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Verfasst von Leonid Dolganovsky

„Lass mein Volk ziehen!“

Dies ist ein klassisches Zitat. Es wurde sogar zu einem Negrospiritual!

Dies ist ein klassisches Zitat. Es wurde sogar zu einem Negrospiritual! Endlich sind wir in unseren Lesungen zu einem der wichtigsten Ereignisse vorgedrungen, wenn nicht sogar zur wichtigste Begebenheit überhaupt in der jüdischen Geschichte: dem Exodus.

Gott macht Mose gegenüber sehr klar, dass er sich nicht auf sich selbst oder seine begrenzten Macht verlassen soll

Unsere Parascha beginnt diese Woche mit einem Versprechen, das Gott Mose gegenüber macht: „Da sprach der HERR zu Mose: Nun sollst du sehen, was ich dem Pharao antun werde; denn durch meine starke Hand muss er sie ziehen lassen, und durch meine starke Hand muss er sie aus seinem Lande treiben.“ (Schemot / 2. Mose 6, 1) Gott macht Mose gegenüber sehr klar, dass er sich nicht auf sich selbst oder seine begrenzten Macht verlassen soll, sondern dass es größere und weisere Mächte gibt, auf die man sich verlassen kann, nämlich Gott. Gott wollte, dass Mose sich auf ihn verlässt und nicht auf seine eigene Macht, und er will dasselbe von uns. Mose verstand das und konsultierte Gott vor jedem Schritt, den er tat. Das ist natürlich auch uns eine Lehre: Wir machen immer wieder Fehler, und wir sollten demütig aus ihnen lernen, in unserem Dienst für den Herrn. Wir sollten sie aber auch nutzen, um uns selbst über unsere Abhängigkeit von Gott bewusst zu werden. Gott erteilt Mose eine Lehre, indem er ihn bei seinen ersten Schritten als Anführer versagen lässt, bevor er uns durch mächtige Wunder rettet.

In unserer Parascha erinnert sich der Herr seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob und beginnt, unser Volk zu befreien. Es gibt interessante Parallelen zwischen dem Exodus und Abrahams Geschichte. Zuerst floh Abraham aus seiner Sklaverei, aus Ur – während dann eine ganze Nation aus Ägypten und seiner Sklaverei fortzieht. Zweitens wissen wir aus der Tradition, dass es in Ur viele heidnische Götter gab; in der Exodus-Geschichte Jahrhunderte später gab es auch eine Fülle von Götzen in Ägypten. In beiden Fällen war das Ziel der Flucht aus dem Herkunftsland nicht nur die Abkehr von einem heidnischen System, sondern auch ein Weg, der Abraham – und später unser gesamtes Volk – dem Herrn näherbringen und ihn erkennen lassen sollte. Es gibt einen Grund dafür, dass diese Parascha Wajera heißt – übersetzt bedeutet das: „Und ich erschien.“ Dies sind Gottes Ziele für uns: Dass wir frei von der Sklaverei sind, dass wir ihn erkennen und dass wir ihm nah sind.

Doch die Plagen waren auch notwendig für Israel – um jeden Götzendienst in unserem Volk zu tilgen.

Was die falschen Götter betrifft, die Abraham und unser Volk zurücklassen mussten, so ist das erste Gebot, das später gestiftet wurde: „Ich bin der Herr, dein Gott. … Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ (Shemot / 2. Mose 20, 1-2) Somit ist eindeutig klargestellt, dass der Herr Götzenbilder hasst. Die Plagen, die er über Ägypten brachte, sind daher vor allem Ausdruck der Überlegenheit Gottes über alle ägyptischen Götter und Götzen. Doch die Plagen waren auch notwendig für Israel – um jeden Götzendienst in unserem Volk zu tilgen. Der Herr ist ein eifersüchtiger Gott und will uns nicht mit irgendwelchen Götzen in unserem Leben teilen – ob aus Holz oder Stein, wie bei den alten Ägyptern, oder aus Selbstvertrauen, Stolz und Selbstliebe in heutigen Zeiten.

Aber was genau war das Hauptziel des Auszugs aus Ägypten? In Schemot / „. Mose 8, 16 lesen wir: „So spricht der HERR: Lass mein Volk ziehen, dass es mir diene.“ Diese Passage macht deutlich, dass das wirkliche Ziel unserer Freiheit vor allem die Anbetung und der Dienst des Herrn ist. Und so kann es passieren, dass Menschen, die sich entschieden haben, dem Herrn zu folgen, in die Welt der Sklaverei zurückkehren, wenn sie nicht den Dienst am Herrn zu ihrem Hauptziel gemacht haben. Was Gott wirklich für uns will, ist unsere Befreiung von der Sklaverei und unsere Hingabe, um ihm allein zu dienen.

Viel später sprach Gott durch Mose zu unserem Volk: „Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde. Doch wer meine Worte nicht hören wird, die er in meinem Namen redet, von dem will ich’s fordern.“ (Dvarim / 5.Mose 18, 18-19) Diese Worte beziehen sich natürlich auf den Messias – auf Jeschua. Die letzten Worte des Zitats kann man auch interpretiert als. „Ich werde von ihnen Rechenschaft fordern, wenn sie nicht hören wollen.“ Während also der Allmächtige dem Mose sagte, dass er den Pharao zwingen wird, das Volk Israel ziehen zu lassen, damit es ihm dienen kann, sagt er später etwas Ähnliches, das aber diesmal dem ganzen Volk Israel gilt. Wenn Israel nicht auf die Worte des Messias hört, müssen wir die Konsequenzen tragen.

Wie sieht es bei Dir aus? Lebst du ein Leben der Freiheit, im Dienste des Messias, so wie es Gott beabsichtigt hat? Denk einmal darüber nach!