Ki Tavo

Erinnerst du dich daran, dass dein Herz mit jedem einzelnen Satz fast überquoll? Für uns, als die jüdische Nation, gab es nie ein Buch, das die Träume unseres Volkes derartig beschäftigte wie das Buch Devarim (5. Mose), in dem Gott einen Pakt mit uns, seinem Volk, schmiedete.

Die dieswöchige Parascha bringt die Kapitel 11-27 zu ihrem Abschluss – sie stellt einen Schnitt dar, der einen besonderen Punkt vermittelt: Segen für Gehorsam und Fluch für Ungehorsam. Wenn wir Fluch und Segen hören, nimmt so mancher vielleicht an, dass Gott Israel segnen will, während die Flüche nur eine theoretische Warnung bleiben. Doch in Wirklichkeit ist es umgekehrt: Gott will Israel mit Flüchen prüfen, es sind die Segnungen, die theoretisch bleiben. Was hältst du von diesen Worten?

Wenn du nun der Stimme des HERRN, deines Gottes, gehorchen wirst, dass du hältst und tust alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, so wird dich der HERR, dein Gott, zum höchsten über alle Völker auf Erden machen. – Devarim (5. Mose) 28,1

Wenn du aber nicht gehorchen wirst der Stimme des HERRN, deines Gottes, und wirst nicht halten und tun alle seine Gebote und Rechte, die ich dir heute gebiete, so werden alle diese Flüche über dich kommen und dich treffen. – Devarim (5. Mose) 28,15

Oi, was sind das für Regeln?

Jetzt denkst du vielleicht: „Oi, was sind das für Regeln?“ Und dann wirst du vielleicht fragen: „Was sind das für Flüche?“ Hier ist eine Auswahl:

Der HERR wird ein Volk über dich schicken von ferne, vom Ende der Erde, wie ein Adler fliegt, ein Volk, dessen Sprache du nicht verstehst, 50 ein freches Volk, das nicht Rücksicht nimmt auf die Alten und die Jungen nicht schont. […] Wenn du nicht darauf hältst, dass du alle Worte dieses Gesetzes tust, die in diesem Buch geschrieben sind, und nicht fürchtest diesen herrlichen und heiligen Namen, den HERRN, deinen Gott, so wird der HERR schrecklich mit dir umgehen und dich und deine Nachkommen schlagen mit großen und anhaltenden Plagen, mit bösen und anhaltenden Krankheiten. Und er wird auch alle Seuchen Ägyptens über dich bringen, vor denen du dich fürchtest, und sie werden dich nicht loslassen; dazu wird der HERR alle Krankheiten und alle Plagen, die nicht geschrieben sind in dem Buch dieses Gesetzes, über dich kommen lassen, bis du vertilgt bist. Devarim (5. Mose) 28,49-50, 28,58-61

Jetzt magst du vielleicht denken: „Ich muss mir unbedingt dieses Gesetzbuch holen!“ Dieses Buch ist das 5. Buch des Moses, genannt Deuteronomium oder Devarim, mit den spezifischen Vorschriften in den Kapiteln 12-26. Aber wir kommen zu spät: Die Flüche sind Israel bereits zugestoßen und zwar im Jahr 586 v.Chr. Damals wurde Israel zerstört und ins Exil geschickt (so berichtet 2. Könige 24-25).

Als ich das zum ersten Mal las, weinte ich. Als ich an das Dorf meiner Großmutter mit seinen 885 Juden denke, die nach Auschwitz deportiert wurden, oder an den Urgroßvater, nach dem ich benannt wurde. Ich sehe die Schoah (den Holocaust) als eine der vielen Katastrophen, die uns begegnet sind. Der Holocaust ist unser jüngstes Unglück, das Exil der Babylonier war unsere große „spirituelle Schlachtung“ – aber wir dürfen nicht vergessen, dass Ägypten ein noch früheres Unglück darstellte. Wir waren Sklaven in Ägypten – und gnädigerweise rettete Gott uns, wie Devarim (5. Mose) erinnert:

Euch aber hat der HERR angenommen und aus dem Schmelzofen, nämlich aus Ägypten, geführt, dass ihr sein Erbvolk sein sollt, wie ihr es jetzt seid. – Devarim (5. Mose) 4,20

Warum fiel Israel?

Warum hat der HERR an diesem Lande so gehandelt? Was ist das für ein großer, grimmiger Zorn?

… ja, alle Völker werden sagen: Warum hat der HERR an diesem Lande so gehandelt? Was ist das für ein großer, grimmiger Zorn? Dann wird man sagen: Darum, weil sie den Bund des HERRN, des Gottes ihrer Väter, verlassen haben, den er mit ihnen schloss, als er sie aus Ägyptenland führte, und sind hingegangen und haben andern Göttern gedient und sie angebetet, Götter, die sie nicht kennen und die er ihnen nicht zugewiesen hat, darum ist des HERRN Zorn entbrannt gegen dies Land, dass er über sie hat kommen lassen alle Flüche, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und der HERR hat sie aus ihrem Lande gestoßen in großem Zorn, Grimm und ohne Erbarmen und hat sie in ein anderes Land geworfen, so wie es heute ist. – Devarim (5. Mose) 29,23-27

Mit dem Tod und der Auferstehung von Jeschua verstand der Apostel Paulus schließlich sehr deutlich, dass wir als jüdische Nation nicht unter dem Gesetz bleiben müssen:

Denn die aus des Gesetzes Werken leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben (5. Mose 27,26): »Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er’s tue!« Dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn »der Gerechte wird aus Glauben leben« (Habakuk 2,4). Das Gesetz aber ist nicht »aus Glauben«, sondern: »der Mensch, der es tut, wird dadurch leben« (3. Mose 18,5). Christus aber hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns – denn es steht geschrieben (5. Mose 21,23): »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt« –, auf dass der Segen Abrahams zu den Heiden komme durch Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben. – Galater 3,10-14

Jeschua treu zu bleiben, auf seine Worte und seine Tat am Kreuz zu vertrauen, für unsere Sünden zu sterben – so nehmen wir in Wirklichkeit das Gesetz an, aber diesmal empfangen wir den Segen von Gottes Vergebung und die Verheißung des ewigen Lebens, denn Jeschua nahm an unserer Stelle den Fluch auf sich.

Die Haftara (Bibellesung) dieser Woche ist bemerkenswert:

Und dein Volk sollen lauter Gerechte sein. Sie werden das Land ewiglich besitzen als der Spross meiner Pflanzung und als ein Werk meiner Hände mir zum Preise. – Jeschajahu / Jesaja 60:21

Durch den Tod des Messias, der die Sünde fortnimmt, kann nun jeder den HERRN anrufen und sich auf das Versprechen berufen, mit Gott für immer in seinem ewigen Reich zu leben. Jesaja 60 beschreibt dabei eine Welt, die die Menschheit nie gekannt hat: Ja, es ist geradezu der Himmel auf Erden! Und du bist auch dazu eingeladen! Und alles, was du tun musst, ist zu glauben, dass Jeschua der Herr ist, der vom Himmel zur Erde gekommen ist, um für deine Sünden zu sterben. Wirst du dies annehmen? So wie die Israeliten mit Gott eine Beziehung eingingen, kannst du das heute auch – mit der sicheren Hoffnung auf Segen und die Vermeidung aller Flüche!