Jesus liebt Felix Melstein

Ich hielt einen Artikel aus einer Odessaer Zeitung hoch. Er berichtete, dass gegen unseren führenden Widersacher Anklage erhoben worden war. Kurz zuvor war seine Verstrickung in einen internationalen Betrug ans Licht gekommen.

Damit ging ein ziemlich angespannter und langwieriger Kampf zu Ende. Begonnen hatte er an Purim – dem Fest, an dem wir Gottes Rettung unseres Volkes durch eine unwahrscheinliche Retterin (nämlich Königin Esther) feiern. Leiter der jüdischen Gemeinde von Odessa hatten eine Purim-Feier geplant. Wir Juden für Jesus waren ebenfalls dort und wollten Literatur über Gottes endgültige Rettung verteilen – durch einen anderen unwahrscheinlichen Retter (nämlich den Messias Jeschua [Jesus]). Die Festlichkeiten mussten vorzeitig beendet werden; ein anonymer Anrufer hatte nämlich der Polizei mitgeteilt, er habe eine Bombe in dem Theater platziert, wo die Purim-Feier stattfand. Die Polizei sah sich zur Evakuierung des Theaters gezwungen, und die Feier war abrupt zu Ende.

Wie sich herausstellte, gab es dort keine Bombe. Doch nur wenige Tage später ereigneten sich in Odessas Presse und Lokalfernsehen gewisse Explosionen ganz anderer Art. Felix Melstein, ein Leiter der örtlichen jüdischen Gemeinde, machte dort seine Theorie publik, dass wir Juden für Jesus hinter der falschen Bombendrohung steckten.

Statt unsere Unschuld zu beteuern, beschlossen wir, die Liebe des Messias zu unserem Widersacher zu verkünden.

Unsere Reaktionsweise mag Sie überraschen. Statt unsere Unschuld zu beteuern, beschlossen wir, die Liebe des Messias zu unserem Widersacher zu verkünden. Nach weniger als einer Woche veranstaltete Juden für Jesus Odessa in der städtischen Haupt-Fußgängerzone Paraden unter dem Titel: „Jesus liebt Felix Melstein!“
„Wer ist denn Felix Melstein?“, erkundigte sich ein Passant bei einem Juden für Jesus.
„Ein Mensch, den Jesus sehr liebhat.“
„Und hat dieser Felix Melstein euren Jesus auch lieb?“, erkundigte sich der Passant lächelnd.
„Nicht besonders, nehmen wir an. Jedenfalls noch nicht. Aber vielleicht kommt das noch. Vielleicht sogar bald.“

Die falschen Anschuldigungen gegen Juden für Jesus wurden immer heftiger. Bald verklagte man uns nicht nur als öffentliche Übeltäter, sondern als Front für neofaschistische Gruppen.

Im Westen können unbegründete Anschuldigungen für den Ankläger ziemlich riskant sein. Verleumdung und Verunglimpfung sind ernste Vergehen, und Gerichtsprozesse gibt es da in rauen Mengen. In der ehemaligen Sowjetunion allerdings herrscht eine andere Haltung. Offiziell ist man zwar (genau wie auch im Westen) unschuldig, bis die Schuld bewiesen wird. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Als Angeklagter gilt man als schuldig, bis man die eigene Unschuld jenseits aller berechtigten Zweifel bewiesen hat. Deshalb waren die zur regelmäßigen Überwachung religiöser Gruppen eingesetzten örtlichen Beamten verwirrt und sogar beunruhigt, als wir jedwede Verteidigung unserer Unschuld ablehnten. „Wir brauchen überhaupt nichts zu beweisen“, teilten wir ihnen mit. „Sollen doch unsere Ankläger handfeste Beweise zur Untermauerung ihrer Anklagen vorlegen.“

Wir wollten uns nicht verteidigen.

Je mehr wir eine Verteidigung ablehnten, desto mehr warfen die örtlichen Beamten uns schiefe Blicke zu. Aber wir waren überzeugt: Das Anfechten dieser Beschuldigungen würde lediglich Zeit und Energie von unserem schlichten Ziel und Zweck abziehen – nämlich das Evangelium zu verkünden. Wir wollten uns nicht verteidigen. Wir wollten das Evangelium weitersagen. Und genau das taten wir auch.

Tatsächlich verdoppelten wir sogar unsere Anstrengungen zur Verkündigung des Evangeliums. Wir verteilten mehr Traktate, und wir besuchten mehr Suchende. Wenn die Beamten uns schon „den Laden dichtmachen“ wollten (und das wegen einer Tat, die wir gar nicht begangen hatten) – dann wollten wir uns wenigstens nach bestem Vermögen „des Verbrechens schuldig machen“, so vielen Menschen wie irgend möglich von Jesus zu erzählen. Wir fuhren fort in unserer Predigt des Evangeliums; und wir fuhren fort im Gebet. Ganz besonders beteten wir, dass Gott den Plänen unseres Widersachers Einhalt gebieten und die Seele unseres Widersachers retten möge.

Fünf Monate später erfuhren wir durch unsere Kollegen in Odessa von einem weiteren Zeitungsartikel. Diesmal allerdings war Felix Melstein selber die Zielscheibe. Man hatte ihn in Odessa verhaftet, und seine Frau wurde in Israel in Gewahrsam genommen. Es hieß, sie hätten Juden aus Odessa um mehrere Tausend Dollar betrogen – mit dem Versprechen, das Geld aus der Ukraine nach Israel zu bringen.

Felix Melsteins Glaubwürdigkeit als Widersacher gegen die Ansprüche des Messias lag in Trümmern. Doch niemand an diesem Morgen freute sich über seinen Fall. Schließlich warnt die Bibel ja ausdrücklich: „Freue dich nicht über den Fall deines Feindes, und wenn er strauchelt, so frohlocke dein Herz nicht“ (Sprüche 24,17).

Der Herr möchte auch das Herz eines Widersachers zur Demut leiten.

Warum sollte es dem Herrn missfallen, wenn wir uns über den Sturz eines Widersachers freuen, der doch uns zu Fall bringen wollte? Vielleicht möchte der Herr mehr bewirken, als lediglich die Hände eines Widersachers zu lähmen. Der Herr möchte auch das Herz eines Widersachers zur Demut leiten.

Jeschua hat Felix Melstein tatsächlich lieb. Jeschua ist für Felix Melstein gestorben und von den Toten auferstanden. Jeschua wartet darauf, dass Felix Melstein Buße tut.

Die produktivste Reaktionsweise zur Vernichtung von Plänen eines Widersachers besteht darin, um die Errettung dieses Widersachers zu beten. Und genau das haben wir getan.

Wir preisen Gott für seinen Schutz. Und wenn Felix Melstein zum Herrn umkehrt – dann werden wir uns freuen!