not-listening

Ich hasse es, Unrecht zu haben – aber ich denke, das gilt für uns alle. Besonders schmerzhaft ist es, wenn wir eine falsche Entscheidung gegen den Rat von jemandem treffen, den wir kennen, lieben und dem wir vertrauen – jemandem, auf den wir hätten hören sollen, es aber nicht taten.

Manchmal machen wir Fehler, weil wir nicht erkennen, dass es andere vielleicht besser wissen als wir.

Ich erinnere mich daran, wie ich oft als Kind den Rat meiner Eltern ausgeschlagen habe, nur um dann im Nachhinein zu erkennen, dass sie doch Recht hatten. Und nun, als Vater, beobachte ich, wie meine eigenen kleinen Kinder oft meinen Rat zu Gunsten ihrer eigenen Weisheit ausschlagen. So ist die menschliche Natur nun einmal – manchmal machen wir Fehler, weil wir nicht erkennen, dass es andere vielleicht besser wissen als wir. Ich weiß es nicht immer besser als meine Kinder, aber ihre Fehler entstehen oft, weil sie mich oder ihre Mama nicht um Rat gebeten haben, oder weil sie nicht auf unseren Rat hören wollten. Ungehorsam kann zu schweren Kopfschmerzen führen!

In der Toralesung dieser Woche, Bechukotai, kommen wir an das Ende des Buches Wajikra / 3. Mose, und es endet mit einem wirklichen Höhepunkt: Gott hat uns Seine Anweisungen dazu gegeben, wie wir so leben können, dass es Ihm gefällt und wie es am Besten für uns ist und somit endet das Buch, indem es von Gehorsam spricht. Gott, wie die meisten Eltern auch, erzieht uns mit „Zuckerbrot und Peitsche“. Er segnet uns, wenn wir gehorchen und Er diszipliniert uns, wenn wir dies nicht tun. Die vielen Strafen für Ungehorsam sind erschreckend: Panik, Krankheit, Hunger, Invasion, Exil, Tod, Auslieferung an die Feinde usw. Man muss dabei aber beachten, dass die Strafen nacheinander erfolgen sollten, nicht gleichzeitig. Gott wollte mit jeder Strafe unsere Aufmerksamkeit bekommen, so dass wir umkehren und zu ihm zurückkehren konnten, ganz wie ein Elternteil seine Kinder straft, um sie zu bessern, nicht um sie rachsüchtig zu vernichten. Wenn eine Strafe nicht unsere Aufmerksamkeit mit sich zog, wählte Er eine andere. Und Er versprach uns, uns zu segnen, wenn wir Ihm gehorchten, sodass wir einen Anreiz haben würden, auf Ihn zu hören und Ihm zu vertrauen.

Trotz der Appelle und Warnungen, wählten wir aber die Peitsche statt des Zuckerbrots.

Trotz der Appelle und Warnungen, wählten wir aber die Peitsche statt des Zuckerbrots. Wir dachten, dass wir es besser wüssten.

Beim Lesen der Liste aufeinanderfolgender Strafen erkennen wir mit Erstaunen, dass alle bis ins letzte Detail erfüllt wurden, bis sie in unserem Exil in Babylon gipfelten. Im gesamten Tanach und bis auf den heutigen Tag sehen wir, dass wir Gott immer wieder aufgegeben haben zugunsten der Anbetung anderer Götter – Götzen, die nicht wirklich Götter sind. Damals waren sie aus Holz und Stein, heute bestehen sie aus Ängsten, Arbeit, Anerkennung… Ob damals oder heute: Wir haben uns immer wieder dazu entschlossen, Gottes Weisung abzulehnen und stattdessen versucht, Zufriedenheit und Trost in anderen Dingen zu finden. Stattdessen machen diese uns aber leer, brechen und versklaven uns.

„Da werden sie dann bekennen ihre Missetat… Und ich werde meines Bundes mit Jakob… Isaak und … Abraham [gedenken].“Wajikra / 3. Mose 26, 40-42

Und doch gibt es Hoffnung. Gegen Ende der Warnungen vor Ungehorsam, sagt Gott uns: „Da werden sie dann bekennen ihre Missetat… Und ich werde meines Bundes mit Jakob… Isaak und … Abraham [gedenken].“ (Wajikra / 3. Mose 26, 40-42). Egal, wie weit wir gegangen sind, egal, was wir getan haben: Er hat uns nicht vergessen und Er hat uns nicht aufgegeben, so wie ein guter Vater nie seine Kinder aufgibt, egal, was sie tun.

Manchmal tappen wir fälschlicherweise in die Falle, zu denken, dass wir die Liebe Gottes verdienen müssen, so als ob ein Kind das Recht auf Zugehörigkeit zu seinem Vater verdienen müsste! Zum Beispiel gibt es eine alte talmudische Behauptung, dass Gott uns erlösen wird, wenn jede jüdische Person in einer Generation bloß zwei Sabbate hält (Schabbat 118b) – in anderen Worten, würde Er uns erlösen, wenn wir würdig wären, wenn wir es verdient hätten. Aber der Gott des Tanach zeigte uns Seine große Barmherzigkeit, indem Er uns den Messias – unsere Erlösung –  sandte und das zu einer Zeit, als wir Seiner am allerwenigsten würdig waren – nämlich unter römischer Herrschaft, die gerade die Strafe für unseren Ungehorsam Ihm gegenüber war. Jeschua, der Messias, starb für unseren Ungehorsam und um uns von unseren Götzen zu befreien zu einer Zeit in der wir als Nation in einem Zustand des Ungehorsams und der Feindschaft mit Gott verharrten. Was für ein Erbarmen! Was für eine Gnade! Was für ein liebender Vater, der sich danach sehnt, dass wir zu Ihm zurückkehren!

Nicht jeder wächst mit einem Vater auf und viele wachsen nicht mit guten Vätern auf – du selbst vielleicht nicht. Wie dem auch sei – der Gott der Bibel ist ein liebender und guter Vater, der sich danach sehnt, dass wir erkennen, dass wir falsch lagen, dass wir unsere Fehler zugeben und dass wir zu Ihm zurückkehren und Er wird das nutzen, was die jeweilige Person gerade braucht – Zuckerbrot oder Peitsche – weil Er uns so sehr liebt. Sein Versprechen in Wajikra / 3. Mose besteht noch heute: „Da werden sie dann bekennen ihre Missetat… Und ich werde meines Bundes mit Jakob… Isaak und … Abraham [gedenken].“ Er hat schon lange versucht, auch deine Aufmerksamkeit zu erlangen. Bist du bereit, auf Ihn zu hören?