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Verfasst von Aaron Lewin

Religiöser Extremismus – wie er sein sollte

Jetzt ist Deutschland an der Reihe. Es war so lange vom Terror verschont geblieben, doch innerhalb einer Woche ist das Land dann doch ziemlich hart getroffen worden.

Jetzt ist Deutschland an der Reihe. Es war so lange vom Terror verschont geblieben, doch innerhalb einer Woche ist das Land dann doch ziemlich hart getroffen worden. Zwar scheinen nicht alle Angriffe von religiösem Extremismus motiviert worden zu sein, doch haben sie bei vielen auch wegen der jüngsten Anschläge in Frankreich und Belgien zu Rufen geführt, diesen Extremismus endlich zu stoppen. Und sie haben absolut recht.

Es gibt natürlich auch eine andere Art von religiösem „Extremismus“. Einen, der zu Ausbrüchen von extremem Mut führt, von extremer Güte, und zu einer extremen Neigung, sich für andere zu opfern.

Es gibt natürlich auch eine andere Art von religiösem „Extremismus“.

Ein solches Beispiel befindet sich in der Parascha-Lektion dieser Woche, genannt Pinchas. Nach dem 40 Jahre langen Irren durch die Wüste, weil sie Gott nicht vertraut hatten, gab es eine neue Zählung des Volks. All diejenigen, die rebellisch waren, waren inzwischen gestorben, und es blieb die neue Generation übrig – eine Generation, die durch die Gnade Gottes das Land erben sollte, das ihren Vätern versprochen wurde. Nach einer langen Liste von Namen und Zahlen, wird nebenbei bemerkt: „Und so blieb keiner von ihnen übrig als Kaleb, der Sohn Jefunnes, und Josua, der Sohn Nuns.“ (Bemidbar / 4. Mose, 26,65). Auf den ersten Blick scheint das keine besondere Bedeutung zu haben, bis wir erkennen, warum Josua und Kaleb verschont blieben: Sie waren religiöse „Extremisten“ im richtigen Sinne des Wortes – während alle anderen Kundschafter einen schlechten Bericht vom gelobten Land gaben, waren sie die einzigen, die darauf vertrauten, dass Gott sein Versprechen halten würde, trotz der sehr realen Bedrohungen, auf die sie gestoßen waren (siehe Bemidbar / 4. Moses 13, 25-33). Gott belohnte ihr Vertrauen in ihn, indem sie das Land betreten ließ.

Wir begegnen noch einem weiteren Beispiel in der Haftarah (Lesung) dieser Woche: Die begleitende Textstelle kommt von den Propheten (Mlachem Alef / 1. Könige 18, 46-19, 21). Wir spulen schnell vor in die Zeit der Könige von Israel – Ahab, ein schlechter, von Gott abgefallener König, regiert und es gibt nur eine Person, die es wagt, sich ihm entgegenzustellen: Elia. Das ist extrem! Elia fühlte sich ganz und gar alleine und von den Menschen verlassen, doch war er so extrem in seinem Glauben und seinem Vertrauen in Gott, dass Gott ihn für große Werke nutzen konnte (so für das Feuer vom Himmel), um den Menschen zu zeigen, dass der Gott Israels der wahre Gott war.

Wenn man Beispiele wie diese liest, fühlt man sich manchmal unwohl. Man muss doch sicher nicht so extrem sein wie die, oder? Es gibt doch auf der einen Seite normale und auf der anderen Seite extreme Menschen? Können wir, die nach Gottes Willen leben wollen, nicht einfach normal sein?

Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. 5. Mose / Dvarim 6, 5

Extrem ist das neue Normal. Die ganze Thora hindurch lesen wir Gebote, die wir als extrem oder absolut definieren könnten: „Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5. Mose / Dvarim 6, 5). Nicht mit ein wenig, nicht mit ein bisschen mehr, sondern all deiner Kraft. Was glaubt Gott eigentlich, wer er ist, dass er einen solch extremen Gehorsam verlangt?! Was ist mit unseren Menschenrechten? Was mit der Zeit, in der wir leben, in der wir alle frei sind, das zu tun, was immer wir wollen?

Gott ist der erste religiöse „Extremist“. Als er in Form von Jeschua, dem Messias, auf die Erde kam und unter uns gebrochenen Menschen in dieser zerbrochenen Welt lebte, tat er das aus Liebe. Als er zu Unrecht verhaftet, gefoltert und hingerichtet wurde, starb er nicht als Märtyrer, sondern für uns. Er tat es aus Liebe. Und heute, wenn er uns die Möglichkeit bietet, Vergebung für die schlechten Dinge zu bekommen, die wir getan haben, um uns ein neues Leben zu geben und unsere zerbrochene Beziehung zu Gott wiederherzustellen, tut er es aus Liebe. All das sind extreme Handlungen, die aus extremer Liebe für ein extrem verlorenes und gebrochenes Volk getan werden – für uns.

Gott erwartet extreme Hingabe von uns, weil er ein Gott ist, der sich uns extrem widmet. Aber wenn wir immer wieder gegen ihn rebellieren und diese Liebe zurückweisen, die er bietet, respektiert er unsere Entscheidung. Wenn wir uns dazu entscheiden, eine Ewigkeit ohne ihn zu verbringen, erlaubt er uns das. Wenn wir den Tod und nicht das Leben wählen, überlässt er die Entscheidung uns. Er bittet uns nicht darum, etwas für ihn zu tun, das er für uns nicht schon getan hätte.

Gott ist ein extremer Gott – extrem in seiner Liebe und extrem in seiner Heiligkeit. Deshalb will er, dass wir auch extrem sind – nicht wie die Terroristen, sondern eher wie Jeschua. Dass wir so extrem in unserer Liebe zu Gott und zu anderen sind, dass wir NICHT andere töten, sondern, dass wir eher für andere sterben würden, so wie er für uns gestorben ist. Der religiöse Extremismus, den wir in den Nachrichten sehen, bei dem Menschen sterben, ist abgrundtief böse und sollte von jedem abgelehnt werden.

Aber der religiöse „Extremismus“ von Anhängern von Jeschua, führt zu wunderbaren Taten der Liebe, Güte und Aufopferung und darf gelobt werden. Für eine jüdische Person ist eine der extremsten Entscheidungen, die wir treffen können, diejenige, unseren Glauben in Jeschua zu setzen. Wir mögen Freunde, Familie usw. verlieren, aber wir gewinnen den Messias und den Zugang zum Vater. Bist du bereit, diesen extremen Schritt zu tun?