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Wenn man den Einfluss eines Liedes messen will, empfiehlt es sich, einen Blick auf seine Langlebigkeit zu werfen – und MC Hammers Rap-Hit „U can’t touch this“ („Nicht anfassen!“ oder „Da kommst du nicht ran!“) von 1990 hat diesen Test sicherlich bestanden: Er wurde schnell mit Gold bedacht und ist in einigen Hitlisten der „besten Songs aller Zeiten“ enthalten. Der Titel ist sogar zum geflügelten Wort der Pop-Kultur geworden, und ich und meine Freunde an Schule und Uni haben oft diese zeitlosen Worte gesprochen.

Doch während die (Pop-) Kultur schon ziemlich unstet ist, ist es kaum zu glauben, wie sich einige Motive immer wieder wiederholen. Ob MC Hammer es wusste oder nicht: Sein Sloganklassiker „U can’t touch this“ ist schon Tausende von Jahren alt und stammt aus Zeit der Gabe der Thora am Berg Sinai; er ist besonders relevant für die Paraschat-Lektion dieser Woche. Wer hätte das gedacht?!

Dreimal sagt Gott, dass Er derjenige ist, der uns heiligt

Während der Leseabschnitt dieser Woche „Emor“ relativ vielfältig ist, ist sein übergeordnetes Thema (des ganzen Buches, übrigens) die Idee der Heiligkeit. Dreimal sagt Gott, dass Er derjenige ist, der uns heiligt (der uns heilig macht, Wajikra / 3. Mose 21,23;. 22,9; 22,16) und wir sehen immer wieder, dass Er erwartet, dass wir, sein Volk, auch heilig sind. Aber was bedeutet es, heilig zu sein? Es ist nicht gerade ein häufig benutztes Wort und ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen Schwierigkeiten dabei haben, es zu definieren.

Bei einem Blick in die Wörterbücher1 finden wir heraus, dass das hebräische Wort für heilig, קדוש (kadosch) für Dinge verwendet wird, die abgesondert oder anders sind. Mit anderen Worten, „Nicht anfassen!“ Wenn ich MC Hammers Text richtig verstanden habe, besagt er im wesentlichen, dass es niemanden wie ihn in der Rap-Welt gibt – dass er unantastbar ist. Ich glaube, dass Gott das Gleiche sagt – er ist der unantastbare, unvergleichliche Gott und sollte auch als solcher behandelt werden. Während MC Hammers Anspruch auf Selbstüberschätzung basiert, basiert Gottes Anspruch auf der Wirklichkeit: Er ist viele Welten von uns entfernt – und die einzige Möglichkeit, mit der wir mit ihm zu tun haben können, ist, wenn Er sich dazu entschließt, mit uns zu tun zu haben.

Der unantastbar Gott möchte, dass seine Schöpfung ebenfalls unantastbar wird.

Umso bemerkenswerter ist, dass dieser ferne, unberührbare Gott überhaupt mit uns zu tun haben will und dass Er seinen Wunsch, uns heilig zu machen, bekräftigt. Der unantastbar Gott möchte, dass seine Schöpfung ebenfalls unantastbar wird. Es gibt nur ein Problem…

Der Prophet Jeschajahu (Jesaja) erklärt in Kapitel 59, 1-2: „Siehe, des HERRN Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht hart geworden, sodass er nicht hören könnte, sondern eure Verschuldungen [Fehltritte] scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, dass ihr nicht gehört werdet.“ Die vielen Fehltritte, die wir jeden Tag begehen in Gedanken, Worten und Werken, bauen ständig eine Wand auf, die uns von Gott trennt. Und so wird Er wirklich unantastbar – aber in einem negativen Sinne. Auch wenn Er mit uns zu tun haben will, haben wir eine Mauer zwischen uns und ihm aufgebaut.

Und doch finden wir in unserer Thora-Lektion enorme Hoffnung: Gott ist derjenige, der uns heiligt, heißt es da. Er ist fähig, die Wand zu zerstören, die wir in unserer Rebellion gegen ihn aufgebaut haben – und das schneller, als die Berliner Mauer 1989 fiel. Er ist derjenige, der uns heilig macht, und nicht wir. Tatsächlich wurde der unantastbare Gott in Form des Messias Jeschua sehr antastbar, aus genau diesem Grunde: Wir können unseren spirituellen Zustand nicht aus eigener Kraft ändern. Durch seinen Tod und seine Wiederauferstehung ist der Weg zu Gott jetzt offen – Er ist nicht mehr unantastbar in dem Sinne, dass wir ihn nicht mehr erreichen können. Ganz im Gegenteil: Er kam selbst zu uns, um uns zu erreichen. Und jetzt bietet Er uns die Option an, auch unantastbar zu werden – Er erneuert uns geistig und bietet uns ein neues Leben an.

Gott kann manchmal unnahbar erscheinen. Tatsächlich kommentiert Rabbi Joe Rooks2: „Eine Beziehung zu Gott zu haben, ist eine ungewisse Sache: Man kann nie wirklich wissen, was Gott denkt, ob Gott da ist oder wie wir echte Zeugen von Gottes Willen in der Welt sein können.“ Vielleicht hast du auch diese Erfahrung gemacht – ich habe das auf jeden Fall genauso erlebt, bis ich in meinem Glauben voll auf den Messias Jeschua gesetzt habe. Während ich sicherlich dem Rapper MC Hammer mit dem Erfolg seines Slogans nicht das Wasser reichen kann, kann ich mich doch sicher Gott durch Jeschua nähern. Es sieht so aus, als ob MC Hammer letztendlich falsch lag: You can touch this!

1 https://www.blueletterbible.org/lang/lexicon/lexicon.cfm?strongs=H6918
2 http://www.reformjudaism.org/how-do-we-make-god-holy