten, als sie den Hohepriester ins Allerheiligste mit dem Blut des Opfers verschwinden sahen, das ihnen Vergebung und Reinigung für alle Sünden bringen sollte, für alles, das sie in diesem Jahr falsch gemacht hatten. Und was für eine Freude, wenn der Hohepriester wieder lebend zum Vorschein kam – das Opfer war angenommen worden! Das Tier war gestorben, aber wir waren frei! Das Ritual des Versöhnungstages

wirft eine wichtige Frage auf: Ohne Mischkan (Stiftshütte), kein Beit HaMikdasch (Tempel), und wie können wir ohne Altar noch Vergebung der Sünden bekommen? Ist es genug, um zu beten und mitzvot (gute Taten) zu tun? Die Thora scheint in dieser Frage klar Auskunft zu geben: „Denn des Leibes Leben ist im Blut und ich habe es euch für den Altar gegeben, dass ihr damit entsühnt werdet. Denn das Blut ist die Entsühnung, weil das Leben in ihm ist.“ (Wajikra / 3. Mose 17,11) Dahinter steht die Idee eines Tauschs: Das Tier stirbt, sodass wir leben können. Aber was können wir jetzt tun, wo wir keinen Tempel mehr haben? Hat Gott seine Meinung geändert?

„Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“Johannes 15, 13

Wie ich vorher bereits erklärt habe, ist eins der bekanntesten Leitmotif in den bildenden Künsten das Opfer einer Person für jemand anderen. Es scheint nun einmal so ein attraktives und hehres Konzept zu sein: „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.“ (Johannes 15, 13) Die Ironie ist, dass Jeschua derjenige ist, der seinerzeit diese Worte gesprochen hatte. Und das ist genau das, was Er dann tat: Er gab sein Leben, sodass wir leben können. Er starb, damit wir Vergebung haben können. Er wurde vom Vater abgeschnitten, sodass wir wieder eingesetzt werden konnten. Jeschuas Tod und Auferstehung spiegeln das Ritual des Versöhnungstages wider – außer der Tatsache, dass es diesmal ein für allemal war. Vergebung ist jetzt möglich, nur wegen des Todes und der Auferstehung des Messias – egal, was wir verbrochen haben.

Corrie fragte sich, was sie tun sollte. Nach einer Pause, streckte sie die Hand aus und sagte: „Ich vergebe dir.“ Sie war so sehr mit Frieden und Glück erfüllt, weil sie vergeben hatte. Aber der ehemalige Lagerwärter ging auch in Frieden und Glück fort – weil ihm vergeben worden war. Wie ist das mit dir?

*Für weitere Informationen über Corrie Ten Boom, siehe https://www.corrietenboom.com/