Psalm 25,1–15
1 Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. (ELB)
2 Ich vertraue auf dich, mein Gott! Lass mich nicht zugrunde gehen und lass nicht zu, dass meine Feinde sich an meiner Niederlage freuen.
3 Alle, die dir vertrauen, werden nicht untergehen, doch die, die andere betrügen wollen, werden zu Fall kommen.
4 Herr, zeige mir die Wege, die ich gehen soll, und weise mir die Pfade, denen ich folgen soll.
5 Führe mich und lehre mich, nach deiner Wahrheit zu leben, denn du bist der Gott, der mich rettet. Auf dich hoffe ich zu jeder Zeit.
6 Herr, denke an deine Gnade und an dein Erbarmen, die du von jeher gezeigt hast.
7 Herr, vergib mir die Sünden meiner Jugend und sieh mich mit gnädigen Augen an, denn du bist gütig.
8 Der Herr ist gut und gerecht; darum zeigt er den Sündern den richtigen Weg.
9 Er zeigt den Demütigen, was richtig ist, und lehrt sie seinen Weg.
10 Mit Gnade und Treue leitet der Herr alle, die seinen Bund halten und seinen Geboten gehorchen.
11 Herr, vergib mir meine große Schuld, damit dein Name geehrt wird.
12 Wie steht es mit dem Menschen, der den Herrn ernst nimmt? Der Herr wird ihm den Weg zeigen, den er gehen soll.
13 Es wird ihm gut gehen und seine Kinder werden das ganze Land besitzen.
14 Die Freundschaft mit dem Herrn gebührt denen, die ihn ernst nehmen. Er lässt sie wissen, wozu sein Bund mit ihnen da ist.
15 Ich richte meine Augen stets auf den Herrn, denn er wird mich aus den Fallen befreien, die meine Feinde mir stellen. (NLB)
Ein neues Jahr – und neue Hoffnung
Es ist ein neues Jahr, und wir schauen hoffnungsvoll nach vorne – auf ein Jahr voller Möglichkeiten. Gleichzeitig wissen wir: Überall, wohin wir blicken, gibt es Unsicherheit. Woher kommt unsere Hoffnung? Die Themen von Chanukka und Weihnachten zeigen uns einen Gott, der unseren tiefsten Bedürfnissen begegnet.
Und nun, zu Beginn des Jahres 2026, richten wir unseren Blick erneut auf unseren Gott.
Hier sind drei Schritte für einen guten Weg mit Gott im Jahr 2026:
1. Vertraue dem Herrn
In Psalm 25 beginnt der Beter damit, Gott seine „Seele“ anzuvertrauen. Er sagt: „Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. Ich vertraue auf dich, mein Gott!“ (V. 1–2)
Das hebräische Wort, das hier mit „Seele“ übersetzt wird, ist nephesch. Darüber müssen wir kurz sprechen, denn unser Denken ist stark von der griechischen Philosophie geprägt – besonders von Platon. Dort werden „Körper“ und „Seele“ als zwei getrennte Teile des Menschen gesehen. Nach dieser Sicht sollte körperlicher Schmerz keinen Einfluss auf das geistliche Wohlbefinden haben.
Im hebräischen Denken gibt es diese Trennung nicht.
In Hiob 14,22 lesen wir: „Sein Fleisch fühlt nur noch für sich selber Schmerz, und seine Seele trauert nur um sich.“ (NLB)
In Psalm 31 beschreibt David, dass seine Kraft wegen seiner Sünde schwindet und seine Knochen verfallen. Das Leiden betrifft sein ganzes Wesen – Körper, Seele und Geist.
Nephesch bedeutet schlicht: lebendig sein. Das Wort taucht bereits im Schöpfungsbericht auf, wo es sich auf die „lebendigen Wesen“ im Meer und auf der Erde bezieht (1. Mose 1,20–24). Später wird es für alles verwendet, was den „Atem des Lebens“ hat (nephesch chajjah, 1. Mose 1,30).
Auch im zweiten Schöpfungsbericht (1. Mose 2) lesen wir, wie Gott den Menschen aus Staub formte, ihm den Atem des Lebens einhauchte – und der Mensch wurde ein lebendiges Wesen (nephesch chajjah, 1. Mose 2,7).
Wenn der Psalmist in Psalm 25 also seine Seele Gott anvertraut, dann bringt er sein ganzes Leben vor Gott: seinen Verstand, seine Gefühle – ob hoch oder tief –, seinen Körper – ob leidend oder gesund. Es ist eine bedingungslose Erklärung des Vertrauens in Gott.
Dieses Vertrauen zieht sich durch die Psalmen: „Doch ich vertraue auf dich, Herr... Du bist mein Gott; Meine Zukunft liegt in deinen Händen.“ (Ps 31,15–16).
„Doch wenn ich Angst habe, vertraue ich dir… ich vertraue auf Gott, warum sollte ich mich fürchten?“ (Ps 56,4,12).
„Auf dich vertrauten unsere Väter… zu dir schrien sie und wurden gerettet; sie vertrauten auf dich und wurden nicht zuschanden.“ (Ps 22,5–6).
2. Suche den richtigen Weg
Dann betet der Psalmist: „Herr, zeige mir die Wege, die ich gehen soll, und weise mir die Pfade, denen ich folgen soll. Führe mich und lehre mich, nach deiner Wahrheit zu leben, denn du bist der Gott, der mich rettet. Auf dich hoffe ich zu jeder Zeit.“ (V. 4–5)
In den Versen 8–10 wird erklärt: „Der Herr... zeigt den Sündern den richtigen Weg“.
Wir treffen jeden Tag Entscheidungen. Diese Entscheidungen prägen unseren Lebensweg. Manchmal sind sie egoistisch, manchmal fehlgeleitet. Als Jeschuas Jüngerinnen und Jünger dürfen wir Gottes Wunsch ernst nehmen, uns auf den richtigen Weg zu führen.
Der Psalm sagt weiter:
„Er zeigt den Demütigen, was richtig ist, und lehrt sie seinen Weg. Mit Gnade und Treue leitet der Herr alle, die seinen Bund halten und seinen Geboten gehorchen.“
Jeschua lehrt uns zu beten: „…und führe uns nicht in Versuchung…“
Und Psalm 16,11 bekräftigt: „Du wirst mir den Weg zum Leben zeigen und mir die Freude deiner Gegenwart schenken.“
3. Gehe in der Vergebung
„Herr, vergib mir die Sünden meiner Jugend und sieh mich mit gnädigen Augen an, denn du bist gütig.“ (V. 7)
Gott will vergeben: „Unsere Herzen sind voll Sünde, doch du vergibst alle Schuld.“ (Ps 65,4).
„Herr, wenn du unsere Sünde anrechnen würdest, wer, Herr, könnte da bestehen? Doch du schenkst uns Vergebung, damit wir lernen, dich zu fürchten.“ (Ps 130,3–4).
„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss all das Gute nicht, das er für dich tut. Er vergibt dir alle deine Sünden und heilt alle deine Krankheiten.“ (Ps 103,2–3).
Vergebung ist ein Kernzug des Wesens Gottes. Darum hat er seit dem Sündenfall den richtigen Zeitpunkt für das Kommen von Jeschua vorbereitet. Deswegen beschreibt er sich selbst so wunderbar als den, der „langsam zum Zorn und reich an Gnade ist und Schuld und Übertretung vergibt“ (2. Mose 34,6–8; 4. Mose 14,18).
Doch zwei Dinge über Vergebung werden von manchen Gläubigen übersehen:
Vergebung ist nicht automatisch
Wir müssen umkehren und Vergebung suchen. So lehrte es Johannes der Täufer: „Kehrt um, denn das Reich Gottes ist nahe!“ Und Jeschua lehrte seine Jünger zu beten „Und vergib uns unsere Schuld – so wie auch wir denen vergeben, die an uns schuldig geworden sind.“ (Lk 11,4).
Wir müssen in der Vergebung leben
Das bedeutet: Sie annehmen. Glauben, dass sie wirklich gilt. Und leben wie Menschen, denen vergeben wurde.
Das wurde mir besonders bewusst, als ich über Weihnachten einen Verwandten in einer psychiatrischen Klinik besuchte. Als ich früher als Seelsorger solche Einrichtungen besuchte, sagte mir einmal ein Facharzt:
„Wenn ich die Patienten hier davon überzeugen könnte, dass es eine Lösung für ihre Schuld und ihre Scham gibt, könnten mindestens 50 % schon morgen nach Hause gehen…“
Ich begegne viel zu vielen Gläubigen, die sich selbst nicht vergeben können – obwohl sie wissen, dass Jeschua gestorben ist, um sie von Schuld und Scham zu befreien.
Warum nehmen sie seine Vergebung nicht an und gehen weiter?
Wenn du dich hier wiederfindest, dann beginne 2026 mit einer klaren Entscheidung: Lerne, in der Vergebung zu leben, die Gott dir bereits geschenkt hat.